Armut im Alter
"Die Zusatzvorsorge hat Schwächen"

Die staatliche Rente reicht nicht mehr, Millionen Menschen sorgen privat fürs Alter vor. Aber reicht das? Ein Gespräch mit dem Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen.
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Handelsblatt: 14,4 Millionen Menschen haben eine Riester-Rente abgeschlossen. Ist die Angst vor Altersarmut überzogen?
Bernd Raffelhüschen: Auf den ersten Blick scheint das Problem noch da zu sein, denn die Zahlen zeigen, dass nur 50 Prozent der Niedrigeinkommensbezieher einen Riester-Vertrag haben. Doch das müsste noch genauer untersucht werden. So wissen wir nicht, wie viele Niedrigverdiener auf sozialversicherungsfreie Entgeltumwandlung setzen, weil sie keine Steuern zahlen und Riestern sich daher für sie nicht lohnt.

Handelsblatt: Reicht die Riester-Rente, um die Versorgungslücke zu schließen?
Raffelhüschen: Das kommt auf den Fall an, aber für die Mehrheit dürfte die Antwort lauten: Besser zusätzlich noch ein wenig private und/oder betriebliche Altersvorsorge – dann kann man mit Einkünften rechnen, die den Lebensstandard auch im Alter sichern.
Handelsblatt: Welche Rolle spielt dabei die betriebliche Altersversorgung?
Raffelhüschen: Sie kann man nicht hoch genug einschätzen. In der Industrie und vor allem in Großbetrieben dürften die Betriebsrentenansprüche mit den Ansprüchen der gesetzlichen Rente fast schon gleichziehen. Lücken finden sich natürlich auch: bei Kleinbetrieben und in Ostdeutschland.
Handelsblatt: Wie steht es um die Effizienz der Riester-Rente? Fließt die staatliche Förderung nicht vor allem in die Vertriebskosten?
Raffelhüschen: Staatliche Subventionen kommen nie ganz dem Verbraucher zugute, ob Solar oder Altersvorsorge – es wird immer geteilt. Und hier wie überall gilt: So mancher Anbieter teilt fair, andere nicht. Die ganz schwarzen Schafe sind allerdings durch staatliche Regulierung ausgeschlossen.
Handelsblatt: Wird das Ziel erreicht, über das Instrument der Kapitaldeckung Anleger auf der ganzen Welt an den künftigen Kosten der Altersversorgung zu beteiligen?
Raffelhüschen: Das ist wohl der heikelste Punkt bei großen Teilen der Riester-Produkte. Wenn man sich die Refinanzierung anschaut, dann stellt man fest, dass viele Anbieter das Vorsorgekapital fast zur Gänze in „sicheren“ Staatspapieren anlegen. Mal ganz abgesehen von sicheren griechischen oder irischen Papieren gilt selbst bei Bundesobligationen: Wo der zukünftige Beitragszahler bei der Rente fehlt, da fehlt natürlich auch der Steuerzahler für die Bedienung der Staatsschuld in späteren Jahrzehnten. Staatsschuld aufzunehmen ist aber keine Kapitaldeckung. Sie entsteht nur bei Investitionen in Realkapital und Immobilien. Hier müssen wir uns bei der derzeitigen Volatilität des Aktienmarktes einiges einfallen lassen, um das Potenzial künftiger Börsengewinne für die betriebliche Altersversorgung zu heben, ohne das Risiko zu vernachlässigen.

Bernd Raffelhüschen ist Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Freiburg und Mitglied im Aufsichtsrat der ERGO-Versicherungsgruppe.

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  • Maschmaaaaaiiier, Rürupppp, Riester AWD, Swiss Life Wrapperpolissssen umverpacktes Gammelfleish, Riesterbeschiss. Bei DER DVAG Ist riester Gast zieht euch mal die gehaltsliste dort rein Giudo, Kohl, Waigel danke

  • Die Riester Rente wurde nie konzipiert um die Altersvorsorgelücke zu schließen (die gab es schon vor der Rentenreform), sondern um die Kürzung des Renteniveaus um 3 % aufzufangen.

    Seit dem (2001/2002) haben sich die Förderhöchstgrenzen vervierfacht. Riester ist also bestenfalls im übertragenen Sinne dazu geeignet, ein um 12 % geringeres Rentenniveau auszugleichen.

    Das hat nichts mit der grundsätzlich gegebenen Altersvorsorgelücke im Einzelfall zu tun. Das Nettorentenniveau wird weiter sinken, schreiben Sie in diesem (http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/die-rente-reicht-im-alter-nicht-mehr/4025138.html) Artikel.

    Hier haben Sie praktisch Ihre 12 % Differenz sowie Nutzen und Eignung einer Riester Rente in der Theorie.

    Der Weg von 80 % des letzten Nettos bis zu den von Ihnen geschrieben 52 % wird sich im Regelfall nicht durch Riester beschreiten lassen.

  • Die Umlage-Pension bekommt nur dann Probleme wenn es zu einem demographischen Einbruch kommt. In so einer Situation werden aber private Pensionsvorsorgen ebenfalls einbrechen, es sei denn dass es in anderen Ländern zu einem Aufschwung kommt an dem man sich beteiligen kann. Das erfordert Anlagegeschick. Und falls es zu einer globalen Rezession käme, würde selbst das nicht helfen. So ist das nun einmal.

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