Arbeitsmarkt vor Herausforderung: Deutschland gehen Millionen Fachkräfte verloren

Arbeitsmarkt vor Herausforderung
Deutschland gehen Millionen Fachkräfte verloren

In den nächsten 15 Jahren werden Millionen ältere Fachkräfte in den Ruhestand gehen. Ein „Albtraum“ für Mittelstandspräsident Ohoven. Der Wirtschaftsminister sieht allerdings noch Fachkräftepotenziale.
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BerlinDeutschlands Wirtschaft muss zur Sicherung ihrer Schlagkraft einen Ausgleich für einen beispiellosen Aderlass an Fachkräften in den nächsten Jahren finden. Allein in sogenannten „Engpassberufen“ gingen in den nächsten 15 Jahren rund 2,1 Millionen ältere Fachkräfte in den Ruhestand, warnte das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag. Es berief sich dabei auf eine Studie des von ihm geförderten Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA). Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel forderte angesichts dessen, die Potenziale unter älteren Arbeitnehmern, Frauen, An- und Ungelernten und behinderten Menschen besser auszuschöpfen. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, plädierte für zusätzliche Anreize, damit Menschen freiwillig bis 70 arbeiten können.

Der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, hatte zur Jahreswende den Fachkräftemangel als „Albtraum für den Mittelstand“ bezeichnet. Nach einer Unternehmer-Umfrage seines Verbandes haben inzwischen 52 Prozent der kleinen und mittleren Firmen Probleme bei der Besetzung von offenen Stellen.

Es gibt noch Potenziale

Gabriel forderte mit Blick auf das KOFA-Papier: „Die Studie verdeutlicht einmal mehr, dass wir die vorhandenen Fachkräftepotentiale besser ausschöpfen müssen.“ Es sei erfreulich, dass inzwischen immer mehr ältere Personen beschäftigt seien. In ihrer Untersuchung hatten die Experten des Kompetenzzentrums 139 Berufe mit derzeit rund 6,7 Millionen Fachkräften identifiziert, in denen es schwierig ist, neue Fachkräfte zu rekrutieren.

Etwa jeder Dritte dieser Beschäftigten ist 50 Jahre alt oder älter – steht also in absehbarer Zeit vor dem Renteneintritt. Ein Beispiel für solche „Engpassberufe“ seien Berufskraftfahrer. Hier müsse in den nächsten Jahren für etwa 230.000 Beschäftigte Ersatz gefunden werden. In der Krankenpflege ständen 175.000 Fachkräfte vor dem Ausscheiden.

Weise plädierte in der Zeitung „Die Welt“ grundsätzlich für mehr Flexibilität beim Eintritt in den Ruhestand. Mit der abschlagsfreie Rente mit 63 habe man damit in eine Richtung angefangen. „Man sollte nun auch Anreize dafür setzen, dass Arbeitnehmer, die fit sind, freiwillig bis 70 arbeiten können“, forderte er. Dies würde dem Arbeitsmarkt helfen. Das Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Alexander Gunkel, kritisierte in der gleichen Zeitung die Möglichkeit zur Frühverrentung. „Die neuen Zahlen lassen darauf schließen, dass die abschlagsfreie Rente mit 63 noch häufiger in Anspruch genommen wird“, sagte er voraus. Bis November 2014 waren bereits 186.000 Anträge darauf bei der Deutschen Rentenversicherung gestellt worden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ein Millionenheer junger Hartzer steht bereit, nach gründlicher Ausbildung (nach Alkoholentzug) die freien Arbeitsplätze zu besetzen.

    Unsere arabischen (illegalen) Zuwanderer interessieren sich nur am Rande für harte Arbeit, denn sie werden ja ausreichend alimentiert.

    Ich wohne auf dem Land.
    Von 10 Hartzern, die man im Dorf kennt, arbeiten 9 schwarz.


  • Es gibt keinen Fachkräftemangel in Deutschland. Es hat ihn nie gegeben und es gibt ihn auch heute nicht. Es gibt in Wahrheit ein nur ein Arbeitsplätze und Facharbeitsplätzemantgel in Deutschland.

    Die These vom Fachkräftemangel ist eine vielfach widerlegte Lüge, die von Großkapital und Industrie und neoliberalen Lobbys in die Welt gesetzt wurde, um weitere ZUwanderung zu legtimieren, welche die Arbeitnehmer schwächt und die Löhne weiter drückt.

    Rund 6 Millionen Menschen haben trotz Vollzeitbeschäftigung einen Netto-Gehalt, der sich nur auf Hartz-IV-Satz-Niveau bedindet.
    Hinzu kommen noch 1,5 Millionen "Aufstocker", die sogar noch weniger verdienen, und trotz Arbeit "Hartz-IV" zum Leben braucht.
    Das ist die Realität in Deutschland, welche alle, absolut alle etablierten Parteien gezielt verleugnen.

  • jaja, das die Älteren in Rente gehen kommt total überraschend!
    Und das studierte Menschen nicht als Instalateur oder Kranpfleger arbeiten möchte war auch nicht vorhersehbar. Genauso wie niemand ahnen konnte, dass Menschen nicht bereit sind eine Ausbildung zur Altenpflegerin aus der eigenen Tasche zu bezahlen um später mit einem Mindestlohn abgespeist zu werden.
    Hauptschulabschluß taugt nix - die Kinder müssen alle Abitur haben und studieren. Ja, da bleiben viele auf der Strecke. Früher gab es eine Sonderschule. Da lernten die lernschwachen zumindest noch genug um später Hilfsarbeiter zu sein. Heute lernt man in der Haupschule nicht einmal mehr dafür genug. Disziplin - ist nicht nur eine Tugend sondern ein muss für eine anständige Ausbildung.
    Eine Firma deren Mitarbeiter zu 30% aus Leiharbeitern besteht bildet meist nicht aus. Zeitarbeitsfirmen bilden garantiert nicht aus. Wo sollen denn die Fachkräfte herkommen?
    Wer in 20 Jahren einen Installateur braucht wird verdammt viel Geld dafür bezahlen müssen!

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