Arznei-Verordnungsreport
Schmidt droht der Pharmaindustrie

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) droht den Pharmaherstellern mit Preisvorschriften: Nach dem aktuellen Arznei-Verordnungsreport sind die Preise für Medikamente in Deutschland im internationalen Vergleich zu hoch.

HB BERLIN. Schmidt warnte die Unternehmen davor, die Zeit vor Einführung einer Kosten-Nutzen-Bewertung in Deutschland für die Anhebung der Preise zu nutzen. „Der Gesetzgeber wird nicht zusehen, dass es hier Preistreiberei gibt zulasten der Versicherten“, sagte sie am Dienstag in Berlin. Für das kommende Jahr erwartet Schmidt eine Steigerung der Arzneimittelausgaben um 6,6 Prozent, was zwei Milliarden Euro entspricht.

Nach dem am Dienstag veröffentlichten Arznei-Verordnungsreport sind die Preise für Medikamente in Deutschland im internationalen Vergleich zu hoch. Es könnten mindestens 5,6 Milliarden Euro eingespart werden, sagte der Herausgeber des Standardwerks der Branche, Ulrich Schwabe. Würden die Einsparpotenziale genutzt, könnte der Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung um 0,6 Prozentpunkte niedriger ausfallen. „Damit würden sicher einige Startprobleme des Gesundheitsfonds erleichtert werden können“, sagte er.

Laut Schwabe waren patentgeschützte Medikamente die Hauptursache des Kostenanstiegs im Gesundheitswesen um 6,7 Prozent im vergangenen Jahr. Insgesamt gaben die gesetzlichen Kassen 27,8 Milliarden Euro für Tabletten, Salben und Zäpfchen aus. Die Anhebung der Mehrwertsteuer schlug dabei mit 763 Millionen Euro zu Buche.

Wurden 1993 noch 1,5 Milliarden Euro für patentgeschützte Arzneien ausgegeben, waren es dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr 9,2 Milliarden Euro - 37 Prozent des Gesamtumsatzes. Ein größerer Ausgabenanstieg wurde durch die verstärkte Verordnung von Nachahmerpräparaten (Generika) verhindert. Die Preise für Generika gingen um 5,1 Prozent zurück, während die für patentgeschützte Präparate um fast drei Prozent zulegten. Dennoch seien auch Generika in Deutschland immer noch zu teuer. Ein preiswertes Generikum des Cholesterinsenkers Simvastatin koste 13,77 Euro, in Großbritannien dagegen 1,80 Euro.

Mit Generikapreisen wie in Großbritannien könnten nach Berechnungen der Heidelberger Wissenschaftler mindestens 3,4 Milliarden Euro eingespart werden. Mit amerikanischen Preisen für patentgeschützte Medikamente ließen sich zudem die Kosten allein für zwei bedeutende Arzneigruppen um 320 Millionen Euro senken. Weitere Einsparungen seien möglich, wenn auf teure neue Präparate mit keinem oder nur geringem Zusatznutzen verzichtet würde. 580 Millionen Euro könnten durch den Verzicht auf umstrittene Medikamente eingefahren werden. Ingesamt kommen die Autoren so auf knapp sechs Milliarden Euro Einsparungen, die für Beitragssenkungen zur Verfügung stehen würden.

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