Arm im Alter Warum das Rentenniveau nicht fallen darf

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Welcher Stundenlohn vor Altersarmut schützt

Wie viel muss jemand heute also mindestens wie lange verdienen, damit er im Alter nicht altersarm wird? Das WSI beantwortet diese Frage für zwei gebräuchliche Armutsschwellen. Als von Armut bedroht gilt jemand, der weniger als 60 Prozent des Durchschnittslohns zur Verfügung hat. Das sind aktuell 942 Euro im Monat. Sozialleistungen in Form der Grundsicherung im Alter erhält er aber erst, wenn er unter die Grundsicherungsschwelle von aktuell 747 Euro liegt.

Um im Rentenalter über der Armutsgefährdungsschwelle zu liegen, müssten Arbeitnehmer mit einer 38-Stunden-Woche beim aktuellen Rentenniveau durchschnittlich einen Stundenlohn von 18,51 Euro verdienen, wenn sie 35 Jahre arbeiten. Bei einem Rentenniveau von 41,7 Prozent würde sich der erforderliche Stundenlohn auf 21,18 Euro erhöhen. Wer 45 Jahre arbeitet, müsste seinen Stundenlohn immer noch von 15,40 Euro auf 16,47 Euro erhöhen.

Um im Alter über der Grundsicherung zu liegen, benötigen Arbeitnehmer mit einer Lebensarbeitszeit von 35 Jahren aktuell einen Stundenlohn von 14,68 Euro. Bei einem Rentenniveau von 41,7 Prozent wären es aber 16,79 Euro. Bei 45 Berufsjahren wären es noch immer 13,06 Euro statt 11,42 Euro.

Wer heute nur einen Mindestlohn verdient, wird also schon beim aktuellen Rentenniveau im Alter auf Grundsicherung angewiesen sein. Unter der Armutsgefährdungsschwelle landen laut WSI auch Pflegekräfte, die derzeit den Branchenmindestlohn für Westdeutschland von 1556 Euro im Monat erreichen. Nicht viel besser ergeht es einem Facharbeiter mit dem Mindestlohn, der für das Bauhauptgewerbe 2350 Euro im Monat beträgt. Dagegen liegt eine Pflegekraft, die nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes bezahlt wird und deshalb auf 3380 Euro im Monat kommt, nach 35 Arbeitsjahren mit verfügbaren Monatsrenten von über 1300 Euro heute noch komfortabel oberhalb der Armutsschwelle im Rentenalter.

Gälte aber bereits heute das Rentenniveau des Jahres 2045, kämen diese Pflegekraft nur noch bei 45 Dienstjahren mit über 1100 Euro auf eine Rente über der Armutsschwelle. Doch so lange hält kaum eine Pflegekraft durch. Trotz gutem Tariflohn droht Pflegekräften damit Armut im Alter, wenn sie sich allein auf die gesetzliche Rente verlassen.

Die Schlussfolgerung aus diesen Daten kann für WSI-Forscher Florian Blank nur heißen: „Eine Stabilisierung oder Anhebung des Rentenniveaus ist dringend geboten, um für alle Einkommensgruppen die Lohnersatzfunktion der Renten und damit die Legitimität der Rentenversicherung sicherzustellen“. Beides sei akut gefährdet, wenn langjähriger Beitragszahlung keine gesetzliche Rente deutlich über Grundsicherungsniveau oder Armutsgrenze gegenübersteht. Das WSI begründet seine Aussage auch damit, dass der Plan der Politik aus dem Jahr 2001 aufgegangen sei, das seither sinkende Rentenniveau durch von den Arbeitnehmern finanzierte ergänzende private Vorsorge auszugleichen. Die Riesterrente habe die in sie gesetzten  Erwartungen nicht erfüllt, urteilt das WSI.

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