Aschermittwoch in Straubing
Die Wiederauferstehung des Guido „Besterwelle“

Einst schwer gescholten nutzt Westerwelle seinen Aschermittwoch-Auftritt für ein beeindruckendes Comeback. Kein Wort zu Guttenberg, dafür Schelte für Seehofer. Zur Freude der Liberalen, die ihren Guido hochleben lassen.
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StraubingDa marschiert er ein, wie ein König. Die Lederhosen-Blaskapelle in der Straubinger Fraunhofer-Halle spielt den Defiliermarsch. Rund 700 Menschen klatschen rhythmisch mit, als sich Guido Westerwelle den Weg bahnt zu seinem mit blau-weißen Bayernfahnen geschmückten Ehrenplatz. Einzelne Jubelschreie für "unseren Parteivorsitzenden, Außenminister und Vizekanzler" dringen durch den Saal. Mitten im Blitzlichtgewitter wird ein Schild in die Höhe gerissen. "Guido ist unser Besterwelle" steht darauf. "Keine Alternative zu Guido" heißt es nochmals bestärkend auf der Rückseite.

Der FDP-Chef strahlt wie die Sonne an diesem Tag in Niederbayern. Und dass obwohl es für den Weintrinker Westerwelle eher Pflicht als Kür sein dürfte, bei Bierzeltatmosphäre und mit dem Maßkrug in der Hand derbe Sprüche auf Stammtisch-Niveau zu holzen. Der Politische Aschermittwoch und Guido Westerwelle, das wollte in den vergangenen Jahren nicht recht zusammenpassen. Die Witze fielen auf Kosten der Liberalen, man gehörte nicht dazu zum traditionellen Lästerchor im Freistaat. Doch dieses Mal ist alles anders.

Langsam, gemächlich, entspannt schreitet Westerwelle in Straubing nach vorn zum Rednerpult. Noch einmal genießt er den Applaus. Bedächtig faltet er die Hände, wippt mit den Füßen auf und ab, nickt zustimmend ins Publikum. Ein selbstbewusster Staatsmann steht da, kein gehetzter Parteichef, kein unsicherer Außenminister, der mit seiner Gestik, Mimik und vorsichtigen Wortwahl in den Monaten zuvor oft mehr an einen Praktikanten im Amt erinnerte als an die Nummer zwei der Bundesregierung.

2010 noch war der Vizekanzler die Zielscheibe für Horst Seehofers Giftpfeile in der Fastenpredigt. Es ging um Westerwelles Hartz-IV-Kritik, "spätrömische Dekadenz" und "geistigen Sozialismus". Vor allem ein Spruch des CSU-Vorsitzenden erheiterte damals die Republik: "Das ist kein Tsunami, das ist nur eine Westerwelle", spottete der bayerische Ministerpräsident. Doch jetzt ist es der FDP-Chef, der sich bei bester Laune im Rampenlicht sonnt - Seehofer muss knapp 80 Kilometer weiter in Passau in Sack und Asche gehen.

"Ich habe gehört, Herr Seehofer hat gerade verkündet, er sei bereit, mich in Bayern aufzunehmen", startet Westerwelle seine Rede mit einem breiten Grinsen. Gelächter im Saal. "Und das versteht man in Bayern unter revolutionärer Integrationspolitik." Jauchzende Freudenschreie, kräftiger Applaus. Das saß. Das war die Revanche für Seehofers Tsunami-Attacke. Aber dabei soll es auch bleiben. Weiter draufschlagen auf die strauchelnde CSU? Nein, das macht Westerwelle unmissverständlich klar, das hat er nicht nötig. Auch wenn es so mancher liberale Weißwurstesser in Straubing gerne gehört hätte. Auch wenn Westerwelle selbst Genugtuung empfinden dürfte angesichts des abrupten Falls des für ihn unbequemsten CSU-Ministerkollegen.

Kommentare zu " Aschermittwoch in Straubing: Die Wiederauferstehung des Guido „Besterwelle“"

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  • Normal veranlagte Männer stehen wohl eher auf Seehofer und seinen Lügenbaron. Armes Deutschland.

  • Ach ja, den Westerwelle gibts ja auch noch... nun läßt man ihn hochleben, damit der Fall um so böser für ihn wird. Da gilt also die alte Politikerregel wieder ganz zutrefend: Die Steigerungsformen von "Feind" sind: 1. "Erzfeind" und 2. "Parteifreund".

    Klar muß er sich bemühen, attraktive Frauen in führende FDP-Positionen zu bringen, ihm können normal veranlagte Männer wohl eher nichts abgewinnen unter dem Motto: Wenn die Politik nichts taugt, dann wenigstens was fürs Auge!

  • Ich fande die rede doch garnicht so schlecht, und als Mitglied der Liberalen, war dass die rede für einen Wahlkampf auftakt!!

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