Arbeitnehmervertreter stecken im Dilemma
IG Metall im Spagat zwischen Konfrontation und Kompromiss

Die Rettung der Jobs bei Opel erfordert unbequeme Abstriche vom Tarifvertrag. Zugleich fürchten die Gewerkschafter um die Bindungskraft ihrer Tarifverträge. Denn was sie aktuell etwa bei Opel zugestehen, das fordert bei nächster Gelegenheit die Konkurrenz.

BERLIN. Kaum ist die Schreckensnachricht über den Abbau von 12 000 Arbeitsplätzen aus der General- Motors-Zentrale im fernen Detroit nach Europa gedrungen, da holen die Gewerkschaften zur „gebührenden Antwort“ aus. Die Beschäftigten würden mit einem „europäischen Aktionstag“ gegen diesen substanzlosen Kürzungsvorschlag protestieren, kündigt der Chef des europäischen Metallgewerkschaftsbunds, Reinhard Kuhlmann, an. In der Frankfurter Zentrale der IG Metall haben sich an diesem Morgen Betriebsräte und Gewerkschafter aller GM-Werke in Europa zur Krisensitzung getroffen. Es gilt, sich der gegenseitigen Solidarität zu versichern. Vorläufig mit Erfolg. „Wir kämpfen für jeden Arbeitsplatz an jedem Standort in Europa“, versichert mit düsterer Miene IG-Metall-Vize Berthold Huber. Einen „Unterbietungswettbewerb“ der Standorte im Kampf ums Überleben werde es nicht geben.

Doch „Aktionstage“ retten keinen einzigen Arbeitsplatz, das ist auch den versammelten Gewerkschaftsfunktionären klar. Und so macht Opel-Betriebsratschef Klaus Franz der GM-Spitze zugleich ein eindeutiges Verhandlungsangebot. Die Beschäftigten seien zu substanziellen Opfern bereit, um ihre Arbeitsplätze zu retten, verkündet er. Bedingung: Es dürfe kein Werk geschlossen werden, keine betriebsbedingten Kündigungen geben, und auch das Management müsse größere Opfer bringen als den schon angekündigten zehnprozentigen Gehaltsverzicht.

Dieser Spagat zwischen Konfrontation und Kompromiss beleuchtet das Dilemma der Gewerkschaften in einer Krise wie Opel. Sie wissen, dass nur Zugeständnisse bei Lohn und Arbeitszeit die bedrohten Jobs retten können, zugleich aber fürchten sie um die Bindungskraft ihrer Tarifverträge. Denn was sie aktuell etwa bei Opel zugestehen, das fordert bei nächster Gelegenheit die Konkurrenz.

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