Arbeitsmarktzahlen
Volkswirte rechnen mit Besserung im zweiten Halbjahr

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im April saisonbereinigt gestiegen. Was sagen Volkswirte zu der aktuellen Entwicklung?

HB BERLIN. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im April saisonbereinigt um 23 000 gestiegen. Analysten hatten im Schnitt mit einem Anstieg um gut 15 000 gerechnet und sagten in ersten Reaktionen:

Ralph Solveen, Commerzbank:
„Dass die Arbeitslosigkeit weiter steigen würde, war klar, auch wenn es ein Tick mehr ist als erwartet. Am Arbeitsmarkt tut sich erst etwas im zweiten Halbjahr. Dann können wir mindestens eine Stabilisierung oder sogar eine Besserung erwarten. Da die statistischen Änderungen jetzt ausgelaufen sind, zeigen die heutigen Zahlen den statistischen Trend.“

Peter Meister, ING BHF-Bank:
„Das ist ein bisschen schlechter als von uns erwartet. Man hätte erwarten können, dass es unbereinigt einen stärkeren Rückgang gibt, weil etwa das Wetter gut war. Da war ich etwas optimistischer, aber der Arbeitsmarkt in Deutschland ist sehr schwach. Die Konjunkturerholung schlägt sich noch nicht in der Beschäftigung nieder. Die Zahlen sind extrem schwierig zu interpretieren. Denn etwa die Verbesserung seit dem zweiten Halbjahr 2003 war eher auf die statistische Bereinigung zurückzuführen. Dieser Effekt läuft jetzt aus. Die Ich-AGs waren im letzten Jahr erfolgreich. Aber jetzt findet schon eine Überprüfung statt und viele melden sich vielleicht schon wieder arbeitslos. Die deutsche Binnennachfrage hinkt sehr hinterher, und es ist immer die Exportlastigkeit, die den Aufschwung antreibt. Oft sind dies kapitallastige Produkte. Der Antrieb der Binnenkonjunktur beispielsweise durch Dienstleister fehlt noch ein bisschen und dementsprechend der Impuls für den Arbeitsmarkt. Wir hoffen, dass in der zweiten Jahreshälfte der Anstieg der Arbeitslosigkeit ausläuft, aber eine nachhaltige Besserung - das ist nicht zu erwarten.“

Jörg Krämer, Invesco Asset Management:
„Dies bestätigt meine Einschätzung, dass sich die Arbeitslosigkeit in Deutschland in einem Aufwärtstrend befindet. Die Arbeitslosigkeit hat vom Frühling bis Ende letzten Jahres abgenommen, weil die Bundesagentur durch gesetzliche Änderungen mehr Druck auf Arbeitslose ausüben konnte, sich aus der Statistik abzumelden. Seit dem Jahresanfang ist die Arbeitslosigkeit wieder gestiegen. Dies bedeutet, dass die zu Grunde liegende Schwäche des Arbeitsmarktes wieder sichtbar geworden ist, weil das wirtschaftliche Wachstum zu schwach ist. Die Schwäche der Wirtschaft kann nicht länger hinter Gesetzesänderungen zur statistischen Behandlung von Arbeitslosen versteckt werden. Es gab zudem eine Beschleunigung des Abwärtstrends bei den Beschäftigten. Die wirkliche Schwäche des Arbeitsmarktes zeigt sich jetzt auch deutlicher, wenn wir über Beschäftigung reden. Firmenchefs haben den wirtschaftlichen Aufschwung bereits vor Augen, aber sie sind bei Einstellungen immer noch vorsichtig.“ Klaus Papenbrock, Deutsche Bank:
„Wenn diese Zahlen später wie üblich bestätigt wurden, dann entsprechen sie fast genau den Erwartungen. Es gibt eindeutig zwei Hauptfaktoren: Die wirtschaftliche Erholung in Deutschland ist immer noch zu schwach, um Arbeitsplätze zu schaffen, und der positive Effekt der Arbeitsmarktreformen, den wir in der zweiten Jahreshälfte im vergangenen Jahr gesehen haben, ist ausgelaufen.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%