Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt im Handelsblatt-Interview
Ölzeug bereitlegen statt Badeschlappen

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt zieht eine düstere Bilanz der Großen Koalition: Reformversprechen würden nicht eingehalten, die Regierung verteile zu viele soziale Wohltaten. Zudem warnt Hundt vor übersteigerten Lohnforderungen: Diese könnten die schwächelnde Konjunktur vollends abwürgen.

Handelsblatt: Herr Hundt, sieben Jahre lang haderten Sie mit Rot-Grün. Jetzt regiert seit drei Jahren eine CDU-Kanzlerin. Sie müssten zufrieden sein....

Hundt: Die wirtschaftliche Entwicklung in den vergangenen drei Jahren war erfreulich positiv. Nur ist das zum geringsten Teil auf die Große Koalition zurückzuführen. Die Unternehmen haben sich umstrukturiert und wettbewerbsfähiger aufgestellt. Dazu gehören auch die Leistungen der Tarifparteien. Die Tarifverträge sind flexibler geworden, wir hatten eine verantwortungsvolle Lohnpolitik. Zudem haben die Arbeitsmarktreformen der "Agenda 2010" einen wichtigen Beitrag geleistet...

...das sind aber alles keine Leistungen der Großen Koalition.

Doch, die Arbeitsmarktreformen wurden schon in einer großen Koalition von Bundestag und Bundesrat gemeinsam beschlossen. Außerdem war die Entscheidung der jetzigen Koalition richtig, das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre anzuheben.

Und die Haushaltssanierung?

Das klare Bekenntnis zur Konsolidierung ist lobenswert. Die jüngsten Fortschritte auf diesem Weg sind aber vor allem auf Steuererhöhungen und konjunkturbedingte Steuermehreinnahmen zurückzuführen.

Außerdem ist die Arbeitslosigkeit auf dem niedrigsten Stand seit 15 Jahren. Ist das kein Erfolg?

Auf die wesentlichen Gründe der guten Wirtschaftsentwicklung habe ich doch hingewiesen. Entscheidend ist, wie es jetzt weiter geht. Und da muss ich an die Adresse der Regierung sagen: Was wir in diesem Jahr beim Thema Reformen erleben, ist ernüchternd. Das geht in die falsche Richtung, wir drehen Reformen zurück: Längeres Arbeitslosengeld, Sonder-Rentenerhöhungen, höhere Pflegeleistungen. Und jetzt wird auch noch über eine Ausweitungen der Leistungen der Krankenversicherung gesprochen. Das alles treibt die Sozialversicherungsbeiträge nach oben.

Gehen Sie davon aus, dass der Aufschwung jetzt zu Ende ist?

Die jüngsten Konjunkturdaten geben Anlass zur Sorge. Die Wirtschaftsentwicklung wird sich deutlich abschwächen. Darauf müssen wir uns einstellen. Wer auf düstere Wolken zusegelt, muss das Ölzeug bereitlegen und nicht die Badeschlappen anziehen. Es wäre gut, wenn die Politik das schnell zur Kenntnis nimmt.

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