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28.08.2008 
Monatelanger Ärzthonorarstreit beendet

Arzthonorare steigen um zehn Prozent

von Peter Thelen

Der monatelangen Streit um die Honare von Ärzten ist beendet: Gegen die Stimmen der Krankenkassen einigten sich Ärzte und der unabhängige Schlichter die Vergütung um ein Volumen von mindestens 2,5 Mrd. Euro anzuheben, bestätigten beide Verhandlungsparteien am Abend. Nun werde es für die Patienten teuer, warnen die Krankenkassen.

Der monatelange Streit um die Höhe der Honorare von Ärzten ist beendet. Nun müssen sich laut einem Vertreter der Krankenkassen die Patienten auf höhere Kosten einstellen. Foto: dpaLupe

Der monatelange Streit um die Höhe der Honorare von Ärzten ist beendet. Nun müssen sich laut einem Vertreter der Krankenkassen die Patienten auf höhere Kosten einstellen. Foto: dpa

BERLIN. Die rund 145 000 Kassenärzte und Psychotherapeuten erhalten ab 2009 deutlich höhere Vergütungen. Eine entsprechende Reform der Arzthonorare beschloss gestern das zuständige Beschlussgremium, der erweiterte Bewertungsausschuss der Ärzte und Krankenkassen nach zweitägigen Verhandlungen – allerdings gegen die Stimmen der Kassenvertreter.

„Das Ergebnis führt zu einer Gesamtbelastung von mindestens 2,5 Milliarden Euro,“ sagte der stellvertretende Vorstandschef des Spitzenverbands der Kassen Johann-Magnus von Stackelberg. „Diese massive Honorarerhöhung werden leider alle Versicherten deutlich in ihren Portemonnaies spüren.“ Die Kassen hätten dies nicht gewollt. Sie hätten sich jedoch der Mehrheit fügen müssen. Für den Kompromiss hatten neben den Ärztevertretern im Bewertungsausschuss auch der Schlichter und unabhängige Vorsitzende, der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem, gestimmt.

Dagegen lobte der Geschäftsführer der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Andreas Köhler, das Ergebnis. „Das ist heute ein wichtiger Schritt gewesen, um die flächendeckende und qualitativ hochwertige ambulante Versorgung für die Patienten auf Dauer zu sichern,“ sagte Köhler. Zugleich sei eine der wichtigsten Hürden hin zu einer leistungsgerechten Vergütung in Euro und Cent nach 20 Jahren des Einfrierens ärztlicher Honorare genommen.

Die KBV hatte ursprünglich Honorarverbesserungen von 4,5 Mrd. Euro gefordert, war aber später auf die von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) mehrfach empfohlene Größenordung von 2,5 Mrd. Euro eingeschwenkt. Sie kann sich damit als Sieger wochenlangen Auseinandersetzung mit den Kassen sehen.

Für die Ärzte bedeutet die Einigung eine durchschnittliche Einkommensverbesserung von über 10 Prozent oder rund 17 000 Euro im Jahr. Derzeit liegt der durchschnittliche Praxisüberschuss nach Betriebskosten laut statistischem Bundesamt bei rund 126 000 Euro. Dafür zahlen müssen die Versicherten: Ihr ab 2009 geltender Einheitsbeitrag zur Krankenversicherung wird um 0,25 Prozentpunkte höher ausfallen als es ohne die Honorarreform der Fall gewesen wäre. Da außerdem vom Gesetzgeber noch zusätzliche Finanzhilfen für die Krankenhäuser in Milliardenhöhe geplant sind, droht den Arbeitnehmern 2009 ein Kassenbeitrag von bis zu 16 Prozent. Aktuell liegt der Durchschnittssatz aller 215 Krankenkassen bei etwas über 14,9 Prozent.i

Ziel der Honorarreform war es, die je nach Bundesland unterschiedlichen Bezahlungsniveaus anzugleichen. Vor allem sollten die niedrigen Honorare der ostdeutschen Ärzte auf Westniveau angehoben werden. Zugleich sollte vermieden werden, dass es zu sinkenden Honoraren in Bundesländern wie Bayern kommt, wo bereits heute deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt gezahlt wird. Dies sei, so Köhler, gelungen. Allerdings würden die Honorare der ostdeutschen Mediziner nun zunächst nur auf 90 Prozent der Westniveaus angehoben. „Dies ist ein erster richtiger Schritt, kann aber nicht der letzte sein,“ sagte Köhler.

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