Arbeitsmarkt
Immer mehr Freiberufler in Deutschland

Die Zahl der Freiberufler in Deutschland steigt. Das geht aus der aktuellen Statistik des Bundesverbandes der Freien Berufe (BFB) hervor, die am kommenden Mittwoch offiziell vorgestellt wird und die dem Handelsblatt in Auszügen vorliegt.

BERLIN. Nachdem zu Beginn des vergangenen Jahres die Marke von einer Million überschritten worden war, weisen die jüngsten Zahlen erneut ein deutliches Plus aus.

„Zum Stichtag am ersten Januar dieses Jahres haben die Freien Berufe nochmals um knapp fünf Prozent zugelegt“, sagte Arno Metzler, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Freien Berufe, dem Handelsblatt. Die selbstständigen Anwälte, Steuerberater, Ärzte oder Architekten erwirtschafteten zusammen mit ihren rund 2,9 Mill. Beschäftigten erstmals mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts, sagte Metzler.

Die Zahl der Selbstständigen liegt genau 53 000 über der Millionengrenze – ein nach oben zeigender Trend, der seit Jahren anhält. Dabei zeigt sich: In den klassischen Berufen, wie der Anwaltschaft oder bei den Architekten stagniert die Entwicklung, lediglich die Steuerberater scheinen noch zuzunehmen. Dagegen wachsen die Neugründungen in der Unternehmensberatung und bei den Ingenieuren.

Die Entwicklung hat laut Metzler vor allem einen Grund: „Viele Unternehmen gliedern ganze Spezialabteilungen wie die Konstruktion aus. Die dort beschäftigten Ingenieure machen dann als Selbstständige weiter und bieten ihre Arbeitsleistung als selbständige Freiberufler an“, sagte Metzler. Ähnlich erginge es in der Verwaltung vielen Wirtschaftlichkeitsexperten, die etwa als Controller gearbeitet und im Zuge der Wirtschaftskrise ihren Job verloren hätten. „Auch hier ist wieder der gleiche Effekt zu beobachten. Bevor die Menschen sich arbeitslos melden, machen sie sich selbständig“, sagte Metzler.

Der aktuelle Trend führt aber nicht dazu, dass neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Während selbst kleine Anwaltskanzleien und Steuerberaterpraxen wenigstens eine Sekretärin beschäftigen, halten sich die Gründer in neuen Berufen mit Einstellungen zurück. „Controlling lässt sich eben von zu Hause mit Technik oder auch beim Kunden vor Ort alleine durchführen“, sagte Metzler.

Auf die Freiberufler kommen nach Ansicht des Verbandes in der Wirtschaftskrise weitere erhebliche Anforderungen zu. In einem Positionspapier zur Bundestagswahl fordert der BFB deshalb vor allem Änderungen in der Steuer- und Gesundheitspolitik. So fordern die Freiberufler, die Steuerpolitik grundsätzlich stärker auf die Bedürfnisse und Bedingungen von Klein- und Kleinstbetrieben auszurichten und deshalb zu vereinfachen. Sie wollen die Dienstwagenregelung vereinfachen, die vollständige Abziehbarkeit von Steuerberatungskosten und die Abzugsfähigkeit des Arbeitszimmers wieder in vollem Maße einführen. Zudem wollen sie den Tarifverlauf der Einkommensteuer an die Preisentwicklung anpassen und die Unternehmensteuerreform anpassen. Die Stärkung der Freiberuflichkeit im Gesundheitsbereich ist eine zentrale Forderung im BFB-Positionspapier. Sie müsse auch im Interesse des Patientenschutzes erhalten bleiben.

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