Arzneimittelausgaben sanken im März kaum noch
Krankenkassen sehen Sparziele in Gefahr

Die gesetzlichen Krankenkassen schlagen Alarm: Trotz der umstrittenen Gesundheitsreform liegen die Arzneimittelausgaben im ersten Quartal in einem „rasanten Aufwärtstrend“, stellten sie in einer gemeinsamen Erklärung fest.

pt BERLIN. Die gesetzlichen Krankenkassen schlagen Alarm: Trotz der umstrittenen Gesundheitsreform liegen die Arzneimittelausgaben im ersten Quartal in einem „rasanten Aufwärtstrend“, stellten sie in einer gemeinsamen Erklärung fest. Den Ärzten warfen sie vor, die Sparbemühungen der Politik durch die überflüssige Verordnung teurer Medikamente zunichte zu machen.

Durch das rot-grüne Gesundheitsreformgesetz wurden die Zuzahlungen für Medikamente deutlich erhöht. Außerdem können die meisten rezeptfreien Medikamente nicht mehr auf Krankenschein verordnet werden. Die Arzneimittelausgaben der Kassen sollen so um 12 % sinken.

Diese Rechnung ist nach den jetzt vorliegenden Daten der Betriebskrankenkassen jedoch schon im ersten Quartal der Reform nicht aufgegangen. Zwar brachen die Ausgaben im Januar und Februar regelrecht ein – und zwar um 34 und 18 %. Das Minus war aus Sicht der Kassen aber lediglich eine Folge des Runs auf die Apotheken im Vorfeld der Gesundheitsreform: Viele Patienten hatten sich aus Angst vor steigenden Zuzahlungen vor dem Jahreswechsel Vorräte angelegt und dadurch die Arzneimittelausgaben im Dezember um 34 % in die Höhe getrieben.

Im März waren die Vorräte offenbar bereits verbraucht, denn die Ausgaben sanken nur noch um 1,6 %. Rechne man den Vorzieheffekt heraus, habe es im ersten Quartal statt des erwarteten Rückgangs um 12 nur einen um magere 5 % gegeben, resümieren die Kassen. In einzelnen Regionen stiegen die Ausgaben bereits wieder deutlich um bis zu 6 % an, und dies, obwohl der Rückgang der Verordnungen bei frei verkäuflichen Pillen und Salben regional unterschiedlich bei bis zu 60 % lag.

Für die Krankenkassen gibt es dafür nur eine Erklärung: Die Ärzte haben viele Medikamente, die nicht mehr zu Lasten der Kassen verordnet werden dürfen, durch teure rezeptpflichtige Präparate ersetzt, „ohne dass dies einen zusätzlichen Nutzen für die Patienten habe“. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung wies die Kritik zurück. Viele Mediziner hätten in gutem Glauben rezeptfreie Medikamente weiter verordnet, weil es Unklarheiten über die Übergangsregelung gegeben habe.

Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) warf den Kassen vor, die Ersparnis „künstlich klein zu rechnen“. Tatsächlich hätten die Ausgaben im ersten Quartal um 900 Mill. Euro unter dem Vorjahr gelegen. „Das ist der höchste Rückgang, der jemals in einem Quartal erfolgt ist, und ein Erfolg der Gesundheitsreform.“ Sie erwartet nach wie vor, dass die Arzneimittelausgaben 2004 um 3 Mrd. Euro sinken werden. Der Sozialexperte der Union, Andreas Storm, meinte, seriöse Schätzungen zur Ausgabenentwicklung seien erst nach dem ersten Halbjahr möglich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%