Appell an die Kanzlerin
Zweifel an Merkels Euro-Rettungspolitik wachsen

In der deutschen Wirtschaft regt sich Widerstand gegen die Euro-Politik der Kanzlerin. Merkel solle für die Krisenbewältigung nicht jeden Preis zahlen, meinten Wirtschaftsverbände. Auch wenn der Euro scheitern sollte.
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BerlinErstmals meldet sich in der Euro-Debatte jetzt auch das deutsche Handwerk zu Wort. Sein Zentralverband appelliert an die Bundesregierung, für die Rettung nicht jeden Preis zu zahlen. "Die Stabilisierung der Währungsunion ist kein Ziel an sich, das ungeachtet aller damit verbundenen Kosten verfolgt werden kann und darf", schreibt Verbandspräsident Otto Kentzler in einem Positionspapier, das dem Handelsblatt vorliegt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte vor kurzem erst mit Frankreichs Präsident François Hollande und dann mit Italiens Ministerpräsident Mario Monti versprochen, alles zu tun, um den Euro zu retten. Notenbankchef Mario Draghi hatte ebenfalls zugesagt, die EZB werde innerhalb ihres Mandates alles tun, um den Euro zu erhalten.

Handwerkspräsident Kentzler, der rund eine Million Betriebe und fünf Millionen Beschäftigte in Deutschland vertritt, warnt dagegen vor solchen Versprechen: "Die Kosten dürfen keinesfalls größer werden als der Nutzen." Sonst drohe die Zustimmung der Bürger zu schwinden.

Der Präsident des Familienunternehmer-Verbands, Lutz Goebel, begrüßte ausdrücklich die Position des Handwerkverbands. „Es wird deutlich, dass die eigentümergeführten Unternehmen in Deutschland die Risiken der falschen Euro-Rettung klar benennen können“, sagte Goebel Handelsblatt Online. „Wir Eigentümer-Unternehmer müssen langfristig denken, daher wissen wir: Sobald jemand nicht mehr selber für sein Tun haften muss, geht alles den Bach runter.“

Auch die Überweisung von Hilfen an Spanien ohne generelle Auflagen und die Tatsache, dass Griechenland die gesetzten Auflagen nicht erfülle, falle unter diese Kategorie. „Moral hazard  ist die Überschrift über diese bisherige Art der Euro-Rettung“, sagte Goebel und fügte hinzu: „Bundeskanzlerin Merkel muss bei diesem Sittenverfall standhafter gegenhalten.“

Das Handwerk und die Familienunternehmer können sich durch eine aktuelle Umfrage, die von der ARD durchgeführt wurde, bestätigt sehen, wenn es davor warnt, die Hilfszusagen Deutschlands überzustrapazieren. Aus Sicht der meisten Deutschen steht danach Kanzlerin Merkel die Feuerprobe noch bevor: 84 Prozent denken laut dem Deutschland-Trend, dass der schlimmste Teil der Euro-Krise erst noch kommt.

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Zweifel an Merkels Euro-Rettungspolitik wachsen

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Angst vor Inflation

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  • 'popper? sagt
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    Da Sie den Drang haben ihr Wissen hier auszubreiten nur der Hinweis: Nettes Geschäft: Banken leihen sich zu ein Prozent Geld bei der EZB, kaufen damit Bonds mit 4,8% und hinterlegen die dann beim nächsten LTRO bei der EZB als Sicherheit, um erneut zu einem Prozent zu leihen, um damit neue Staatsanleihen… usw.
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    Das hat aber nur zu Anfang des Jahres ein bißchen funktioniert.

    Das von Ihnen angedeutete finanzielle perpetuum mobile ist es jedenfalls nicht.

    Denn sonst gäbe es mehr Nachfrage nach spanischen und italienischen Staatsanleihen und die Zinsen wären entsprechend niedriger.

    Was den Banken das "nette Geschäft" vor allem vermießt, ist der regulatorische Zwang zu einer höheren Eigenkapitalquote. Also ist es den allermeistemn Banken nicht möglich, das Geschäft auszuweiten.

    Dagegen kann die Notenbank gar nichts machen - selbst hundertjährige EZB-Kredite zu NULLL Prozent würden daran nichts ändern.

    ...

    Abgesehen davon kann man sich auch ohne LTRO bei der EZB zum Hauptfinanzierungssatz von 0,75% Geld leihen, wenn man als Pfand hinterlegbare Staatsanleihen hat.

    ...

    Eine Betrachtung der Geldmenge M3 zeigt, daß sich die Ausweitungsgeschwindigkeit der Geldmenge durch die LRTO nur unwesentlich geändert hat. Der Großteil der LTRO-Kredite ist von den Kreditnehmern zur Refinanzierung von Interbankenkrediten verwendet, und von den Kreditgeben der letzteren wieder bei der EZB eingelegt worden.

  • Da Sie den Drang haben ihr Wissen hier auszubreiten nur der Hinweis: Nettes Geschäft: Banken leihen sich zu ein Prozent Geld bei der EZB, kaufen damit Bonds mit 4,8% und hinterlegen die dann beim nächsten LTRO bei der EZB als Sicherheit, um erneut zu einem Prozent zu leihen, um damit neue Staatsanleihen… usw.
    Quelle: http://www.timepatternanalysis.de/Blog/2012/01/12/eurozone-nach-bond-auktionen-und-ezb/

  • Und wenn man die folgenden Daten ansieht, wird einem erst klar, worin wir stecken. Hätte das hochverschuldete England auch den Euro, wäre schon längst alles gescheitert, wie folgendes Zitat zeigt:

    "Hier sollten Sie die Auslandsverschuldung Irlands und Englands mit der Auslandsverschuldung Griechenlands, Frankreichs, Portugals, Spaniens und Italiens vergleichen (Spalte zwei und vier!), wobei es sich auch noch bei Deutschland bezahlt macht, weil die Auslandsverschuldung mehr aussagt als die reine Staatsverschuldung:

    http://www.usdebtclock.org/world-debt-clock.html

    Spalte eins: PUBLIC DEBT TO GDP RATIO - The cumulative total of all government borrowings less repayments that are denominated in a country‘s home currency.

    (Die Gesamtsumme aller öffentlichen Anleiheschulden unter Berücksichtigung von Rückzahlungen, die in eigener Währung gehalten werden.)

    Spalte zwei: EXTERNAL DEPT TO GDP RATIO - The total public and private debt owed to nonresidents repayable in foreign currency, goods, or services.

    (Die gesamten öffentlichen und privaten Schulden im Ausland; rückzahlbar in ausländischer Währung, in Waren oder in Form von Dienstleistungen.)"

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