„Arte für alle ist zu wenig“
Bütikofer stänkert gegen Gaucks Europarede

Bundespräsident Gauck hat mit seiner Europa-Rede überwiegend ein positives Echo ausgelöst. Doch nicht jeder hat Lob für ihn übrig. Der Grünen-Politiker Bütikofer reagierte enttäuscht und sprach von Gemeinplätzen.
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BerlinDie Erwartungen an den Auftritt des Bundespräsidenten waren riesig. Doch mit seiner europapolitischen Grundsatzrede konnte Joachim Gauck nicht jeden überzeugen. Während SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück seine Ansprache als wegweisend würdigte, zeigte sich der Vize-Vorsitzende der Grünen im Europäischen Parlament, Reinhard Bütikofer, enttäuscht. „Er verbreitet Gemeinplätze, die vor ihm jeder andere auch schon benutzt hat“, erklärte Bütikofer via Twitter. Er habe zwar „dies und das“ ins Gespräch gebracht. Aber wo habe er einen „wirklich fassbaren Vorschlag“ gemacht? „Gauck hat Europa nicht nur nicht "erklärt", er hat keine Richtung weisen können. Arte für alle zu wenig“, schreibt Bütikofer.

Steinbrück meinte dagegen, der Bundespräsident habe klare Worte gefunden und die Bedeutung Europas für die Deutschen in der richtigen historischen Perspektive definiert. „Er hat dabei die Probleme offen angesprochen und die Aufgabe für uns alle formuliert, neues Vertrauen zu Europa zu stiften“, sagte Steinbrück. Gauck habe Recht: Es gehe um mehr als um die gemeinsame Währung. Es gehe um ein Europa der guten Nachbarn mit gegenseitigem Respekt. „Insbesondere sein Appell, den Partnern mit Empathie und nicht mit Besserwisserei zu begegnen, sollte von uns allen zu Herzen genommen werden.“

Die Rede war mit Spannung erwartet worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich nicht. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte lediglich, der Bundespräsident habe als leidenschaftlicher Europäer betont, dass die Wertschätzung für die europäische Idee immer neu erarbeitet werden müsse.

Gauck sagte in der etwa 50-minütigen Ansprache: „Es gibt Klärungsbedarf in Europa, angesichts der Zeichen von Ungeduld, Erschöpfung und Frustration unter den Bürgern.“ Er beschrieb sich als bekennender Europäer - das europäische Projekt müsse aber neu und kritischer betrachtet werden. Den Satz „Wir wollen mehr Europa wagen“, den er zu Beginn seiner Amtszeit gesagt hatte, würde er heute so schnell nicht mehr formulieren, sagte der Bundespräsident.

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  • @radiputz...DANKE. Eigentlich bin ich durchaus gaul-liert,,,-:)) aber Sie haben es noch besser pointiert!

  • Das Europa der EU ist nicht erst seit heute ein an die Wand gefahrener Karren. Von den G 8 sind inzwischen alle außer Deutschland finanziell kaputt. Unsere Politiker sind größenwahnsinnig, wenn sie glauben, dass Deutschland I,E und F retten können, aber alle werden gegen uns sein aus Neid und werden massiv fordern.
    Der Deutsche wird der Dumme sein, denn er soll zahlen
    und unsere Politiker wissen sich nicht zu wehren, wegen der großen Idee von Europa. Die Schuldengemeinschaft kommt durch die Hintertür über die Bankenunion und den Zugriff auf die Einlagensicherung der Deutschen. Es wird im Chaos enden, aber das können sich heute nur wenige vorstellen, denn es geht uns zu gut. Unsere Politiker sagen nicht die Wahrheit, die Schweiz macht Übungen wie die Flüchtlinge abzuwehren sind und unsere Medien beschwichtigen, beschönigen und geben sich regierungstreu. Bravo !

  • Köhler und Wulff waren nicht gerade mein Wunschkandidaten. Angesichts des hohlen, pastoralen Geschwafels eines Joachim Gauck, beginne ich ihnen nachzutrauern. Köhler und Wulff wussten – im Gegensatz zum amtierenden Bundespräsidenten - gelegentlich wirklich, wovon sie sprachen.

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