Arbeitsplatz-Verlagerungen ins Ausland kritisiert
Schröder geht hart mit Kritikern ins Gericht

Einen Tag vor den geplanten Großdemonstrationen gegen Sozialabbau hat Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) an Gewerkschafter und Rentner appelliert, bei der Bewertung seiner Reformen auch die künftigen Generationen im Blick zu behalten.

HB BERLIN. Zugleich hat er Arbeitsplatz-Verlagerungen ins Ausland kritisiert, die mit Kosteneinsparungen begründet werden.

Zum Engagement deutscher Unternehmen im Ausland sagte der Kanzler am Freitag in einem WDR-Interview, es gebe Notwendigkeiten für Unternehmen, einen Markt zu erobern. „Es gibt auch Menschen, die es sich allzu leicht machen und dann zu Lasten des Landes, in dem sie Wohlstand erworben haben, Arbeitsplätze verlagern nur, weil es ein paar Groschen zu sparen gibt an den Arbeitskosten.“ Dies habe er unpatriotisch genannt. „Und ich habe auch darauf hingewiesen, dass ich nicht gerne möchte, dass Verbände sich da tummeln und Erklärungen abgeben.“

DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun hatte vor knapp zwei Wochen auch vom Kanzler Kritik mit der Bemerkung ausgelöst, er empfehle den Unternehmen, „nicht auf eine bessere Politik zu warten, sondern jetzt selbst zu handeln und die Chancen zu nutzen, die zum Beispiel in der Osterweiterung liegen“. Das wurde weithin als Aufforderung zu Verlagerung von Arbeitsplätzen gewertet.

Siemens präsentierte in dieser Woche für mehrere Bereiche Pläne unter anderem für die Verlagerung von mehreren tausend Arbeitsplätzen ins Ausland.

Zu den unter anderem von den Gewerkschaften organisierten Großdemonstrationen gegen die Sozialpolitik der Bundesregierung sagte der Kanzler, die Gewerkschaften führten an, sie seien ihren Mitgliedern verpflichtet. „Und ich sage ihnen: Eure Mitglieder haben auch Kinder, und denen bin ich auch verpflichtet - nicht nur der heute aktiven Generation.“ Gleiches gelte für die Rentner. Er verstehe, dass die Menschen an dem Erreichten festhalten wollten. Wohlstand auch für die künftigen Generationen lasse sich aber nur erhalten, „wenn sich vieles in diesem Land verändert“. Dass das mangelnde Verständnis für die Reformen nicht nur ein deutsche Phänomen sei, zeigten die vergleichbaren Reaktionen in Frankreich und Italien, sagte der Kanzler dem Vorabbericht zufolge. Für Samstag haben Gewerkschaften und Globalisierungsgegner europaweit zu Demonstrationen gegen Sozialabbau aufgerufen. Zu den Kundgebungen in mehreren deutschen Städten erwarten die Organisatoren hunderttausende Teilnehmer.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%