Arbeitsagentur
SPD fordert Zuschuss der BA für Lehrstellen

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) soll erstmals direkte Zuschüsse an Unternehmen zahlen, wenn diese zusätzliche Lehrstellen für benachteiligte Altbewerber anbieten. So soll der drohende Facharbeitermangel so gering wie möglich gehalten werden. Zudem startet die Agentur eine Initiative an den Schulen.

BERLIN. „Ich gehe davon aus, dass das Bundesarbeitsministerium so schnell wie möglich die Gesetzesänderungen formuliert“, sagte SPD-Fraktionsvize Nicolette Kressl dem Handelsblatt. Sie schätzt, dass mit diesem von den Koalitionsfraktionen gemeinsam geforderten Zuschuss unterm Strich „bis zu 10 000 zusätzliche Lehrstellen“ für Altbewerber entstehen, die persönliche oder schulische Probleme haben.

Der direkte Zuschuss ist zugleich ein Instrument, um den drohenden Facharbeitermangel so gering wie möglich zu halten – ebenso wie das geplante präventive Engagement der BA schon in den Schulen. „Wir haben viele, viele Möglichkeiten, unser internes Potenzial zu nutzen“, sagte BA-Vorstand Raimund Becker gestern bei der Vorlage der neusten Arbeitsmarktdaten mit Blick auf den drohenden Fachkräftemangel. Die von der Wirtschaft geforderte erleichterte Zuwanderung sei nur eine Möglichkeit von vielen, der Fachkräfteknappheit zu begegnen, „aber kein Allheilmittel“. Bislang nutzt Deutschland sein Potenzial, Fachkräfte heranzuziehen, nur sehr schlecht: Bis zu zehn Prozent der Schüler erreichen nicht einmal den Hauptschulabschluss, jeder vierte Azubi bricht die Lehre ab. Insgesamt will die BA rund 220 Mill. Euro für das Altbewerber-Paket ausgeben.

Der Anstoß für Lehrstellen-Zuschüsse kam von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Verwaltungsrat der BA selbst: Deren Spitzenvertreter BDA-Hauptgeschäftsführer Peter Clever und DGB-Vorstand Annelie Buntenbach hatten Arbeitsminister Franz Müntefering noch Anfang des Monats in einem Brief, der dem Handelsblatt vorliegt, dringend gebeten, die Zusatzförderung für schwächere Jugendliche zu ermöglichen. Sie soll zugleich einen „Fehlanreiz“ korrigieren, der durch eine andere arbeitsmarktpolitische Maßnahme droht: Denn Münteferings neue Qualifizierungs-Kombilöhne könnten dazu führen, dass Jugendliche lieber einen der mit 1 000 Euro bezahlten Jobs beginnen und die Suche nach einer sinnvolleren Ausbildung aufgeben, warnen Clever und Buntenbach.

Im besten Fall könnten die von der BA bezuschussten Altbewerber-Lehrstellen „schon in der Phase der Nachvermittlung von Ausbildungsplätzen im Winter zum Einsatz kommen“, hofft Kressl. In Baden-Württemberg planten Metall-Arbeitgeber und IG Metall bereits, mit dem neuen Instrument 1 000 zusätzliche Azubis zu fördern. Dort gebe es seit längerem auch eine entsprechende Landesförderung – ebenso wie in Bayern, Hessen oder Brandenburg.

Um mehr Jugendliche möglichst direkt in eine Ausbildung zu bringen und zudem die Abbrecherquote zu senken, will die BA künftig stärker vorbeugend in den Schulen selbst aktiv werden. Damit reagiert sie auf den vielfachen Druck der Politik. „Wir sind mit der Berufsberatung absolut unzufrieden“, kritisiert etwa der Berufsbildungsexperte der Unionsfraktion, Uwe Schummer. „2 500 BA-Berater sind viel zu wenig für jährlich eine Million Schulabgänger.“ Bisher hätten sich zudem teilweise Arbeitsagenturen und die Optionskommunen den Schwarzen Peter zugeschoben. Der Koalitionsantrag stelle noch einmal klar, dass hier die BA in die Pflicht sei, so Schummer.

Insgesamt will die BA nun jährlich rund 92 Mill. Euro für präventive Maßnahmen in den Schulen ausgeben. Neben der reinen Berufsberatung will sie auch die Eignung der Schüler testen und sie individuell fördern – bis zu sozialpädagogischer Begleitung und der frühzeitigen Einbindung der Betriebe. Das Sozialgesetzbuch III wird so geändert, dass die Maßnahmen anders als bisher auch in der Schulzeit und länger als vier Wochen möglich sind.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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