Arbeitgeberverbände Hundt verreißt Mindestlohn-Pläne der CDU

Die Mindestlohn-Pläne der CDU/CSU empören die Arbeitgeberverbände. Das Modell der Union für eine allgemein Lohnuntergrenze sei „nicht durchdacht“  und in Teilen „kurios“, sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt.
34 Kommentare
Der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände BDA, Dieter Hundt. Quelle: dpa

Der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände BDA, Dieter Hundt.

(Foto: dpa)

Mit großer Ablehnung reagieren die Arbeitgeberverbände auf Ideen für eine Lohnuntergrenze aus CDU und CSU. Gleichzeitig zeigen sie in dieser Frage neue Sympathien für die FDP. Das Modell der Union für eine allgemein Lohnuntergrenze sei „nicht durchdacht“  und in Teilen „kurios“, sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt dem Handelsblatt (Freitagausgabe). „Ich begrüße das klare Nein der FDP zu einem allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn“, sagte er. Hundt bezog sein Lob direkt auf den Widerstand der Liberalen gegen die Pläne der Union. Bei Koalitionsgipfel zu Wochenbeginn hatte sich die FDP gegen das Ziel der CDU/CSU gestellt, noch vor der Bundestagswahl 2013 eine Lohnuntergrenze für alle Branchen einzuführen.

„Ich wundere mich, dass große Teile der Politik die gravierenden arbeitsmarktpolitischen Fehler anderer Länder offenbar importieren wollen“, sagte Hundt. In praktisch allen europäischen Ländern mit einem Mindestlohn sei die Jugendarbeitslosigkeit deutlich höher als in Deutschland. In der Unionsfraktion hatte Ende April  eine Arbeitsgruppe aus Wirtschafts- und Sozialpolitikern mit Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ein Konzept vorgelegt, wonach künftig eine Kommission aus Gewerkschafts- und Arbeitgebervertretern einen allgemeinen Mindestlohn aushandeln soll. Die Union hält sich zugute, damit die Tarifautonomie zu bewahren.

„Der Vorschlag der CDU/CSU-Arbeitsgruppe hat nichts mit Tarifautonomie zu tun“, sagte der Arbeitgeberpräsident dazu. Er ermunterte die Regierung, stattdessen auch selbst neue Branchen-Mindestlöhne bei der bestehenden Mindestlohn-Kommission zu beantragen. Nach dem von der Großen Koalition beschlossenen Mindestarbeitsbedingungengesetz hält sich seit 2009 ein ständiger Ausschuss unter Leitung des SPD-Politikers Klaus von Dohnanyi bereit, in Branchen mit geringer Tarifbindung Mindestlöhne festzulegen. Dort hat auch die Regierung ein Antragsrecht, doch wurde das Gesetz bisher nie angewendet.

„Die Arbeitgeber sind bereit, dabei konstruktiv mitzuarbeiten“, sicherte Hundt zu. Dagegen sei es „kein gutes Zeugnis für politisches Handeln, wenn bereits nach kurzer Zeit neue Regelungen gefordert werden, ohne dass zunächst versucht wurde, das bestehende Recht anzuwenden.“

Startseite

Mehr zu: Arbeitgeberverbände - Hundt verreißt Mindestlohn-Pläne der CDU

34 Kommentare zu "Arbeitgeberverbände: Hundt verreißt Mindestlohn-Pläne der CDU"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • margrit117888 spricht mir aus der Seele. Nur bleibt für mich die Frage, wie kommen wir zu einem "anständigen" System? Ich schwanke mehr und mehr zwischen Resignation und Rebellion.

  • wuuuhuuuhu
    das Proletariat meldet sich...
    gelesen? ne, oder?
    BRANCHENWEITE lohnuntergrenze!!!!! der verband ist nicht generell gegen mindestlohn!!!

  • Wir brauchen endlich den Mindestlohn!!!
    Es kann doch nicht sein, daß Gelder für andere Länder
    zur Verfügung gestellt werden.( Quasi über Nacht) Und für das eigene Volk wird alles in die Länge gezogen.
    Nur wenn die Diäten erhöht werden sollen, dann sind sich alle Parteien noch schneller einig.

