Arbeitgeber legen neues Angebot vor
Zähe Verhandlungen im Stahl-Tarifkonflikt

Unmittelbar nach der Entscheidung für die Urabstimmung über einen Streik in der westdeutschen Stahlindustrie wollen die Tarifparteien nun noch einmal versuchen, die Eskalation zu vermeiden. Die Arbeitgeber legten ein neues Angebot vor.

HB DORTMUND. Bei der abendlichen Gesprächsrunde im Tarifstreit der westdeutschen Stahlindustrie haben die Arbeitgeber am Dienstag ein neues Angebot vorgelegt. Dies erklärte der 2. Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, am Rande der Verhandlungen in Dortmund. Die Gewerkschaft lehnte die Vorschläge jedoch ab. „Wir halten das weder von der Höhe noch von der Laufzeit für akzeptabel“, sagte Huber. Einzelheiten nannte er nicht.

Er habe die Hoffnung aufgegeben, dass es zu einer schnellen Lösung komme, so Huber weiter. Der Funktionär signalisierte jedoch weitere Gesprächsbereitschaft. „Wir wollen am Verhandlungstisch ein Ergebnis erzielen“, meinte er. Streik sei kein Selbstzweck. Insgesamt seien es „schwierige Verhandlungen“.

Die zu Beginn noch elfköpfigen Verhandlungsdelegationen wurden unterdessen auf jeweils fünf Mitglieder verkleinert. „Wir operieren mit anderen Zahlen, es gibt aber keine fertigen Konzepte“, sagte der Sprecher des Arbeitgeberverbandes Stahl, Volker Becher. Die Gesprächsatmosphäre sei sachlich und konstruktiv. In der Sache seien es aber „schwierige Verhandlungen“. Er wolle nicht ausschließen, dass es „eine lange Nacht wird“.

Auf Initiative der Arbeitgeber hatten sich die Tarifpartner am Dienstagabend zu einem weiteren Gespräch getroffen. Ihr Verhandlungsführer Detlef Wetzel erklärte, die Gewerkschaft sei weiter bereit, nach einer Einigung ohne Streik zu suchen. Die IG Metall fordert 6,5 % mehr Lohn und Gehalt und beruft sich dabei auf den weltweit anhaltenden Stahlboom. Die Arbeitgeber hatten dagegen zuletzt 2,4 % mehr Geld über 19 Monate und eine Einmalzahlung von 800 € angeboten. Die IG Metall erklärte die Verhandlungen für die rund 85 000 Beschäftigten der Branche im Westen daraufhin Anfang Mai für gescheitert.

Am Dienstagmittag hatte der Gewerkschaftsvorstand in Frankfurt dem Antrag der Stahl-Tarifkommission für Urabstimmungen in der westdeutschen Stahlindustrie zugestimmt und damit bereits den Weg für einen Arbeitskampf freigemacht. „Die Beschäftigten haben ein Recht, am anhaltenden Boom in der Stahlbranche beteiligt zu werden“, begründete IG-Metall-Chef Jürgen Peters die Zustimmung zur Urabstimmung, die vom 13. bis 19.Mai statt finden soll.

„Die Unternehmen schwimmen im Geld, die Aktionäre und Vorstände profitieren von den exorbitanten Gewinnen, aber die Beschäftigten sollen sich mit einem Zuwachs begnügen, der gerade mal die Inflationsrate ausgleicht“, kritisierte Peters. Zur Streiktaktik äußerte er sich nicht. Die Streikkasse sei aber hinreichend gefüllt, um einen schlagkräftigen Arbeitskampf zu führen, sagte er. Zuletzt hatten die Stahlarbeiter 1978 für die Einführung der 35-Stunden-Woche gestreikt. Dieses Ziel setzte die IG Metall allerdings erst sechs Jahre später durch.

Auch in Ostdeutschland hatte die IG Metall das Scheitern der Tarifverhandlungen für die rund 8000 Stahlbeschäftigten erklärt, allerdings noch keine Urabstimmung beantragt. Die Arbeitgeber bieten dort dasselbe wie im Westen.

Die deutschen Stahlwerke sind derzeit noch voll ausgelastet. Durch den zunehmenden Lageraufbau der Kunden und gestiegene Stahlimporte in die EU sind die Preise jüngst aber leicht unter Druck geraten. Führende Stahlhersteller wie Thyssen-Krupp oder Salzgitter haben daher mit Produktionskürzungen reagiert. Ein Ende des Stahlbooms ist nach Einschätzung des deutschen Stahlverbands aber nicht in Sicht. Allenfalls wird eine Abschwächung auf hohem Niveau erwartet.

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