Arbeitgebertag 2016
Eine Wahlempfehlung für Merkel

Beim diesjährigen Arbeitgebertag hat Angela Merkel ein Heimspiel. Die Unternehmer wissen sehr gut, was sie an der Bundeskanzlerin haben. Sie gilt Stabilitätsanker in einer zunehmend unruhigeren Welt.
  • 9

BerlinAuftritte der Bundeskanzlerin bei Arbeitgebertagen sind nicht immer leicht. Im vergangenen Jahr musste sich Angela Merkel von den versammelten Unternehmen noch viel Kritik anhören, etwa an überzogener Regulierung auf dem Arbeitsmarkt. An diesem Dienstag jedoch, das ist deutlich spürbar im Versammlungshotel an der Berliner Sonnenallee, sind die Firmenchefs froh, ihre Merkel zu haben.

Die Kanzlerin ist der Stabilitätsanker in einer zunehmend unruhigeren Welt. Auch vor einem Jahr war die Situation keine einfache: Die Flüchtlingskrise dominierte das politische Geschehen, Russland war schon damals eher unsicherer Kantonist als verlässlicher Partner. Und dieses Jahr? Globalisierungsgegner haben es der Regierung beim Ceta-Handelsabkommen mit Kanada äußerst schwer gemacht und den europäisch-amerikanischen Pakt TTIP vorerst zu Fall gebracht. Der freie Handel – essentiell für die exportorientierte deutsche Wirtschaft – ist bedroht. Die Briten werden sich aus der EU verabschieden. Und ins Weiße Haus zieht im kommenden Jahr Donald Trump ein. Deutschlands wichtigster Handelspartner wird dann von einem Populisten und Isolationisten regiert, der seiner „America first“-Devise folgen wird. Hinzu kommen Herausforderungen wie die Digitalisierung, die viele Arbeitnehmer um ihre Jobs fürchten lässt.

Da ist es gut, wenn die Kanzlerin Trost spendet. „Wir leben in einer Phase der wirtschaftlichen Prosperität“, sagt Merkel – nicht zuletzt dank der gut funktionierenden Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften. Politik und Unternehmen dürften den Anspruch, die Globalisierung zu gestalten, nicht aufgeben. Es sei doch ein „Paradoxon“, dass jene, die jahrzehntelang reine Zollsenkungsabkommen kritisiert hätten, nun aufschreien, wenn mit Ceta und TTIP erstmals auch Sozialstandards verankert werden sollen. Gerade in diesem Punkt passt kein Blatt zwischen Merkel und die versammelten Arbeitgeber: „Ich predige hier in der falschen Kirche“, sagt die Regierungschefin.

Merkel nimmt die Sorgen der Unternehmer ernst. In fünf oder sechs Jahren mag die steuerliche Entlastung für die Arbeitgeber vielleicht schon weniger wichtig sein als die Sicherung des Fachkräftenachwuchses. Deshalb sei es nötig, das deutsche Einwanderungsrecht zu vereinfachen, um Zuwanderung in den Arbeitsmarkt zu sichern, wie die Kanzlerin betont, nicht in den Sozialstaat.

Seite 1:

Eine Wahlempfehlung für Merkel

Seite 2:

Dissens gibt es beim Thema Rente

Kommentare zu " Arbeitgebertag 2016: Eine Wahlempfehlung für Merkel"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wie ich gerade festgestellt habe, werden Kommentare nicht mehr „gesperrt“, sondern ratzfatz gelöscht.

    Missliebigen Warnhinweise auf das Vorgehen der Zensur werden kurzerhand ebenfalls gelöscht.

    Wusste gar, dass der EgoWahn sogar schon hier das Sagen hat. Oder ist es vielleicht der neue Feind - die „Reichsbürger“?

  • Noch ein Beispiel für die Trickserei durch die „schwarze Null“. Es werden und wurden Bundesanleihen herausgegeben, die einen höheren Nominalerlös bringen, für die dann aber für die Laufzeit deutlich höhere Zinsen als inzwischen marktüblich zu zahlen sind.

    So hat man sich klammheimlich höhere Etatmittel verschafft, für die dann die etwas Jüngeren die Zeche in Form höherer Zinsen zu zahlen haben. Für das HB alles kein Thema.

    Insofern auch kein Unterschied zu den Systemmedien.

  • @Herr Grutte Pier

    Da sind inzwischen für die Gesundheitsfürsorge der sogenannten Flüchtlinge der Ausschüttung von 1,3 Mrd. € aus dem Gesundheitsfond bewilligt worden. Heißt mit anderen Worten, dass nur die GKV-Versicherten die „Zeche“ zahlen dürfen.

    Beinahe hätte ich es vergessen : Die GKV verlangt darüber hinaus weit über 2 Mrd. €.

    Das Beste zum Schluss – damit soll vermieden werden, dass es den Dummdeutschen vor der BTW auffällt, was die illegale Einwanderung tatsächlich kostet. Deshalb jetzt 1,3 Mrd. € aus dem Gesundheitsfond, damit die Zusatzbeiträge in der GKV nicht steigen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%