  • Ich bin nicht unbedingt gegen Mindestlohn. Bin da etwas zwiegespalten. Aber schließe mich meinem Vorredner an.
    Gäbe es nicht die Agenda 2010, bräuchten wir diese Dikussion nicht.
    Wir müssen zurück zur normalen sozialen Marktwirtschaft und es muß aufhören, Arbeiter auszubeuten, damit die Manager sich die Taschen voll stopfen.
    Das muß dringlich geändert werden, notfalls durch Gesetze
    Und wenn dann Hundt meint, dann hätten wir keine guten Manager mehr (habe wir ohnehin nicht), weil die alle abwandern, dann lügt er. Im Ausland wird ein deutscher Manager kaum was.
    So was wie bei uns, dass die Deutsche Bank nun von einem Inder geleitet wird, der nicht mal Deutsch kann, gäbe es weder in den USA, in Japa schon gar nicht
    Das alles wäre mal Sache für die Gewerkschaften, aber die schlafen bekanntlich

  • Alle die, die gegen einen Mindestlohn sind, sollen doch bitte mal ein halbes Jahr als Leiharbeiter ihre Brötchen verdienen, ohne Dienstwagen und Fahrer. Danach kann man neu verhandeln!

  • Führungskräfte Bildung für "Vernunft Wirtschaft" wurde auch nicht schaden,statt Geldgier,Herr Arbeitgeber President.

  • @ UndNochEinHandelsblattLeser:
    Ich kann Ihnen nur zustimmen. Es ist wahrlich zum Verzweifeln.

    (Und das Mindestlohnmodell der CDU/CSU hat eigentlich auch nur Alibifunktion und ist, wie der Kommentator im DLF es ausdrückte, eher dazu geeignet, AN gegenüber tatsächlich in der jew. Region gezahlte Löhne zu verschleiern.. .)
    Damit müßte Hundt (durch den ich mich, wie Sie sicher feststellen konnten, keineswegs vertreten fühle) doch eigentlich hoch zufrieden sein?
    Nun ja, er meint eben, für das Gebell bezahlt zu werden..

  • @ UndnocheinHandelsblattleser:
    "Denn die Gewinne der Unternehmen gehen nur in die privaten Taschen der wenigen, die Herr Hundt vertritt. Die Schulden unserer Nachbarn, die irgendwann auch von unseren Steuergeldern bezahlt werden und unsere niedrigen Löhne nochmal weiter senken, werden dagegen von allen Bürgern gezahlt." KOMMENTAR: Nicht zu vergessen, von jenen armen Teufeln, denen der gerechte Lohn vorenthalten wird, und die dann -erniedrigenderweise- über Hartz4 (also wieder von der Allgemeinheit) das ZUBROT bekommen, das ihnen den Lebensunterhalt ermöglicht. Tolles Modell.
    Zitat:
    "Kann sich Deutschland einen so kurzsichtigen Arbeitgeberpräsidenten wirklich noch leisten?"
    KOMMENTAR: Eigentlich nicht, weil das Target2 durch solche kurzsichtigen Hundte jetzt schon gigantisch hoch ist - und die Allgemeinheit dieses auch noch zusätzlich bezahlen muß. Sprich: Im Prinzip verdonnern "sie" uns indirekt,
    1.)den Lebensstil seiner Klientel plus
    2.)das Scherflein für die AKTIONÄRE zu ermöglichen, und zusätzlich
    3.)das ZUBROT der Unterbezahlten.

  • Zitat: "... hält sich seit 2009 ein ständiger Ausschuss unter Leitung des SPD-Politikers Klaus von Dohnanyi bereit, in Branchen mit geringer Tarifbindung Mindestlöhne festzulegen. Dort hat auch die Regierung ein Antragsrecht, doch wurde das Gesetz bisher nie angewendet."

    Klarer kann man nicht darlegen, warum die SPD wohl nie mehr weit über die 30% Grenze hinaus kommen wird. Sie unterscheidet sich von Hundt-Parteien wie FDP und CDU nur marginal.

    Da helfen auch arbeitnehmer-freundliche Sprüche nichts mehr. Die SPD vertritt heute einfach nicht mehr die Interessen derer, die sie vorgibt zu vertreten.

  • Zitat: "... hält sich seit 2009 ein ständiger Ausschuss unter Leitung des SPD-Politikers Klaus von Dohnanyi bereit, in Branchen mit geringer Tarifbindung Mindestlöhne festzulegen. Dort hat auch die Regierung ein Antragsrecht, doch wurde das Gesetz bisher nie angewendet."

    Klarer kann man nicht darlegen, warum die SPD wohl nie mehr weit über die 30% Grenze hinaus kommen wird. Sie unterscheidet sich von Hundt-Parteien wie FDP und CDU nur marginal.

    Da helfen auch arbeitnehmer-freundliche Sprüche nichts mehr. Die SPD vertritt heute einfach nicht mehr die Interessen derer, die sie vorgibt zu vertreten.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%