Arbeitgeberchef Ingo Kramer „Schaden durch dieses Rentenpaket wäre gewaltig“

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer übt massive Kritik an der Rentenreform. Der Großen Koalition wirft er vor, die Folgen der Reform mutwillig in Kauf zu nehmen. Vor allem einen Minister macht Kramer dafür verantwortlich.
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Er rechnet mit der Arbeit der Großen Koalition ab – und ist alles andere als zufrieden: Arbeitgeberchef Ingo Kramer. Quelle: Reuters

Er rechnet mit der Arbeit der Großen Koalition ab – und ist alles andere als zufrieden: Arbeitgeberchef Ingo Kramer.

(Foto: Reuters)

BerlinDer Präsident der Bundessvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) Ingo Kramer hat wenige Tage vor der ersten Lesung im Bundestag heftige Kritik an den Rentenplänen und der Arbeitsweise der schwarz-roten Koalition geübt. „Der Schaden, der durch dieses Rentenpaket entstehen würde, wäre gewaltig“, sagte Kramer der digitalen Tageszeitung Handelsblatt Live. Angesichts der gigantischen Kosten von mindestens 130 Milliarden Euro bis 2030 sei zu befürchten, dass die Sozialabgaben schon bald wieder über die gefährliche Schwelle von 40 Prozent ansteigen.

„Ich sage voraus, dass wir deshalb bereits in der nächsten Legislaturperiode die nächste Rentenreform brauchen werden.“ Und dabei werde es dann nicht wie heute um Leistungsverbesserungen, sondern um Beitragserhöhungen, zusätzliche Steuerzuschüsse und „wohlmöglich auch Kürzungen bei der Rente gehen“.

Der Bundesregierung warf er vor, diese Folgen der Reform mutwillig in Kauf zu nehmen. „Der Finanzminister macht doch gar keinen Hehl daraus, dass 2017 wegen dieser Reform der Rententopf leer sein wird. Viele aus der Politik sehen das genau so, aber es scheint ihnen nicht wichtig zu sein, weil nach 2017 eine andere Regierung die Probleme lösen muss,“ sagte Kramer.

Union und SPD warf der Arbeitgeberchef in diesem Zusammenhang eine falsche Nibelungentreue zum Koalitionsvertrag vor. „Fast alle meine Gesprächspartner in der Politik versichern mir sogar, dass ich im Recht sei. Dann kommt immer der gleiche Tenor. Man müsse sich an den Koalitionsvertrag halten.“ Union und SPD schauten nur noch darauf, „dass sie keinen Gesichtsverlust erleiden. Beide Seiten müssen ihre Wahlgeschenke einlösen, und das wird dann einfach für alle teuer“, sagte Kramer. Das gehe alles nach der Devise „Augen zu und durch“.

Den ganzen Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe von „Handelsblatt Live“, der dreimal täglich aktualisierten Digitalzeitung, die über eine App für iPad und Android verbreitet wird.

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16 Kommentare zu "Arbeitgeberchef Ingo Kramer: „Schaden durch dieses Rentenpaket wäre gewaltig“"

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  • Aber Sie kennen die Alters-"Pyramide" in Deutschland?
    Ich glaube nicht.

    "Aber welchen Sinn das haben soll, dass Alte bis 67 oder gar 70 arbeiten sollen, bei einer Jugendarbeitslosigkei vo ca 15%, hat er nicht erklärt."
    Wahrscheinlich glauben Sie auch noch an die Planstellen Theorie, so wie drüben.

    Arbeit gibt es wie Sand am Meer, nur eben nicht genügend Produktivität in einigen Bereichen, um diese Arbeit bezahlen zu können. Hätten Sie nicht auch gerne eine Haushaltshilfe die bügelt und abwäscht? Produzieren Sie in Ihrem Job die 10 Euro por Stunde die Sie das kostet extra um dies zu finanzieren?
    Ich nicht, da muss ich weiter bügeln, leider.

  • Wer soll das brzahlen? Und wer bezahlt jetzt die arbeitslosen Jugendliche? Bekanntlich sind arbeitslose Rentner nicht ein so großes soziales und finanzielles Problem, wie die Arbeitslosen Jugendliche. (Kriminalitätsvervolgung und -bekämpfung.)Und "bedeutend produktiver als früher" arbeiten wir durch den ständig steigenden Fortschritt sowiso.

  • Haben die Bürger den Arbeitgeberpräsidenten gewählt oder Politiker??? Wenn das Geld fehlt, muss man zunächst den Spitzensteuersatz der Ära Kohl (53 %) wieder einführen. Hat der Arbeiteberpräsident schon einmal die vielen Geschenke für die Industrie durch die Rot-Grüne Regierung benannt?

