Arbeitskosten in Deutschland
„Der moderate Lohnkurs muss weitergehen“

Arbeit ist in Deutschland auch nach jahrelanger moderater Lohnentwicklung immer noch zu teuer. Das sagt Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Ganz anders sieht das der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, Gustav Horn. Ein Streitgespräch.

Ist Arbeit in Deutschland zu teuer?

Hüther:

Absolut. Bis Mitte der 90er-Jahre sind die Lohnstückkosten in Deutschland drastisch gestiegen, blieben dann einige Jahre stabil und gehen seit 2002 stetig zurück. Der Anstieg war aber größer als der bisherige Rückgang – der moderate Lohnkurs der letzten Jahre muss also weitergehen.

Horn: Aber wir können doch Deutschland nicht isoliert betrachten. Wir müssen das in Relation zu den Entwicklungen in den anderen Ländern der Euro-Zone sehen – und deren Arbeitskosten sind in den vergangenen Jahren stärker gestiegen als in Deutschland. Der Außenhandelsüberschuss zeigt, wie wettbewerbsfähig wir sind. Arbeitskosten sind nicht unser Problem.

Hüther: Der Hinweis auf die starken Exporte zählt nicht – weil er nichts daran ändert, dass wir nach wie vor ein Hochlohnland mit erkennbaren Strukturproblemen sind.

Die sich auf dem Arbeitsmarkt besonders deutlich zeigen. Wie lassen sie sich lösen?

Horn: Durch Lohnpolitik allein ganz sicher nicht – Löhne sind nur ein Argument, Nachfrage ein anderes. Infolge der schwach steigenden Löhne und Einkommen der letzten Jahre entstand eine große Konsumschwäche in Deutschland, mit der Unternehmen ihre Absatzchancen im Inland und damit ihre Gewinne vernichten. Löhne sind nicht nur Kosten – sie sollen auch wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in weite Bevölkerungskreise transportieren und damit Nachfrage erzeugen.

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