Arbeitsmarkt
Kurzarbeit schont Kasse der Arbeitsagentur

Der bislang ausgebliebene Einbruch auf dem Arbeitsmarkt schont die Kasse der Bundesagentur für Arbeit (BA) – zumindest kurzfristig. Nach fünf Monaten hat die BA 8,52 Mrd. Euro Verlust gemacht – und damit etwa 600 Mio. Euro weniger als behördenintern geschätzt.

DÜSSELDORF. Rechnet man Sondereffekte wie die spätere Zahlung des Bundeszuschusses und Einmalzahlungen an einen Pensionsfonds heraus, ist das Defizit lediglich 4,4 Mrd. Euro größer als vor einem Jahr – und da hatte die Rezession gerade erst begonnen; das gesamte Jahr 2008 hatte die BA sogar mit einem operativen Überschuss von 1,4 Mrd. Euro abgeschlossen.

Kurzarbeit gilt als das arbeitsmarktpolitische Instrument schlechthin. Es soll den Betrieben ermöglichen, kurzfristige Auftragseinbrüche abzufedern, ohne gleich die Beschäftigten vor die Tür zu setzen. Wie die Bundesagentur am Donnerstag mitteilte, schnellte die Zahl der Kurzarbeiter im ersten Quartal in die Höhe. Hatten im Dezember noch 201 000 Menschen kurzgearbeitet, waren es im März bereits 1,112 Mio. Arbeitnehmer. Und BA-Chef Frank Jürgen Weise deutete an, die Zahl könnte bis Ende Mai etwa auf diesem Niveau verharrt haben. Im Mai hätten nach ersten Hochrechnungen knapp 14 000 Betriebe für 270 000 bis 290 000 Männer und Frauen Kurzarbeit angemeldet. Noch im Vormonat seien es rund 460 000 gewesen – Zahlen zur Kurzarbeit werden quartalsweise und mit zwei Monaten Verzögerung veröffentlicht.

Angesicht der neuen Daten geht der Finanzexperte des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Alfred Boss, davon aus, dass im Jahresschnitt etwa eine Million Menschen in Kurzarbeit sein dürften – das wären 300 000 weniger als noch vor einem Monat im Frühjahrsgutachten geschätzt.

Doch wie viele Jobs kann Kurzarbeit wirklich retten? Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschungen für vergangene Rezessionen zeigen, dass 100 Kurzarbeiter 22 Arbeitslosen äquivalent sind. Auch bei früheren Konjunktureinbrüchen war die Kurzarbeit erst sprunghaft auf 950 000 bis 1,2 Mio. gestiegen – und dann rasch wieder gesunken.

BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker rechnet heute so: Der durchschnittliche Arbeitsausfall bei konjunkturell bedingter Kurzarbeit lag im März bei 32,5 Prozent – bezogen auf die Kurzarbeiterzahl entspricht dies 362 000 Vollzeitjobs. Und jeder mit Kurzarbeit verhinderte Jobverlust spare monatlich im Schnitt rund 900 Euro. Die BA ginge davon aus, dass sie für einen Kurzarbeiter 590 Euro im Monat aufwenden müsse, für einen Arbeitslosen aber 1 500 Euro. Kurzarbeit wäre damit zumindest auf den ersten Blick billiger als Arbeitslosigkeit.

Würde allerdings Arbeitnehmern im Anschluss an Kurzarbeit gekündigt, müsste die BA doppelt zahlen: Zunächst bis zu 24 Monate Kurzarbeitergeld und anschließend maximal noch 24 Monate Arbeitslosengeld. Und glaubt man dem Frühjahrsgutachten der Institute, wird die Zahl der Kurzarbeiter 2010 sinken und die Arbeitslosigkeit rapide steigen.

Doch vielleicht kommt es nicht ganz so schlimm: „Den im Gutachten geschätzten Anstieg der Arbeitslosigkeit im Jahresschnitt um 450 000 muss man wohl jetzt etwas nach unten korrigieren“, sagte Boss.

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