Arbeitslosenzahl steigt auf 4,257 Millionen
Arbeitsmarkt bleibt angespannt

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im November um 50 800 auf 4 257 300 gestiegen. Das waren 73 700 mehr als vor einem Jahr, berichtete die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,2 Punkte auf 10,3 Prozent. Der Anstieg gehe vor allem auf die einsetzende Winterpause zurück.

HB NüRNBERG. Das moderate Wirtschaftswachstum reiche noch nicht aus, um dem Arbeitsmarkt die erhofften Impulse zu geben, sagte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise. Der saisonbereinigte Anstieg fiel mit 7000 geringer aus als im Vormonat, wurde aber erneut von einer Ausweitung der Ein-Euro-Jobs gedämpft. Erstmals in diesem Jahr ging auch die Erwerbstätigenzahl saisonbereinigt leicht zurück. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) vertrat gleichwohl die Auffassung: „Unser Zwischenziel, den Anstieg der Arbeitslosenzahlen zu stoppen, ist fast erreicht.“ Die CDU warf der Regierung vor, sie müsste „ohne statistische Tricks“ die höchste Arbeitslosigkeit in einem November seit der Wiedervereinigung 1990 ausweisen. Die Arbeitslosenzahl läge laut BA im Jahresvergleich um 208 000 höher als im vorigen November, wenn man bereits damals Teilnehmer an Trainingsmaßnahmen wie seit Anfang dieses Jahres nicht als arbeitslos zählt.

Neben der neuen statistischen Erfassung entlasten auch neue Instrumente die Arbeitsmarktbilanz. So nahm im November die Zahl der Bezieher von Arbeitslosenhilfe im Programm „Arbeitsmarkt im Aufbruch“ nochmals um 40 000 auf 104 500 zu. Davon übten rund 68 400 einen Ein-Euro-Job aus, 22 200 mehr als im Oktober. Für eine Belastung der Statistik sorge jedoch die Berücksichtigung von arbeitslosen Sozialhilfeempfängern, die sich erst mit der 2005 anstehenden Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe bei den Arbeitsagenturen meldeten, sagte Weise. Dies seien bis zu 400 000. Wie viele sich davon bereits registrieren ließen, konnte Weise nicht sagen. Die BA sieht die Gefahr, dass die Arbeitslosenzahl wegen dieser Neuzugänge im Januar oder Februar den Rekordwert von fünf Mill. erreichen könnte.

Den Anstieg der unbereingiten Zahl von Oktober auf November führte die BA vor allem auf die einsetzende Winterpause zurück. Dann sinkt regelmäßig die Beschäftigung in wetterabhängigen Berufen wie Bau und Gastronomie. Die Arbeitslosenquote stieg im Monatsvergleich um 0,2 %punkte auf 10,3 %.

Saisonbereinigt legte die Arbeitslosenzahl um 7 000 auf 4,464 Mill. bei einer Quote von 10,8 % zu. Erstmals in diesem Jahr ging die Erwerbstätigenzahl von August auf September saisonbereinigt um 1000 leicht zurück. BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt warnte davor, diesen Rückgang überzubewerten. Erst bei einem dreimaligen Rückgang in Folge sähe er eine kritische Entwicklung. Auch der Bestand bei den Arbeitsagenturen gemeldeter offener Stellen nahm saisonbereinigt um 2000 ab.

Unbereinigt lag die Erwerbstätigenzahl im September zwar um 110 000 höher als vor einem Jahr. Der Anstieg sei aber nicht konjunkturell zu deuten, sondern beruhe auf der Ausweitung selbstständiger Tätigkeit und geringfügiger Beschäftigung. Nach BA-Zahlen waren Ende März rund 6,21 Mill. Menschen in einem Minijob bis zu einem Monatseinkommen von 400 € beschäftigt. Das seien rund 1,37 Mill. oder rund 28 % mehr gewesen als vor der Reform der Minijobs im April 2003. Bis Ende Juni 2004 sei die Minijobberzahl auf 6,53 Mill. gestiegen.

Von Reuters befragte Banken-Volkswirte zeigten sich durch die Arbeitsmarktzahlen in ihren Erwartungen bestätigt. „Insgesamt deuten diese Zahlen nur auf eine weiter schwache Entwicklung des privaten Konsums hin“, erklärte Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank. Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim sagte, das Wirtschaftswachstum sei zu schwach, als dass Unternehmen neue Einstellungen vornehmen könnten: „Auch in den kommenden Monaten sind keine großartigen Besserungen zu erwarten.“

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