Armutsbericht: Soziale Unterschiede wachsen weiter

Armutsbericht
Soziale Unterschiede wachsen weiter

Das Kabinett diskutiert eine verheerende Bilanz für die Regierungszeit von Rot-Grün. Statt die sozialen Unterschiede wie geplant abzubauen haben sie in den vergangenen Jahren in Deutschland weiter zugenommen.

HB BERLIN. Die Gefahr, unter die Armutsgrenze der Europäischen Union zu fallen, stieg von 1998 bis 2003 von 12,1 auf 13,5 Prozent. Dies geht aus dem Armuts- und Reichtumsbericht hervor, den das Bundeskabinett am Mittwoch in Berlin verabschiedete.

Zwar sind die Vermögen in den zurückliegenden Jahrzehnten stetig gestiegen und erreichten 2003 eine Summe von rund fünf Billionen Euro. Auf die vermögensstärksten 20 Prozent der Haushalte entfielen aber rund zwei Drittel des gesamten Nettovermögens; auf die reichsten zehn Prozent der Haushalte sogar allein 47 Prozent. Die Hälfte aller Haushalte verfügen hingegen gerade einmal über einen Anteil von weniger als 4 Prozent des Nettovermögens.

Zudem sei ein Trend zunehmender Ungleichheit bei den Bruttolöhnen feststellbar, die vor allem auf die Zunahme der Teilzeitbeschäftigung zurückzuführen sei. Aber auch bei einer ausschließlichen Betrachtung der Vollzeitentgelte bleibe die diese Ungleichheit bestehen, heißt es weiter. In Westdeutschland erhöhte sich das durchschnittliche monatliche Haushaltsnettoeinkommen von 1998 bis 2003 von 2 686 Euro auf 2 895 Euro und damit nominal um rund 7,8 Prozent. In den neuen Ländern stieg das Nettoeinkommen nominal um rund 10,4 Prozent von 2 023 auf 2 233 Euro. „Der höhere Zuwachs in den neuen Ländern weist auf einen Trend der weiter fortschreitenden Angleichung von Ost und West hin“, schlussfolgern die Autoren.

Armut in Deutschland korrespondiert dem Bericht zufolge in erheblichem Umfang mit Arbeitslosigkeit. Allerdings sei relative Einkommensarmut in der Mehrzahl der Fälle kein permanenter Zustand. Im Zeitraum von 1998 bis 2003 seien nach einem Jahr etwa ein Drittel der Phasen in relativer Einkommensarmut abgeschlossen oder unterbrochen gewesen und nach zwei Jahren etwa zwei Drittel.

Der Armuts- und Reichtumsbericht beruht auf einem Beschluss des Bundestags von Januar 2000. In ihm wurde die Bundesregierung beauftragt, regelmäßig eine solche Bestandsaufnahme vorzulegen, in der auch die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen analysiert werden - in diesem Fall von 1998 bis heute. Nicht in den Bericht einbezogen werden konnten die erst im Jahr 2004 oder 2005 in Kraft getretenen Reformmaßnahmen.

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