Armutsbericht: „Augenmaß ist gefragt“

Armutsbericht
Arm, ärmer, Migrant

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„Augenmaß ist gefragt“

Sozialforscher Eric Seils vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung sagt, die Daten widersprechen der Vorstellung, dass die Einwanderung zu einer Verarmung der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund beitrage. „Es ist vielmehr so, dass die Neuzuwanderer aus den vergangenen beiden Jahren zeitverzögert in der Statistik auftauchen. Da sie meist ein sehr niedriges Einkommen haben, schlägt sich das nun in der Armutsquote nieder.“

Besonders von Armut bedroht sind Menschen, die erst seit kurzer Zeit in der Bundesrepublik leben. 41,9 Prozent der Personen, die vor weniger als fünf Jahren eingewandert sind, müssen mit einem Einkommen unter der Armutsgrenze zurechtkommen. Jedoch steigt der Anteil der Erwerbstätigen mit zunehmender Aufenthaltsdauer – damit sinkt gleichzeitig das Armutsrisiko.

Die Wahrscheinlichkeit, unter der Armutsgrenze zu leben, geht aber nicht kontinuierlich zurück, je länger Zugewanderte in Deutschland sind. Eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt hängt schließlich nicht nur von der Aufenthaltsdauer, sondern auch wesentlich von Bildung und Sprachkenntnissen ab. Syrische (78,1 Prozent), irakische (65,0 Prozent), pakistanische (59,3 Prozent) und afghanische (58,1 Prozent) Einwanderer sind dem Bericht der Hans-Böckler-Stiftung zufolge besonders von Armut betroffen.

Jedoch bestehe kein Anlass, die relative Einkommensarmut dieser Gruppen zu dramatisieren. Die Definition von Armut sei auf diese Gruppe kaum sinnvoll anwendbar. „Bei der Bewertung der neuen Zahlen ist Augenmaß gefragt“, sagt Sozialforscher Seils. Kurzfristig stehe für diese Menschen im Vordergrund, Verfolgung und Krieg entkommen zu sein. Erst mit Qualifikation für den Arbeitsmarkt wird es diesen Menschen mittel- und langfristig möglich sein, ihren Unterhalt aus eigener Kraft zu bestreiten.

Die Erfahrung aber zeigt, dass das selbst Jahrzehnte nach der Einwanderung noch schwierig ist. Von den Migranten, die vor mehr als einem Vierteljahrhundert nach Deutschland gekommen sind, lebt noch immer mehr als ein Fünftel unterhalb der Armutsgrenze. „Dieser hohe Wert macht, ebenso wie der Umstand, dass in einer Zeit mit geringer Arbeitslosigkeit die Armutsquote insgesamt nicht sinkt, deutlich, dass Maßnahmen gegen Armut und Ungleichheit weit oben auf der Tagesordnung stehen sollten“, sagt WSI-Experte Seils.

Ob die Zahl der Armutsbedrohten in Deutschland tatsächlich steigt oder nicht, hängt maßgeblich von der Art der Erhebung ab. Kritiker bemängeln, die Armutsquote messe gar nicht Armut, sondern Ungleichheit. Häufiges Argument: Je mehr Reiche es gibt, desto höher die Vergleichsgröße. In einem Land von Millionären würde dann selbst ein überdurchschnittlich Verdienender als arm gelten.

Ob sich eine soziale Schere in Deutschland öffnet oder nicht, ist auch unter Fachleuten umstritten. Die Einkommensungleichheit ist heute aber definitiv höher ist als noch vor gut 20 Jahren. Dazu kommt, dass Vermögen noch sehr viel ungleicher verteilt sind als Einkommen. Die wohlhabendsten zehn Prozent der Haushalte in Deutschland besitzen zusammen etwa 60 Prozent des Gesamtvermögens. In drei Viertel aller Haushalte liegt das Vermögen unterhalb des Durchschnitts. Das untere Fünftel besitzt gar kein Vermögen. Etwa neun Prozent dieser Haushalte haben negative Vermögen, sind also verschuldet.

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  • Gutmensch Carlos, ich habe nichts zu Miethöhe oder Quadratmetern gesagt, wohl so ein Pawlowscher Reflex vom Ihnen, wie bei allen Gutmenschen

  • @Herr carlos santos22.09.2016, 17:28 Uhr

    Vergessen?

    Mein Vater ist selbst Flüchtling / Heimatvertrieben aus Schlesien.
    Diesen Leuten wurde nichts geschenkt, nachdem Sie alles (materiell und den Vater) verloren hatten.

    Und zur Erinnerung: wer nach Amerika (oder woanders hin) ausgewandert ist, war vom ersten Tag an weitgehend auf sich selbst gestellt. Das standen keine Leute am Bahnhof und haben Teddybären geworfen und die Sozialindustrie hat Wohltaten verteilt.

  • Während dem Zweiten Weltkrieg...
    Wie viele deutsche sind da nach Amerika ???

    So gut wie keiner oder was glauben Sie ? Da war nix mit weglaufen.

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