Arbeitszeitgesetz
CDU-Politiker fordert Recht auf Homeoffice

Jeder, der will, darf zu Hause arbeiten: Was in den Niederlanden seit Anfang Juli möglich ist, steht in Deutschland nicht zur Debatte. Bis jetzt. In der CDU gibt es nun Sympathie für eine Rechtsanspruch auf Homeoffice.
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BerlinDer Bundesvize der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, hat sich dafür ausgesprochen, im deutschen Arbeitszeitgesetz nach niederländischem Vorbild einen Rechtsanspruch auf Homeoffice zu verankern. „In Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten sollten Arbeitnehmer zu Hause arbeiten können, wenn keine Sicherheitsanforderungen oder zwingende betriebliche Gründe dagegen stehen“, sagte der CDU-Politiker dem Handelsblatt. Die Beweislast, dass die Arbeit zwingend im Büro erledigt werden muss, müsse beim Arbeitgeber liegen.

In den Niederlanden arbeiten schon heute 30 Prozent der Arbeitnehmer von zuhause, während in Deutschland der Anteil gerade einmal bei 12 Prozent liegt. Das könnte auch daran liegen, dass die Heimarbeit hierzulande vom guten Willen der Arbeitgeber abhängt. Verweigert der Arbeitgeber seine Zustimmung, bleibt Betroffenen nur der Gang vor das Arbeitsgericht.

Experten sehen zusätzliche Regelungen aber dennoch skeptisch. Kerstin Jürgens, die an der Universität Kassel  seit Jahren über Vereinbarkeit von Familie und Beruf forscht und auch der Expertenkommission des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales angehört, verweist auf die vielen Betriebsvereinbarungen zum mobilen Arbeiten. Ihrem Eindruck nach seien diese Betriebsvereinbarungen auch im Hinblick auf Möglichkeiten für das sogenannte Homeoffice „größtenteils im Sinne der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerinteressen geregelt“, sagte Jürgens kürzlich im Deutschlandfunk. Insofern stelle sich die Frage, wo dann der Regelungsbedarf bestehen solle.

Der Präsident des Industrie- und Handelskammertages, Eric Schweitzer, hält es dagegen für notwendig, das Arbeitszeitgesetz „ein Stück weit der jetzigen Realität“ anzupassen. Dies solle „nach Augenmaß“ geschehen. Flexiblere Arbeitszeiten ermöglichten auch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie - unter anderem wenn Mitarbeiter beispielsweise auch von zu Hause arbeiten könnten, betonte Schweitzer.

Das Arbeitszeitgesetz von 1994 begrenzt die zulässige werktägliche Arbeitszeit auf acht Stunden. Die Ausdehnung auf bis zu zehn Stunden ist möglich, wenn der Acht-Stunden-Tag langfristig eingehalten wird.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales lehnte jedoch Änderungen am Arbeitszeitgesetz ab. Das Ministerium wandte sich insbesondere gegen  die Forderung der Arbeitgeber, den Acht-Stunden-Tag aus dem Arbeitszeitgesetz zu streichen. „Um mehr Spielräume zu schaffen und betriebliche Notwendigkeiten abzubilden, sollte das Arbeitszeitgesetz von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit umgestellt werden“, heißt es in einem entsprechenden Positionspapier der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).

„Eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes wie gefordert ist nicht geplant, erklärte das Ministerium. Richtig sei aber, dass Fragen der Arbeitszeitgestaltung zusammen mit vielen anderen Fragen im Rahmen des Dialog-Prozesses „Arbeiten 4.0“ unter anderem mit Wissenschaftlern und Experten diskutiert würden. Ende 2016 werde das Ministerium ein Weißbuch vorlegen. Sollten dann Anpassungen des Gesetzes notwendig sein, würden diese „immer gleichermaßen die Interessen und Schutzbedürfnisse beider Seiten der Sozialpartner im Auge haben und berücksichtigen“.

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