Arbeitnehmerfamilien erhalten weitaus mehr Netto
Deutschland ist Hochsteuerland für Singles

Deutschland ist 2004 aus Sicht der durchschnittlich verdienenden Arbeitnehmer ein Hochsteuerland geblieben – jedenfalls für Alleinstehende ohne Kinder. Für eine Alleinverdienerfamilie mit zwei Kindern allerdings ist die Abgabenlast (Steuern und Sozialabgaben) deutlich geringer als für Singles: Sie liegt nur im Mittelfeld der Industriestaaten. Zu diesem Ergebnis kommt die Industrieländer-Organisation OECD in ihrer Studie „Lohnbesteuerung“, die am Mittwoch veröffentlicht wurde.

BERLIN. Betrachtet man den Single mit seiner Abgabenlast von 40,5 Prozent, so liegt er im internationalen Vergleich der 30 OECD-Mitgliedstaaten hinter Dänemark und Belgien an dritthöchster Stelle. Die deutsche Familie steht demgegenüber im internationalen Ranking mit 18,1 Prozent Abgabenlast auf Platz 9 – wobei die Länder auf den nachfolgenden Plätze nur einen geringen Abstand aufweisen.

Die Studie, die für 2004 zum zweiten Mal angefertigt wurde, vergleicht die Abgabenbelastung von Arbeitnehmern in der Industrieproduktion. Diese Basis will die OECD allerdings für die Studien in den Folgejahren verbreitern: Sie begründet dies damit, dass der Industriearbeiter wegen des Wandels zur Dienstleistungsgesellschaft immer weniger repräsentativ für alle Arbeitnehmer ist. Die OECD unterscheidet in der Studie zwischen Geringverdienern (67 Prozent des Durchschnittseinkommens), Durchschnittsverdienern und Besserverdienenden (167 Prozent des Durchschnittseinkommens). Bei den Familien analysiert die Studie die Belastung von Alleinerziehenden mit zwei Kindern sowie von Ehepaaren mit einem Durchschnittsverdiener und einem Partnereinkommen in unterschiedlicher Höhe, jeweils ebenfalls mit zwei Kindern.

In zehn OECD-Staaten, darunter Deutschland, ist die Größe des Unterschieds zwischen Brutto- und Nettolohn vor allem vom Familienstand abhängig. Die Steuerbelastung für die Alleinverdienerfamilie beträgt in diesen Staaten weniger als die Hälfte der Belastung des Singles. Neben Deutschland ist dies so in Tschechien, Ungarn, Irland, Japan, Luxemburg, Portugal, der Slowakei, Spanien und den USA.

Für das Modell "flat tax" fehlen Vorbilder

In Deutschland und in Dänemark sank die Steuerbelastung 2004 um 1,2 Prozent gegenüber 2003. Die beiden Staaten verhielten sich damit gegen den Trend der Industrieländer, in denen die Steuerlast mehrheitlich leicht anstieg. Betrachtet man allerdings einen längeren Zeitraum - seit 1996 - zeigt sich in den meisten OECD-Ländern ein Trend zu sinkender Steuer- und Abgabenbelastung, vor allem in Europa. Allerdings ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettolöhnen in Europa nach wie vor größer als in Ländern wie Australien und Mexiko.

Betrachtet man allein die Steuerlast, bekommen Geringverdiener- und Durchschnittsverdiener-Familien in Deutschland sogar eine Art negativer Einkommensteuer, also netto mehr als brutto, durch den Bezug von Kindergeld. Unter Einschluss der Sozialabgaben gibt es in Irland und Luxemburg Familienzuschüsse, die über der Gesamtabgabenlast liegen. Griechenland, die Türkei und Neuseeland unterscheiden bei der Abgabenlast nicht zwischen Singles und Familien.

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