_

Atom-Laufzeiten: Röttgen und Brüderle - ein Gutachten, zwei Meinungen

Dasselbe Gutachten, unterschiedliche Interpretationen: Die Minister für Umwelt, Röttgen, und Wirtschaft, Brüderle, haben auch am Montag bei der gemeinsamen Vorstellung von Energieszenarien keine einheitliche Linie bei der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke gezeigt. Kanzlerin Merkel hat sich jedenfalls noch nicht festgelegt.

Die Minister Röttgen (l.) und Brüderle bei der Vorstellung des Atom-Gutachtens. Quelle: APN
Die Minister Röttgen (l.) und Brüderle bei der Vorstellung des Atom-Gutachtens. Quelle: APN

HB BERLIN. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat sich für eine lange Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke ausgesprochen. „Insgesamt ist der volkswirtschaftliche Nutzen bei einer Laufzeitverlängerung zwischen zwölf und 20 Jahren am größten“, sagte Brüderle bei der gemeinsamen Vorstellung der Energieszenarien mit Umweltminister Norbert Röttgen (CDU).

Anzeige

Das Gutachten habe ergeben, dass eine Verlängerung um zwölf bis 20 Jahre auch die größeren Einsparungen bei den Treibhausgasen und einen niedrigen Strompreis garantierten.

Röttgen betonte allerdings, dass das Gutachten keine Aussagen zu den gesamtwirtschaftlichen Nutzen einer Laufzeitverlängerung mache. Vielmehr zeige die Expertise, dass die verschiedenen Längen der Laufzeiten für die Zeit bis 2050 nur minimale Veränderungen bei den Zielen der Bundesregierung wie Strompreis, Versorgungssicherheit und Klimaschutzzielen ergäben.

Das Gutachten ist eine Grundlage für die Entscheidung der Bundesregierung über die Dauer der Laufzeitenverlängerung, die für Ende September angekündigt ist.

Noch gibt es aber keine einheitliche Linie. Auch der von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) genannte Zeitraum von 10 bis 15 Jahren entspricht noch keiner Entscheidung. Regierungssprecher Steffen Seibert stellte am Montag in Berlin klar, dass die CDU-Chefin diese Spanne zwar genannt, sie aber nur fachlich begründet und noch nicht politisch festgezurrt habe. „Die Kanzlerin hat gestern nicht geurteilt: 10 bis 15 Jahre“, sagte Seibert.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU), der eine Laufzeitverlängerung von mindestens 15 Jahren will, erklärte, er könne mit dem, was Merkel gesagt habe, gut leben. Die Bundesregierung gehe in die richtige Richtung. Die Opposition im Bundestag warf Merkel Lobby-Politik vor.

Merkel hatte am Sonntag in der ARD gesagt: „Fachlich 10 bis 15 Jahre ist vernünftig.“ Seibert erklärte, dass dies Merkels inhaltliche Analyse der vorliegenden Szenarien und Empfehlungen der Gutachter sei. „Im selben Atemzug“ habe sie aber angekündigt, für ihre politische Entscheidung weitere Kriterien zu berücksichtigen.

  • 30.08.2010, 21:26 UhrAnonymer Benutzer: Tom

    @ Max
    es gibt grünen ,gelben,weißen und was weiss ich für Stromanbieter, aber billigen Atomstrom verkauft keiner. Da hat sich die Energiewirtschaft rausgehalten, warum eigentlich? Dann hätte man doch eine echte Abstimmung über Abnehmer!
    ------------------------------------
    Gute idee ! Wenn mir ein fester Preis für Elektroenergie garantiert würde, für den Zeitraum in dem Ein KKW Energie produziert , würde ich natürlich für diese 20 - 30 -oder 40 Jahre einen Vertrag machen !Auch ohne Ausstiegsklausel !!!
    ...............................................
    Haben Sie einen Link für ihre Aussagen zum Gutachten? bitte hier posten. Das Gutachten würde mich im Wortlaut sehr interessieren.
    D. Thieme
    Nein , der genaue Wortlaut ist momentan nicht verfügbar , Auszüge ( auf die ich mich berufen darf )finden sie in der RP online und im Focus .

  • 30.08.2010, 20:20 UhrAnonymer Benutzer: Max

    es gibt grünen ,gelben,weißen und was weiss ich für Stromanbieter, aber billigen Atomstrom verkauft keiner. Da hat sich die Energiewirtschaft rausgehalten, warum eigentlich? Dann hätte man doch eine echte Abstimmung über Abnehmer!

  • 30.08.2010, 19:55 UhrAnonymer Benutzer: Stromfetischist

    Nun zeigt sich, dass in Deutschland die jahrelange Volksverdummung wirksam war. Denken doch die meisten Menschen, dass wir allein durch die sogenannten "Erneuerbaren Energien" unseren Strombedarf decken können. Jetzt rächt es sich, dass diese Volksverdummung durch unsere Politiker gesteuert wurde, um den Ausbau der Wind- und Solarindustrie einseitig voranzutreiben. Denn Fakt ist, dass Deutschland ohne herkömmliche Kraftwerke den Energiebedarf der industrie nicht mehr decken kann. Ein Herr Gabriel ist so Unglaubwürdig. Sollte man ihn doch mal regieren lassen. Er würde nach nicht mal 2 Monaten von seinem Standpunkt abrücken, dass die AKW's abgeschaltet werden sollen. Davon würden die Wirtschaftsbosse auch den roten Pausbacken-Politiker der SPD überzeugen. Aber insgeheim weiß er das auch. Er will nur schonmal vorausschauend auf Stimmenfang gehen. Frau Merkel wäre besser beraten gewesen, schon längst mal die Wahrheit über den Ökoenergien-Zauber auf den Tisch zu legen. Soll sie doch einfach zugeben, dass sie die Solarenergie fördert um die Solaranlagenindustrie und die Handwerksbetriebe zu pushen. Aber dann sollte sie auch zugeben, dass es nunmal nicht nur mit Solar- oder Windenergie geht.

  • Die aktuellen Top-Themen
Wüstenrot-Studie: Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Rund 44 Prozent der Deutschen halten die Preise für Häuser und Wohnungen für deutlich überhöht. Sie fürchten sich vor einer Immobilienblase. Vor allem die Bürger eines Bundeslandes sind besonders skeptisch.

Weltwirtschaftswachstum: EU rüffelt China, Japan und die USA

EU rüffelt China, Japan und die USA

EU-Kommissionspräsident Barroso und Ratspräsident Van Rompuy fordern, dass alle G20-Länder das Weltwirtschaftswachstum fördern. Europa sei seiner Verantwortung nachgekommen, hieß es, jetzt seien die anderen dran.

Erzieher-Mangel: Kommunen wollen Ungelernte in Kitas einsetzen

Kommunen wollen Ungelernte in Kitas einsetzen

Ab dem nächsten Jahr haben Eltern ein Recht auf einen Kita-Platz. Doch vielerorts fehlen die Erzieher. Städte und Gemeinden erwägen, ungelernte Hilfskräfte einzusetzen. Eine Katastrophe, meint der Kinderschutzbund.