Arbeitsgruppe Bildung
Koalition will keine Bachelor-Juristen

Bachelor- und Master-Juristen wird es in Deutschland bis auf weiteres nicht geben. Darauf haben sich Union und SPD in den Koalitionsverhandlungen geeinigt. Beide Parteien wollen jedoch Facharbeitern grundsätzlich den Weg in die Hochschule ebnen.

HB BERLIN. Im Entwurf des rechtspolitischen Teils des Koalitionsvertrags, der dem Handelsblatt vorliegt, heißt es, die Juristenausbildung müsse zwar „den sich ändernden Anfordernungen an die juristischen Berufe gerecht werden. Einen Bedarf für neue Abschlüsse gibt es allerdings nicht. Die Koalitionspartner lehnen deshalb die Übertragung des ,Bologna-Prozesses’ auf die Juristenausbildung ab.“ 1999 haben sich die EU-Bildungsminister in Bologna darauf geeinigt, bis 2010 die Abschlüsse in Europa weitgehend zu vereinheitlichen und die Studiengänge zweistufig auszugestalten. Ob dies auch für die Juristenausbildung gelten soll, ist in Fachkreisen umstritten.

Der rechtspolitische Teil des Koalitionsvertrages beinhaltet auch frohe Kunde für die Zeitungsverlage: Sie können länger als erwartet mit Einnahmen durch amtliche Pflichtanzeigen rechnen. Union und SPD haben nach Handelsblatt-Informationen darauf geeinigt, dass die Pflichtanzeigen „erst nach einer angemessenen Übergangszeit“ vollständig durch das Internet abgelöst werden. Bisher gingen die Verlage davon aus, dass mit der Einführung des elektronischen Handelsregister ab 1.1.2007 die Einnahmen aus den Pflichtanzeigen sofort vollständig wegbrechen.

Die Koalitionsarbeitsgruppe Bildung verständigte sich unterdessen darauf, dass eine erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung künftig für den Besuch einer Fachhochschule oder Universität genügen soll. Die Auswahl unter den Bewerbern wäre wie heute Aufgabe der Hochschulen, etwa durch Numerus Clausus oder Eingangsprüfung.

Die Öffnung würde die Gleichwertigkeit von schulischer und beruflicher Bildung festschreiben. Die Spitzenverbände der Wirtschaft begrüßen dies. „Wenn die Politik endlich die langen Zöpfe der Abschottung zwischen beruflicher und akademischer Bildung abschneidet, ist das ein Riesengewinn für alle“, sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt dem Handelsblatt. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, findet die Initiative „mehr als richtig“. „In Deutschland müssen endlich alle studieren können, die entsprechende Fähigkeiten mitbringen - auch gute Absolventen der dualen Ausbildung ohne formales Abitur“, sagte er dem Handelsblatt. Auch Handwerkspräsident Otto Kenzler begrüßt eine bundeseinheitliche Öffnung. Gerade wegen der Überalterung sei es umso wichtiger, „leistungsstarken und begabten Jugendliche frühzeitig attraktive Bildungs- und Karrierewege zu bieten - von der Erstausbildung bis in die Hochschule“, sagte er.

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