Appell zum IT-Gipfel
Gabriel-Berater fordern Schulfach „Digitalkunde“

Beim Thema „Digitale Bildung“ in Deutschland sehen Berater von Wirtschaftsminister Gabriel einen „massiven Aufholbedarf“. Ihr Vorschlag für ein spezielles Schulfach für Grundschüler stößt bei Lehrern aber auf Ablehnung.
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BerlinDer Deutsche Lehrerverband lehnt die Forderung des Beirats Junge Digitale Wirtschaft (BJDW) beim Bundeswirtschaftsministerium nach der Etablierung eines verpflichtenden Schulfaches Digitalkunde an Grundschulen ab. „Ich bin für etwas mehr Realitätssinn und etwas weniger Euphorie in dieser Sache“, sagte Verbandspräsident Josef Kraus dem Handelsblatt. „Die Erziehung junger Menschen zu medienmündigen Bürgern ist natürlich eine neue Aufgabe für die Schule. Es ist auch sinnvoll, dass in den weiterführenden Schulen das Pflicht- oder zumindest das Wahlpflichtfach Informatik eingeführt wird.“

Der Beirat Junge Digitale Wirtschaft (BJDW) hatte anlässlich des am 16. und 17. November unter dem Motto „Lernen und Handeln in der digitalen Welt“ in Saarbrücken stattfindenden Nationalen IT-Gipfels Alarm geschlagen. „Wir müssen unseren Nachwuchs besser auf die Herausforderungen des digitalen Zeitalters vorbereiten und deswegen digitale Kompetenzen zu einem elementaren Bestandteil der Schulausbildung machen“, sagte der Beirats-Vorsitzende Tobias Kollmann. Das Ende der Kreidezeit ist längst erreicht.“

Beim Thema „Digitale Bildung“ in Deutschland sieht das Berater-Gremium einen „massiven Aufholbedarf“. „Kinder, die heute zur Schule gehen, werden nach ihrem Abschluss von einer Arbeits- und Lebenswelt umgeben sein, die in einem hohen Maß von Computern gezeichnet ist, sowohl im privaten Umfeld als auch dem öffentlichen Bereich, zum Beispiel politische Bildung, Nachrichten, Vernetzung und Teilhabe“, heißt es in einer Pressemitteilung des BJDW. Die Schule bereite jedoch mit den derzeitigen Lehrplänen nur „ungenügend“ auf diese Realität vor, bisherige Informatik- und Medienpädagogische Elemente seien „nicht ausreichend“.

Dieser Mangel setze sich an den Hochschulen fort, wo die Themen Digitale Wirtschaft, Digitale Transformation und digitales Unternehmertum ebenfalls kaum verankert seien und deswegen viel zu wenig IT-Fachkräfte, E-Business-Manager und Gründer von digitalen Start-ups ausgebildet werden. „Der resultierende Mangel an Digitalen Köpfen wird somit gerade für die Wirtschaft zu einem zentralen Problem für die Zukunft“, warnen die Berater. Sie fordern daher von der Bundesregierung die Planung und Etablierung eines verpflichtenden Schulfaches „Digitalkunde“, „Informatik“ beziehungsweise „Computing“ als grundsätzliche Einführung in die digitale Welt an der Grundschule. Denn jeder Mensch werde mit dem Thema „Digitalisierung“ in Berührung kommen und brauche daher eine entsprechende Grundkompetenz.

Der Lehrerverbands-Präsident Kraus machte indes deutlich, dass er keineswegs die Digitalisierung bereits in der Grundschule wolle. Vielmehr plädiert er dafür, insbesondere den berufsbildenden Schulen eine „optimale Hard- und Software-Ausstattung“ zur Verfügung zu stellen. Ansonsten sei Bildung zum mündigen Umgang mit den digitalen Möglichkeiten eine „Querschnittsaufgabe, die alle Schulfächer, freilich in unterschiedlicher Weise, zu erfüllen haben“, betonte Kraus.

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