Arbeitsmarkt
Deutschland jagt Krisenländern Fachkräfte ab

Krisenländer wie Griechenland, Spanien und Portugal ächzen unter ihren Schuldenlasten. Deutschland floriert dagegen. Und es könnte hierzulande bald noch besser laufen – mit Fachkräften aus den klammen Staaten.
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BerlinBei der Bewältigung des Fachkräftemangels setzt die Bundesagentur für Arbeit zunehmend auf qualifizierte Zuwanderer aus europäischen Krisenländern wie Spanien, Griechenland und Portugal. „Es gibt ein großes Potenzial in Spanien, Tausende von Ingenieuren sind arbeitslos, auch IT-Spezialisten“, sagte die Direktorin der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Tageszeitung „Die Welt“. 17.000 Spanier seien grundsätzlich an einer Arbeit in Deutschland interessiert.

Sondiert werde auch in Griechenland und Portugal, sagte Varnhagen weiter. So gebe es in Portugal ein großes Interesse von Pflegekräften, nach Deutschland zu kommen. Auch für griechische Mediziner sei Deutschland interessant. Potenzial für Ingenieure, Ärzte, Pflegepersonal und Facharbeiter gebe es aber auch in Bulgarien und Kroatien.

Haupthindernis für qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland seien fehlende Kenntnisse der deutschen Sprache. „Deutsch gilt als schwer zu erlernen“, sagte Varnhagen. In vielen Ländern Europas werde Deutsch gar nicht mehr als Fremdsprache angeboten. „Viele Hochqualifizierte lernen nur Englisch und gehen dann eben auch in englischsprachige Länder, wenn sie in ihrem Heimatland keine Beschäftigung finden.“

Zudem böten angelsächsische Länder den qualifizierten Zuwanderern nicht nur einen Arbeitsplatz, sondern ein Rundum-Paket für die ganze Familie - mit Sprachkurs, Wohnung, Job für die Ehefrau und Kindergartenplatz fürs Kind. „Aus diesen Beispielen können wir in Deutschland lernen. Es reicht nicht, attraktive Firmen und Produkte zu haben, die Gesellschaft muss auch bereit sein, diese Menschen aufzunehmen und zu integrieren“, sagte die ZAV-Direktorin.

Die Finanzlage in Deutschland bessert sich derweil infolge der starken Konjunktur deutlich schneller als von der Bundesregierung bislang angenommen. Nach 29 Milliarden Euro Neuverschuldung in diesem Jahr werde der Bund 2012 nur etwa 19 Milliarden Euro Defizit machen, sagte der Finanzexperte Alfred Boss des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) dem Handelsblatt. Das wären rund acht Milliarden Euro weniger als Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in seinem Haushaltsentwurf 2012 veranschlagt hat.

Auch für die Finanzen der Bundesagentur für Arbeit (BA) kommt Boss dem Bericht zufolge zu günstigeren Ergebnissen als die Nürnberger Behörde selbst. Nach den Berechnungen des IfW-Forschers wird die BA in diesem Jahr ein Defizit von nur noch 1,5 Milliarden Euro einfahren und 2012 bereits einen Überschuss von 1,2 Milliarden Euro erzielen. Die BA selbst war in ihrem am vergangenen Freitag veröffentlichten Halbjahresbericht davon ausgegangen, dass sie in diesem Jahr ein Defizit von 1,9 Milliarden Euro machen wird.

Hauptgrund der Verbesserungen ist Boss zufolge die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Lohnsumme, die von steigenden Löhnen und steigender Beschäftigung gleichermaßen nach oben getrieben werde. Im zweiten Quartal dürfte die Lohnsumme mindestens so stark wie im ersten Quartal gestiegen sein, sagte Boss dem „Handelsblatt“. Von Januar bis März war die Lohnsumme bereits um 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Mhhh - in den 60ern und 70ern, kamen ja auch viele kluge Köpfe nach Deutschland, deren Kinder heute an den angesehenen Hochschulen in Berlin-Kreuzberg ihren Abschluss machen.

  • Kann ich mir nicht vorstellen das die nach D-land kommen werden. 1. die Sprache und 2. in D-land ist der Verdienst zu gering. Sieht man ja jetzt daran das seit Arbeiter und auch Akademiker aus den "Ost" EU Ländern (z.B. Polen, Tschechien, etc.) bei us arbeiten können, diese aber nicht kommen aufgrund 1. Sprache und 2. zu geringem Verdienst in D-Land. Warum sollten dann die "klugen Köpfe" aus Griechenland, Spanien, Portugal oder auch Irland zu uns kommen. Der Author dieses Artikels ist wohl auch von unserer Regierung gesponsort. So etwas nennt man verdecktes Marketing....;-)Wird aber nichts bringen.....

  • Soll der Artikel wieder so eine Art deutsche Corrida sein?

    Und das gleich zum Montag Morgen.
    Danke. :(

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