ARD-Deutschlandtrend
Schulz und Merkel gleichauf

Die Mehrheit der Deutschen unterstützt die Kanzlerkandidatur von Martin Schulz. Das zeigt der ARD-Deutschlandtrend. Könnte man den Kanzler direkt wählen, läge er sogar gleichauf mit Angela Merkel.
  • 25

BerlinDie SPD freut sich über einen guten Umfrage-Start ihres designierten Kanzlerkandidaten Martin Schulz. Nach dem ARD-Deutschlandtrend geben ihm viele Bürger ähnlich gute Bewertungen wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

„Läuft“, schrieb die Vizevorsitzende, Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig, im Kurznachrichtendienst Twitter. Sigmar Gabriel, der zugunsten des ehemaligen EU-Parlamentspräsidenten auf Kanzlerkandidatur und Parteivorsitz verzichtet, hatte in den Umfragen stets deutlich schlechter abgeschnitten als Merkel.

Im rein theoretischen Fall, dass man den Kanzler direkt wählen könnte, würden sich 41 Prozent der Befragten für Angela Merkel entscheiden (-2 Punkte seit Dezember). Ebenso viele, 41 Prozent, würden Schulz wählen (+5). Für 11 Prozent kommt keiner der beiden in Frage, ermittelte Infratest dimap.

Zwar wissen 65 Prozent der Befragten nach eigenen Angaben bisher nicht, für welche Politik Schulz eigentlich steht. Dennoch gaben sie ihm gute Bewertungen. Bei einigen Kriterien schneidet er sogar leicht besser ab als Merkel, etwa bei der Glaubwürdigkeit (Schulz: 65 Prozent, Merkel: 64 Prozent) und Sympathie (Schulz: 69, Merkel: 63). Bei anderen Kriterien liegt er hinter ihr, aber immer noch weit vor Gabriel, etwa bei Kompetenz (Schulz: 68, Merkel: 78, Gabriel: 53) und Führungsstärke (Schulz: 60, Merkel: 79; Gabriel: 39).

Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, sieht Schulz' Chancen gleichwohl skeptisch. „Schulz hat bisher keine klaren politischen Konturen“, sagte er der „Nordwest-Zeitung“ (Donnerstag). „Er ist bekannt geworden als Präsident des Europaparlaments. Mit Europa kann man aber keine Bundestagswahl gewinnen.“

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) hat gelassen auf die guten Umfragewerte für Schulz reagiert. Die Union müsse ihn „überhaupt nicht“ fürchten, sagte er am Donnerstag im ARD-„Morgenmagazin“. „Das ist ein Effekt, den man immer wieder beobachten kann, wenn jemand neu auf die Bühne tritt, dass er eine gewisse Sympathie bekommt“, so Kauder. Die Union soll sich seinen Worten zufolge davon nicht beirren lassen: „Wir müssen uns auf uns besinnen“, sagte Kauder.

Zudem ist aus seiner Sicht das Machtgefüge in der SPD noch nicht abschließend geklärt: „Es wird sich zeigen müssen, wer in der SPD das Sagen hat“, gab Kauder zu bedenken. Schulz müsse Führungskompetenz erst noch beweisen.

Für die weitere Zusammenarbeit in der Koalition bis zum Ende der Wahlperiode im Herbst zeigte sich Kauder optimistisch. „Ich glaube, dass wir die Projekte, die wir noch vor uns haben in der Koalition, auch schaffen.“ Er nannte etwa die strittige Verteilung des Haushaltsüberschusses von 6,2 Milliarden Euro: „Beim Haushaltsüberschuss bin ich ganz zuversichtlich, dass wir das dann in der nächsten Sitzungswoche (des Bundestags) schaffen.“

Für die SPD ist dieser Donnerstag allerdings nicht nur ein Tag des Neuanfangs - sondern auch des Abschieds. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) reist unmittelbar vor Ausscheiden aus seinem Amt nach Paris. Gabriel nimmt seinen letzten größeren Termin als Wirtschaftsminister wahr: Anlässlich der Vorlage des Jahreswirtschaftsberichts gibt er im Bundestag eine Regierungserklärung ab.

