Arbeitgeber-Institut
„Flüchtlinge nach Ostdeutschland leiten“

Flüchtlinge sollen in dünn besiedelten Gebieten untergebracht werden, etwa in Ostdeutschland: Das schlägt das Institut der deutschen Wirtschaft vor. Ansonsten drohe dort vielerorts Entvölkerung, warnt IW-Chef Hüter.

DüsseldorfDas arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) fordert die Politik auf, Flüchtlinge vermehrt nach Ostdeutschland zu leiten. „Für Flüchtlinge wie für Zuwanderung insgesamt gilt: Die deutsche Politik sollte beides besser steuern und die Menschen gezielter in Regionen leiten, die Zuwanderung dringend nötig haben“, sagte IW-Direktor Michael Hüther der „Rheinischen Post“. Das betreffe vor allem Ostdeutschland.

Dort seien fast 20 Prozent der Arbeitnehmer mit Schlüsselqualifikationen – wie in Mathe, Informatik oder Naturwissenschaften – älter als 55 Jahre, und es fehlt an Nachwuchs. Hier liege der Anteil der Ausländer meist nur bei zwei Prozent. „Viele ostdeutsche Regionen werden in zehn Jahren entvölkert sein, wenn die Politik jetzt nicht umsteuert“, warnt Hüther.

Die deutschen Behörden rechnen für das Jahr 2015 mit mindestens 800.000 Asylbewerbern. Allein am vergangenen Wochenende kamen etwa 20.000 Menschen in Deutschland an, vor allem in Bayern. Von dort sollen sie nun nach Möglichkeit im gesamten Bundesgebiet verteilt werden, des weiteren wurde auch die Einrichtung neuer Verteilungszentren für Flüchtlinge diskutiert. Als möglicher Standpunkt war auch die sächsische Stadt Leipzig im Gespräch gewesen.

Auf die Frage, wie viel Zuwanderung für Deutschland sinnvoll ist, sagte Hüther: „Wir können bundesweit gut 500.000 Zuwanderer netto pro Jahr verkraften, wie das Jahr 2014 gezeigt hat. Damit liegen wir bezogen auf die Bevölkerung auf dem Niveau der Schweiz.“

Vor allem in Ostdeutschland waren in den vergangenen Monaten immer wieder Flüchtlingsunterkünfte Opfer von Anschlägen geworden. Traurige Berühmtheit erreichte der Ort Heidenau in Sachsen, in dem Ende August rechtsradikale Demonstranten über mehrere Tage vor einer Flüchtlingsunterkunft randalierten. Bundespräsident Joachim Gauck sprach daraufhin von einer Teilung des Landes in ein „Dunkeldeutschland“ und ein „helles Deutschland“.

Lars-Thorben Niggehoff
Lars-Thorben Niggehoff
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter
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