Appell an die Bundesregierung
Handwerk gegen Euro-Rettung um jeden Preis

Kanzlerin Merkel will alles zu tun, um den Euro zu retten. Das Deutsche Handwerk sieht das skeptisch. In einem Appell an die Bundesregierung warnt Verbandspräsident Kentzler vor zu hohen Kosten.
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DüsseldorfErstmals meldet sich das Deutsche Handwerk in der Euro-Debatte zu Wort und appelliert an die Bundesregierung, für die Rettung nicht jeden Preis zu zahlen. „Die Stabilisierung der Währungsunion ist kein Ziel an sich, das ungeachtet aller damit verbundenen Kosten verfolgt werden kann und darf“, schreibt Verbandspräsident Otto Kentzler in einem Positionspapier, das dem Handelsblatt (Freitagausgabe) vorliegt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte erst mit Frankreichs Präsident François Hollande und dann mit Italiens Ministerpräsident Mario Monti versprochen, alles zu tun, um den Euro zu retten. Kentzler warnt dagegen: „Die Kosten dürften keinesfalls größer werden als der Nutzen“. Sonst drohe die Zustimmung der Bürger zu schwinden, warnt der Verbandschef, der rund  eine Million  Betriebe und fünf Millionen Beschäftigte in Deutschland vertritt.

Der Handwerkspräsident betonte sechs Punkte, die die „Zukunft des Europäischen Währungsraums“ sichern sollen. Die Bundesregierung dürfe mit finanziellen Hilfen den Empfängerländern keinesfalls Anreize dafür geben, den innerstaatlichen Reformdruck abzuschwächen. „Es ist den  Bürgen und Unternehmen in den leistungsfähigen Stabilitätsländern nicht zuzumuten, im Ergebnis staatlicher Garantien, im Rahmen von Euro-Bonds oder Altschuldentilgungsfonds, für die politischen  Fehlentscheidungen anderer Staaten haften zu müssen – ohne Hoffnung auf tatsächliche Besserung “, schreibt Kentzler.

Die Refinanzierung des dauerhaften Rettungsschirms ESM durch die EZB berge laut dem Papier „massive Gefahren für die Funktionsfähigkeit der Währungsunion insgesamt“. Eine Flutung der Finanzsysteme mit zusätzlichem Geld der EZB könne rasch zu einer Ausweitung der inflationsrelevanten Geldmenge führen. „Wenn das Geldmengenwachstum nicht mehr durch die realwirtschaftliche Entwicklung unterlegt ist, droht Inflation“, warnt das Handwerk.

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

Kommentare zu " Appell an die Bundesregierung: Handwerk gegen Euro-Rettung um jeden Preis"

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  • @puk
    Ich glaube gerne, dass Sie was dran verdienen, als bezahlter Troll des Euro-Kartells.

    Für alle, die an der Wahrheit interessiert sind:
    http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/hans-werner-sinn-euro-krise-deutschland-droht-billionen-verlust/6643114.html

  • @Matthes
    „Deutschland wird von Brüssel ausgenutzt und lässt sich auch ausnutzen“
    -----------------------------------------------------
    Und Brüssel ist fest in der Hand der Lobbyisten aus Wirtschaft und Hochfinanz, die nicht immer mit sauberen Methoden arbeiten.

    http://www.lobbycontrol.de/blog/index.php/schwerpunkte/lobbyismus-in-brussel/

    Deren Methoden können mehr als zweifelhaft sein, wie die Öffentlichkeit erst jüngst an einem Beispiel erfahren hat.

    http://www.lobbycontrol.de/blog/index.php/2012/07/das-strippenzieher-1x1-des-herrn-notheis/comment-page-1/#comment-208033

    Sind die jährlichen Milliardenzahlungen für dieses „Bürokratiemonster“ in Brüssel wirklich sinnvoll investiert?
    Würde diese Behörde eine qualitativ hochwertige Steuerungs- und Kontrollfunktion in Europa ausüben, hätten wir jetzt nicht diese dramatische Schuldenkrise in den EURO Ländern.

  • Wenn man jenseits der Fakten immer nur das nachplappert, kann nichts anderes herauskommen als ein Sammelsurium von Absurditäten. Da wird von deutschen Verlusten gefaselt, die sich durch nichts belegen lassen. Das Gegenteil ist richtig, Deutschland hat und verdient an der Krise. Gezahlt wurde bis dato nichts, alles nur Behauptungen ohne Substanz.

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