Arbeitslosigkeit
Erstaunlich robuste Lage

Die Entwicklung des deutschen Arbeitsmarkts in der Wirtschaftskrise hat selbst die fünf Wirtschaftsweisen überrascht. Die Lage sei bisher "erstaunlich robust", bekennen sie. Das ändert aber nicht viel an der weiteren Perspektive und den Herausforderungen für die Regierung, unterstreicht der Sachverständigenrat: Ein "deutlicher Anstieg" stehe aller Voraussicht nach noch bevor.
  • 0

BERLIN. Konkret erwarten die Wirtschaftsweisen, dass die Zahl der registrierten Arbeitslosen 2010 um 530 000 auf jahresdurchschnittlich 3,97 Millionen steigt. Für 2009 rechnen sie mit 3,43 Millionen, was einem Anstieg um 160 000 im Vorjahresvergleich entspricht. Bemerkenswert: Selbst für 2010 sind die Wirtschaftsweisen damit graduell optimistischer als etwa die Forscher der Bundesagentur für Arbeit, die mit 4,1 Millionen rechnen. Da der bisher moderate Verlauf stark von Sonderfaktoren wie Kurzarbeit getragen war, sehen die fünf Weisen aber hohe Prognoserisiken.

Die Kurzarbeiterregelung beurteilen sie prinzipiell sehr positiv - die Gefahr, dass dadurch der Strukturwandel der Wirtschaft ernstlich gehemmt werde, sei einstweilen gering. Vielmehr sei die krisenbedingt auf bis zu 24 Monate verlängerte Bezugsdauer des Kurzarbeitergelds sogar ein gutes Beispiel antizyklischer Politik: Ökonomisch wirke diese Regelung ähnlich wie eine konjunkturabhängig schwankende Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes. Eine solche Reform - längere Bezugsdauern bei schlechter Arbeitsmarktlage - hatte der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, bereits vor einiger Zeit empfohlen.

Jenseits davon komme es speziell darauf an, dass die Konjunkturkrise nicht wieder zu einem Anstieg verfestigter Sockelarbeitslosigkeit führe, schreiben die Gutachter der Politik ins Stammbuch. Eine überproportional hohe Langzeitarbeitslosigkeit war bis zu den Hartz-Reformen vor fünf Jahren das zentrale Problem des deutschen Arbeitsmarkts. Als wichtigen Ansatzpunkt sehen die Forscher eine bessere Organisation der Jobcenter im Hartz-IV-System.

Erst recht aber gebe es in der Bildungspolitik großen Nachholbedarf, wie die Wirtschaftsweisen in einem eigenen Unterkapitel ausführen. Ihr Leitbild: Mehr Geld und Ressourcen speziell für die frühkindliche Bildung; außerdem mehr Wettbewerb und Gestaltungsfreiheit im Schulsystem.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Arbeitslosigkeit: Erstaunlich robuste Lage"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%