Arzneiverordnungsreport
Noch immer zu viele teure Pillen

Trotz des Spardrucks durch die Gesundheitsreform werden in Deutschland noch immer zu viele neue Medikamente verschrieben, die nicht wirksamer, aber teurer sind als herkömmliche Mittel.

dpa BERLIN. Dadurch entstehen unnötige Mehrausgaben, die im vergangenen Jahr 2,9 Mrd. Euro ausmachten. Ein entsprechendes „Sparpotenzial“ ermittelte der neue Arzneiverordnungsreport, der am Freitag in Berlin veröffentlicht wurde. Für das laufende Jahr zeichnet sich ungeachtet höherer Eigenbeteiligung der Patienten bei den rezeptpflichtigen Arzneimitteln ein Ausgabensprung von knapp einem Fünftel ab.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) zeigte sich über diese Entwicklung enttäuscht. Sie warf der Selbstverwaltung von Ärzten und Krankenkassen Versagen bei der Ausgabensteuerung vor und drohte mit dem Eingreifen des Gesetzgebers. Ohne Sanktionen könne man die Ausgaben nicht in den Griff bekommen. Es gebe keinen Grund, etwas zu verschreiben, „das 300 Prozent teurer ist“, wenn gleichwertige, aber deutlich preiswertere Mittel zur Verfügung stünden.

Mit Blick auf die aktuelle Entwicklung geht die Ministerin davon aus, dass die kräftigen Ausgabensteigerungen bei Medikamenten im kommenden Jahr nicht als Beitragserhöhungen der Krankenkassen durchschlagen. Diese hätten noch Einsparpotenziale, so dass es für keinen Versicherten „auch nur einen Cent“ Mehrbelastung geben müsse.

Obwohl die Ärzte zunehmend preisbewusster verschreiben, sieht der Report im Detail immer noch ungenutztes Sparpotenzial. Bei Generika, so genannten Nachahmerpräparaten, ermittelten die Autoren Ulrich Schwabe und Dieter Paffrath Wirtschaftlichkeitsreserven von 1,1 (2003: 1,45) Mrd. Euro. Bei Analogpräparaten waren es noch 1,2 (nach 2,0) Mrd. Euro. Der Rückgang beruhe darauf, dass durch die neue Arzneimittelpreisverordnung teure Präparate billiger und preiswerte Generika teurer wurden. Bei den in ihrer Wirkung umstrittenen patentgeschützten Arzneimitteln errechneten die Experten ein Einsparpotenzial von 600 Mill. Euro gegenüber 1,0 Mrd. im vorangegangenen Jahr.

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