Mit seiner Paris-Reise will Steinmeier die besondere Bedeutung der deutsch-französischen Beziehungen für Europa und darüber hinaus würdigen. Zusammen mit seinem französischen Kollegen Jean-Marc Ayrault wird er an einer Diskussionsveranstaltung zur Europapolitik teilnehmen.

Für Steinmeier schließt sich damit ein Kreis: Seine erste Antrittsreise als Außenminister führte ihn am 23. November 2005 nach Paris. In seiner zweiten Amtszeit ab Dezember 2013 war er schon 30 Mal in der französischen Hauptstadt. Nur in Brüssel, dem Hauptsitz der Europäischen Union, war er ähnlich häufig. Die Abschiedsreise nach Paris ist die letzte von 220 in dieser Wahlperiode.

Steinmeier scheidet aus dem Kabinett aus, weil er am 12. Februar als Kandidat der großen Koalition bei der Bundespräsidentenwahl antritt. Seine Wahl gilt als sicher. Seine Entlassungsurkunde erhält er am Freitagvormittag von dem Mann, dessen Nachfolger er werden will: Bundespräsident Joachim Gauck. Die Vereidigung seines Nachfolgers im Auswärtigen Amt, Sigmar Gabriel, findet ebenfalls am Freitag statt. Nach Gabriels Verzicht auf eine Kanzlerkandidatur und den SPD-Vorsitz will er bis zur Bundestagswahl als Außenminister im schwarz-roten Kabinett weitermachen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " ARD-Deutschlandtrend: Schulz und Merkel gleichauf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Diese "Umfrage" hat vermutlich genauso lange gedauert, wie ihr Initiator dazu brauchte, um sich das Ergebnis auszudenken. Das Ausmaß der Manipulation (oder sollte man besser sagen Verhöhnung?) der deutschen Bürger durch die Kaste der Alt-Politiker wird immer lächerlicher. Ist Deutschland denn wirklich schon so nah vor die Mauer gefahren, dass nur noch dieses letzte Aufgebot geblieben ist?

  • Falls die SPD sich mit Schulz auf ihre sozialen Wurzeln besinnen sollte, gäbe es in der deutschen Parteienlandschaft genau 4 erforderliche Parteien.

    Die SPD als linke soziale Partei.
    Die Grünen für die linksliberale Wählerschaft.
    Die CDU/CSU für die konservativen Wähler.
    Die FDP für wirtschaftsliberale Anhänger.

    Mehr Parteienvielfalt braucht kein Land der Erde.

  • @ Herr Mark Hoffmann

    >> Wer wirklich auf Nummer sicher gehen will, dass Merkel und ihr Grün-Sozialistischen Parteien verschwinden, der MUSS DIE AFD wählen. >>

    Diese Sicherheit kann es gar NICHT geben. Denn die Nachfolge- Koalition steht jetzt bereits schon fest :

    die Neue XXL-Koalition wird die CDU/SPD/GRÜNE - Koalition werden.

    Alles ANDERE RECHNET sich ÜBERHAUPT nicht ! Die 3 Parteien um die 10 % ( SPD, GRÜNE, LINKE ) kann nach Adam Riese auch nur an die 30 % im Besten Falle kommen ! Damit kann eine Rot-Rot-Grüne Koalition erst gar nicht zustande kommen.

    Und die AFD wird keine 50 % erreichen. Und blühen NOCHMALS 4 Jahre unter Ultra-Links-Liberaler Jauche ! Das ist leider so. Die Zahlen sprechen dafür.

    Der Prozess der Auflösung Deutschlands in einer Science-Fiktion- Utopie EU wird in Deutschland leider nochmals 4 Jahre andauern.



Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%