Deutschland

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Arbeitgeberpräsident: Hundt fordert Abschaffung des Soli

Dieter Hundt spricht sich für ein Ende des Solidaritätszuschlags aus. Damit schlägt er ähnliche Töne wie die FDP an. Diese sieht durch die Abschaffung sogar Vorteile für die Menschen in Ostdeutschland.

Die FDP will den Solidaritätszuschlag abschaffen. Quelle: dapd
Die FDP will den Solidaritätszuschlag abschaffen. Quelle: dapd

BerlinArbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat sich – wie die FDP – für ein Ende des Solidaritätszuschlags ausgesprochen. „In der kommenden Legislaturperiode gehört der Solidaritätszuschlag beendet“, sofern dies die Haushaltskonsolidierung nicht gefährde, sagte Hundt der Tageszeitung „Die Welt“ (Samstag). Die FDP will den Soli nach der Bundestagswahl schrittweise senken und 2019 mit dem Ende des Solidarpakts ganz abschaffen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will den Solidaritätszuschlag vor 2019 nicht antasten.

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Die Abschaffung des Solidaritätszuschlages wäre aus FDP-Sicht „ein Symbol für die Vollendung der Deutschen Einheit“. Die Sondersteuer des Bundes nehme deutlich mehr ein als in den Aufbau Ost fließe, erklärte der Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion für den Aufbau Ost, Patrick Kurth am Donnerstag. Diese Mehreinnahmen kämen überwiegend dem Westen zugute. Wegen der in Ostdeutschland geringeren Einkommen würde sich – so Kurth – die Abschaffung des Solidaritätsbeitrags vor allem dort positiv auswirken.

Reiche in Deutschland

  • Ab wann gilt man als reich?

    Eine Definition für Reichtum gibt es nicht. Auch ist dies - wie so vieles - relativ. Der Durchschnittsverdienst eines Arbeitnehmers liegt in Deutschland bei rund 30.000 Euro. Die Hälfte der 26,6 Millionen Steuerpflichtigen hatte nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2007 Einkünfte von bis zu 29.000 Euro, 10 Prozent erhielten mehr als rund 73.400 Euro, aber nur ein Prozent mehr als 206.000 Euro.

  • Wie ist die Vermögensverteilung?

    Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht von einem Nettovermögen in Deutschland von 9,3 Billionen Euro. Das umfasst Immobilien, Geldvermögen, Versicherungen, Betriebsvermögen oder auch Vermögen in Form wertvoller Sammlungen. Dieses Vermögen ist in Deutschland ungleich verteilt. So besitzen 10 Prozent der Bevölkerung nach Angaben des DIW gut 66 Prozent des Gesamtvermögens. Ein Prozent der Bevölkerung verfügt über mehr als ein Drittel des gesamten Vermögens.

  • Wie viele Millionäre und Milliardäre gibt es in Deutschland?

    Nach Angaben des „Manager Magazins“ gibt es in Deutschland gut 100 Milliardäre - sowohl Einzelpersonen als auch Familien. Angeführt wird die Liste der Superreichen von Aldi-Gründer Karl Albrecht.

    Trotz Wirtschaftskrise und Börsenturbulenzen ist auch die Zahl der Deutschen, die über ein Nettovermögen von einer Million Euro und mehr verfügen deutlich gestiegen. Der D.A.CH-Vermögensreport 2012 gibt die Zahl der Euro-Millionäre in Deutschland mit 826.000 an.

  • Wie sieht es mit „Einkommensmillionären“ aus?

    Laut Statistischem Bundesamt gab es im Jahr 2007 insgesamt 16.681 Steuerzahler mit Einkünften von einer Million Euro oder mehr. Die meisten kamen aus Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

  • Wer zahlt Steuern?

    Auf das oberste Zehntel der Einkommensbezieher entfielen 2007 fast 55 Prozent des gesamten Steueraufkommens. Fast ein Viertel (23,9) des Aufkommens ging auf die 1 Prozent Einkommensreichsten zurück. Dagegen zahlt die untere Hälfte nur sieben Prozent des Steueraufkommens.

  • Werden Reiche künftig stärker besteuert?

    Wenn es nach SPD, Grünen, Linken und Gewerkschaften geht: Ja. Es geht vor allem um einen höheren Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer und eine Rückkehr zur Vermögensteuer, die Ende 1996 in Deutschland ausgesetzt wurde. Zurzeit liegt der Spitzensteuersatz bei 42 Prozent, er gilt ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 52.882 Euro. Hinzu kommt die „Reichensteuer“ von 45 Prozent ab 250.001 Euro (Ledige). Die Sätze könnten angehoben werden oder früher greifen.

Hundt kritisierte die Steuerpläne von SPD und Grünen als „Belastung der Wirtschaft in einer Größenordnung, wie wir sie in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht hatten“. Aus seiner Sicht hätte die Wiedereinführung der Vermögensteuer „erheblich negative Auswirkungen auf die Investitionsfähigkeit mittelständischer Unternehmen“. Wenn er höre, dass selbst die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) nach einer Erhöhung des Spitzensteuersatzes rufe, empfinde er sich „im falschen Film“.

  • 03.05.2013, 14:05 UhrSpeedy

    Der Soli gehört allein schon wegen des niedrigen Zinssatzes der EZB abgeschafft. Ohne wenn und aber.

  • 16.04.2013, 08:13 UhrRDA

    Warum fordert Dr. Hundt nicht die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der Sozialkassen? Hier würden mir die GKV, Pflegeversicherung und die Rentenkasse einfallen, wenn man die Riesterrente langsam auslaufen lässt.

  • 29.03.2013, 11:36 Uhrmargrit117888

    Auch wenn man sonst Herrn Hundt nicht mag. Aber in diesem Fall muß ihm Recht geben

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