ARD-Wahlarena
Steinmeier, Schweiß und Schlämmer

Nach Bundeskanzlerin Merkel durfte am Dienstagabend SPD-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier in der Wahlarena der ARD auftreten und sich den Fragen der gut präparierten Zuschauer stellen. Steinmeier brauchte zwar Anlauf, um warm zu werden, aber er kämpfte – und bewies sogar Humor.

DÜSSELDORF. Im Unterschied zur Merkel-Sendung war der Kandidat zur Eröffnung erst einmal gar nicht im Bild, so als sei er gar nicht da. Moderator Cichowicz war zu sehen und ein paar Zuschauer. Erst nach der ersten Frage richtete sich die Kamera auf Steinmeier. Er hatte sichtlich Mühe, in die Gänge zu kommen. Bei seinen ersten Antworten brauchte er immer einen kleinen Anlauf, um warm zu werden. So hatte man manchmal das Gefühl, dass er nicht direkt auf eine Frage antwortete, sondern erst einmal den Umweg über ein paar bürokratische Floskeln nahm.

Dabei wurde man aber vor allem in der ersten Hälfte der Sendung den Eindruck nicht los, dass Moderatoren und Zuschauer den Kandidaten deutlich härter ins Gebet nahmen, als tags zuvor die Kanzlerin. Nicht dass sie unhöflich oder ruppig zu ihm waren, aber es wurde doch deutlich härter nachgefragt als bei Merkel. Und sehr häufig fragte ein Moderator den Zuschauer: "Sind Sie mit der Antwort zufrieden?"

Besonders deutlich wurde das bei der Frage nach Murat Kurnaz, dem Deutsch-Türken, der so lange im US-Lager Guantanamo sitzen musste. "Denken Sie oft an Murat Kurnaz?" wurde Steinmeier gefragt, andeutend, dass er doch wohl ein schlechtes Gewissen haben müsste ob der Ungerechtigkeit, die Kurnaz widerfahren ist. Steinmeier parierte die Frage diplomatisch, geriet allerdings deutlich in Schweiß, was die Kameras gnadenlos ablichteten. "Hätten Sie Kurnaz nicht deutlich früher aus dem Lager herausholen können", wurde er noch gefragt. "Nein", sagte Steinmeier, vier Jahre Untersuchungsausschuss hätten da ja auch kein anderes Ergebnis gebracht.

Munter geht es weiter mit harten Themen. So konnte Steinmeier noch einmal für den Atomausstieg plädieren. Lässig lehnte er an dem schon bekannten Rednerpult aus Plexiglas und erläuterte die sozialdemokratische Sicht der Dinge. Wenn Deutschland wieder auf Atomkraft setzte, dann seien all die Investitionen in erneuerbare Energien umsonst gewesen, möglicherweise gingen da sogar Arbeitsplätze verloren.

Sehr lange ging die Debatte um Geringverdiener und wie ihnen zu helfen sei. Da gab es kaum versteckte Schelte für die Hartz-IV-Gesetze und die Frage, was er dagegen zu tun gedenke, dass ganze Branchen in den Niedriglohnbereich abrutschen. Mindestlöhne und mehr tarifliche Arbeitsverhältnisse, ist Steinmeiers Antwort. Aber, und da bringt er seinen Deutschlandplan ins Spiel, viel wichtiger sei die Investition in Bildung, Bildung sei schließlich der Schlüssel für die Arbeitsplätze von morgen. Im Übrigen wolle er die Steuern für Geringverdiener senken. Finanziert werden solle das durch die Schließung von Steuerschlupflöchern.

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