  • Ich schrieb ja nun, dass ich jedem seinen verdienten Ruhestand gönne! Und ich bin echt fassungslos wie diese Rentenreform auf dem Rücken der jüngeren Generation ausgetragen wird! Sie haben das Problem nicht ganz verstanden! Es geht nicht darum das jemand persönliche Nachteile durch diese Regelung hat. Eine ganze Generation wird dafür in Haft genommen und muss dafür bezahlen. Das profitierende Klientel ist aber verschwindend gering denn es kommt nur die aktuelle Generation die kurz vor der Rente steht in den Genuß. Was erzählen sie bitte dem Klempnerlehrling wenn er in 40 Jahren in Rente geht. Du wirst genauso hart arbeiten müssen wie dein Meister, allerdings einige Jahre länge, bei real niedrigeren Löhnen und bei geringerer Rente. Das finden sie also gerecht? Von daher ist und bleibt es ein GESCHENK an die großen Gewerkschaften!

  • Muttis Gurkentruppt ist die schlechteste Regierung aller Zeiten. Insbesondere die völlige Fehlbesetzung Nahles, aber auch der Lügenbaron im Finanzministerium, nehmen durch ihr verantwortungslose Handeln zukünftige schmerzhafte Reformen in Kauf.

    Im Mai wird gewählt!

  • Ach ja? Ich sehe da Leute wie meinen Klempner, der - seit er 17 ist - auf feuchten Baustellen rumkriecht und schon mit Mitte 50 eigentlich kaputt ist. Oder den Typen, der täglich Tonnen von Sperrmüll beseitigt, diverse Bandscheibenvorfälle, verschlissenene Gelenke. Oder die Krankenschwester, ihr Leben lang schwer gehoben, etc. etc. etc.
    Jemanden, der aus seiner persönlichen Sicht unfaire Vorteile durch eine bestimmte Regelung hat, findet man immer. Aber gerade die abschlagsfreie Rente nach 45 Arbeitsjahren (!!!) als ungerechtfertigtes "Geschenk" zu betrachten - ich bin da echt fassungslos.

  • Die Arbeitgeberlobbyisten werden immer schlechter.

    Es kann niemand bestreiten, dass die Leistungen aus der Rentenversicherung sukzessive geringer wurden und darf auch nicht vergessen, dass Rentenleistungen zum überwiegenden Teil Personen erhalten, die sich aktiv am Wirtschaftsprozess beteiligt hatten und zur Wertschöpfung beitrugen. Hier mussten Verbesserungen durchgesetzt werden.

    Wer sich in Deutschland am Wertschöpfungsprozess nicht beteiligt, hat bis auf wenige Ausnahmen eine wesentlich bessere Altersversorgung und muss sich vor allen Dingen nicht alle Tage vorhalten lassen, wie „teuer“ er eigentlich ist.

    Der Verweis des Arbeitgebervertreters auf das Jahr 2030, ist der Versuch eines Matrosen auf einem Segelschiff, bei dichtem Nebel mit einer zu kurzen Stange einen Eisberg zu ertasten.

    Soll heißen, was im Jahr 2030 tatsächlich ist, steht in den Sternen, möglicherweise existiert das bisherige Altersversorgungs-System nicht mehr - was wünschenswert wäre - und alle erhalten aus einer Kasse ihre Leistungen.

  • Kurz und bündig: Liebe Arbeitgeber, bitte nicht Wasser predigen und selber Wein trinken. Wenn wir wieder ähnliche Zeiten bekommen sollten wie jene von Schmidt, Brandt, Klucker, Wulf-Mathieß, Lahnstein usw, wo es Einstellungs-Orgien im ÖD gab, viel zu hohe Lohn-Abschlüsse, Anfang der hohen Schulden-Macherei, hohe Inflations-Raten, die dazu führten, dass Deutschland der "Kranke Mann" Europas wurde und der damalige Finanz-Minister das Schmidt-Kabinett verlassen hatte, weil er die Schulden-Orgien nicht mehr mit verantworten wollte. Liebe Arbeitgeber, das war auch eure Mitverantwortung, weil ihr den Hals nicht voll genug bekommen konntet..! Und heute solltet ihr besser aufpassen und mit den Gewerkschaften intelligentere Gespräche und Verhandlungen führen..!

  • Wenn es nach den Arbeitgeberpräsidenten gehen würde, würden wir heute noch mit dem Faustkeil auf Büffeljagt gehen. Bei jedem Fortschritt sahen sie "verherende Konsequenzen". Bei der Einführung des 8-Std.-Tages, sowiso. Bei der Einführung der 5-Tagewoche,sowiso. Urlaub für Arbeinehmer: "Welch eine Katastrophe!" Gewrkschaftliche Mittbestimmung: "Hilfeeee!!!" Welchen sinn das aber haben soll ( Entschuldigung. machen soll)

  • Es bleibt zudem das "Problem" mit der Lebenserwartung. Wir wollen immer älter werden, immer länger Rente beziehen - und plötzlich fragen wir uns, wie wir das alles bezahlen wollen. De Facto müssten wir also aufgrund des längeren Lebens entweder länger arbeiten oder deutlich produktiver als früher oder wir müssten uns ingesamt mehr einschränken.

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