Asien-Pazifik-Ausschuss
Wirtschaft besorgt über kritische China-Debatte

In der Wirtschaft wächst die Sorge, dass eine aufgeheizte Tibet-Debatte deutsche Interessen in China gefährdet. Auslöser sind die Debatte um einen Boykott der Olympischen Spiele und mögliche Wirtschaftssanktionen – aber auch der jüngste Hinweis von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf ein mögliches erneutes Treffen mit dem Dalai Lama.

BERLIN/PEKING. Der Asien-Pazifik-Ausschuss (APA) der deutschen Wirtschaft kam deshalb am Montag zu einer vertraulichen Sondersitzung zusammen. Ausdrücklich warnte der APA-Vorsitzende Jürgen Hambrecht vor unüberlegten Schritten. „Wir setzen auf Dialog statt Boykott“, sagte der BASF-Chef dem Handelsblatt. „Einschränkungen der geschäftlichen Beziehungen würden die deutsche Wirtschaft – und damit uns alle – empfindlich in einem wichtigen Wachstumsmarkt treffen.“ Zugleich übte er vorsichtige Kritik sowohl an der chinesischen Führung als auch an der Bundesregierung. Konflikte seien nur durch Dialog zwischen den Beteiligten zu lösen. „Es ist aber wenig hilfreich, beiden Seiten Vorschriften zu machen, wer wann mit wem sprechen muss.“

CDU-Vize und Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) hatte zuvor bei ihrem Besuch in China die Forderung nach einem Treffen der chinesischen Regierung mit dem Dalai Lama noch vor den Olympischen Spielen erneuert. Wichtig sei ein eindeutiges Zeichen, „ein Bild des Dalai Lamas mit dem chinesischen Premier und dem Staatspräsidenten“, sagte Schavan in Peking. Sie ließ keinen Zweifel daran, dass ihr Vorstoß in enger Abstimmung mit der Kanzlerin erfolge.

Deutsche Konzerne fürchten mittlerweile, in der Tibet-Debatte völlig ins Visier der China-Kritiker zu geraten. So hatten etwa die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast, die Linkspartei, aber auch einzelne CDU- und SPD-Politiker bereits gefordert, statt eines Olympia-Boykotts Wirtschaftssanktionen zu diskutieren. Sponsoren wie VW oder Adidas stehen zudem unter Druck, ihre teilweise sehr großen Investitionen in das Sportereignis zu überprüfen.

Zwar setzt der APA, dem alle großen deutschen Wirtschaftsverbände angehören, darauf, dass die Bundesregierung Sanktionen verhindern wird. Aber die Angst vor „weichen“ Schäden ist groß: So sorgt man sich, dass die chinesische Führung Aufträge für Großprojekte in andere, weniger kritische Länder vergeben könnte. Zum anderen fürchten Firmen einen Imageverlust der bisher sehr populären deutschen Waren bei chinesischen Konsumenten. Denn die Dauerkritik fördere eine nationalistischere Haltung in China, heißt es etwa beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

Angesichts der wachsenden ökonomischen Bedeutung des Landes wird dies als erhebliche Gefahr angesehen. So sind die deutschen Exporte nach China im vergangenen Jahr erneut um 9,4 Prozent auf 54 Mrd. Euro gestiegen. Die mehr als 3 000 deutschen Firmen in China investierten 2007 nach Angaben der Bundesbank erneut 1,5 Mrd. Euro.

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