Arbeitgeber: "Völlig illusionär"
IG Metall beschließt erste Lohnforderung

Die IG Metall geht für die Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg mit einer Lohnforderung von fünf Prozent in die Tarifrunde 2006. Das beschloss die Tarifkommission am Dienstag für die rund 70 000 Beschäftigten der Region.

BERLIN. Berlin-Brandenburg hat damit als erster Tarifbezirk in Deutschland eine Forderung aufgestellt. Die Tarifverhandlungen sollen am 14. Februar in Berlin beginnen. Der auszuhandelnde Tarifvertrag soll nach den Vorstellungen der Gewerkschaft eine Laufzeit von zwölf Monaten haben.

Die Erhöhung sei „bezahlbar, volkswirtschaftlich sinnvoll und sozial gerechtfertigt“, sagte der Bezirksleiter der Gewerkschaft, Olivier Höbel. Die IG-Metall-Spitze hatte bundesweit Forderungen von bis zu fünf Prozent empfohlen.

Die Arbeitgeber nannten die Forderung dagegen „völlig illusionär“. Der Trend zur Verlagerung von Produktionsteilen ins Ausland würde sich bei einem zu hohen Abschluss verschärfen, warnte Hartmann Kleiner, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg. Wenn die Kostenbelastungen für die Unternehmen nicht deutlich gesenkt werden könnten, drohe sich der Personalabbau in der Industrie der Region fortzusetzen, so Kleiner.

IG-Metall-Bezirksleiter Höbel sagte dagegen: „Die Wettbewerbsposition und die Exportkraft entwickeln sich außerordentlich gut.“ Seit Jahren seien Lohnquoten und Lohnstückkosten in der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie rückläufig. „Der schwache Binnenmarkt braucht Impulse. Die Einkommen als wichtige Komponente der Nachfrage müssen daher deutlich steigen“, unterstrich Höbel.

Die Forderung stütze sich darauf, dass der „gesamtwirtschaftlich neutrale Spielraum aus Inflationsrate und Produktionszuwachs“ für das laufende Jahr bei vier Prozent liege. Die Lage der Branche in Ostdeutschland sei angesichts hoher Zuwächse bei der Produktivität und positiver Ertragsaussichten zudem noch günstiger. Die Arbeitgeber bezeichneten diese Berechnungen allerdings als falsch.

Neben den höheren Entgelten und Ausbildungsvergütungen will die Gewerkschaft in der Verhandlungsrunde Tarifverträge über vermögenswirksame Leistungen und zu „Qualifizierung und Innovation“ erreichen. Die Bundesspitze der IG Metall will am 20. Januar die endgültige Forderung beschließen. In der Branche sind bundesweit rund 3,4 Millionen Menschen beschäftigt.

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