Arbeitsmarkt
IG Metall berät mit Arbeitgebern Jobsicherung

Die niedersächsische IG-Metall hat Sondierungsgespräche mit den Metallarbeitgebern aufgenommen, um möglichst viele der Jobs der Branche in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt durch das zweite Krisenjahr zu retten. Dabei will die Gewerkschaft den Arbeitgebern allerdings auch zusätzliche Kosten zumuten.
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BERLIN. Die IG Metall hat ihren Vorstoß für Jobsicherung in der Metall- und Elektroindustrie gestartet. Als erster Bezirk der Gewerkschaft nahm die niedersächsische IG Metall gestern Sondierungsgespräche mit den Metallarbeitgebern auf, um einen großen Teil die 135 000 Jobs der Branche in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt durch das zweite Krisenjahr zu retten. "Sobald die Krise beendet sein wird, werden die Betriebe über Fachkräftemangel klagen. Deshalb müssen wir jetzt alles tun, um Entlassungen zu vermeiden", begründete IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine den Vorstoß.

Dabei will die Gewerkschaft den Arbeitgebern allerdings auch zusätzliche Kosten zumuten. So sollen sie sich verpflichten, die gesetzlichen Möglichkeiten zur Kurzarbeit im nächsten Jahr bis zu 18 Monaten voll auszuschöpfen. Die Wirtschaft beklagt seit Monaten die damit verbundenen hohen Kosten.

Ausbau der Altersteilzeit

Für Verkürzungen der Wochenarbeitszeit unter die nach dem Beschäftigungssicherungstarifvertrag schon heute mögliche 29-Stunden-Woche fordern sie einen Teillohnausgleich. Arbeitszeitverkürzungen zwischen der Regelarbeitszeit von 35 Stunden und 29 Stunden sollen dagegen allein von den Arbeitnehmern über einen Lohnverzicht von rund 15 Prozent finanziert werden. Teuer dürfte auch der von der IG Metall geforderte Ausbau der Altersteilzeit werden. Bislang haben vier Prozent der älteren Arbeitnehmer darauf einen Anspruch. Die IG Metall will die Quote befristet auf acht Prozent verdoppeln.

Zudem sollen sich die Unternehmen verpflichten, die Zahl der Ausbildungsplätze konstant bei rund 1 000 zu halten. Nach der Ausbildung sollen die Lehrlinge zunächst ein Jahr im Betrieb bleiben, um danach eine zweijährige Technikerausbildung anzuschließen, die der Arbeitgeber mit 400 Euro unterstützt. Hinzu kämen staatliche Mittel von rund 1 100 Euro aus dem "Bundesprogramm zur Finanzierung von Aufstiegsförderung", dem ehemaligen Meister-Bafög. Schließlich fordert die IG Metall, den Einsatz von Leiharbeitnehmern in den Unternehmen zu begrenzen.

Arbeitgeber sind skeptisch

Die Arbeitgeber waren denn gestern auch nicht bereit, sich zu den Forderungen zu äußern. "Wir begrüßen es sehr, dass die IG Metall offenbar den Ernst der Lage erkannt hat", sagte der Sprecher der niedersächsischen Metallarbeitgeber, Werner Fricke. Wie aus der Gesprächsrunde zu erfahren war, hielten mehrere Arbeitgebervertreter allerdings zumindest die Nutzung des Stipendienprogramms des Bundes für die Technikerausbildung ehemaliger Auszubildender für eine erwägenswerte Idee.

Das gesamte Forderungspaket sehen die Arbeitgeber eher als Vorspiel zu den eigentlichen Gehaltsverhandlungen, die erst im Frühjahr anstehen. Sie halten daher auch wenig von der Idee der IG Metall, die Gespräche Mitte Januar fortzusetzen. Sinnvoll verhandeln ließe sich erst, wenn die Gehaltsforderung der Gewerkschaft für 2010 auf dem Tisch liege.

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