Atom-Laufzeiten
Union und FDP verzögern Atomausstieg

Umwelt- und Wirtschaftsexperten von Union und Liberalen haben sich nach FDP-Angaben grundsätzlich über längere Laufzeiten für sichere Atomkraftwerke verständigt. Der großen Koalitionsrunde werde vorgeschlagen, diesen Grundsatz im Koalitionsvertrag festzuschreiben, sagte die FDP-Energieexpertin Gudrun Kopp am Donnerstag der Agentur dpa in Berlin.
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HB BERLIN. Konkrete Angaben wie Jahreszahlen oder Ausgleichszahlungen der Atomkonzerne sollen im Vertrag aber nicht genannt werden. Kopp sagte, die Energie- und Umweltfachleute von Union und FDP hätten sich über den grundsätzlichen Passus für längere Laufzeiten geeinigt. „Da besteht Einvernehmen. In der Ausgestaltung der Bedingungen gibt es aber noch Differenzen.“ Unabhängig von der Atomfrage will die schwarz-gelbe Koalition spätestens innerhalb eines Jahres ein umfassendes Energiekonzept für Deutschland vorlegen.

Umweltschützer und Energieexperten warnten die neue Koalition vor einer „völligen Freigabe“ von Laufzeiten für Atomkraftwerke. „Damit nimmt Bundeskanzlerin Angela Merkel zusätzliche Gefahren für die Bevölkerung in Kauf und gefährdet den Ausbau der erneuerbaren Energien“, erklärte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am Donnerstag in einer ersten Bewertung der Pläne von Schwarz- Gelb. Sollten die erneuerbaren Energien durch die neue Koalition benachteiligt werden, gefährde dies auch eine große Zahl künftiger Arbeitsplätze, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Derzeit arbeiteten in Deutschland 280 000 Menschen in diesem Bereich.

Die These von Union und FDP, die Atomkraft sei als „Brückentechnologie“ unverzichtbar, wies der Wissenschaftler Uwe Leprich vom Saarbrücker Institut für Zukunftsenergiesysteme (IZES) zurück. Auch beim geplanten Ausstieg aus der Atomenergie gebe es keinerlei Versorgungsprobleme. Das zeigten alle Zahlen, die von der Bundesregierung veröffentlicht wurden. Leprich forderte verstärkte Investitionsanreize zum Bau klimaschonender Kraft-Wärme-gekoppelter Energieanlagen und zur besseren Integration erneuerbarer Energien in die Stromnetze. Diese müssten zur Auflösung der monopolartigen Strukturen unabhängig von den Energieerzeugern bewirtschaftet werden.

Bei geeigneten politischen Rahmenbedingungen lässt sich nach Ansicht Leprichs der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion von derzeit 15 Prozent auf mindestens 40 Prozent im Jahr 2020 steigern. Diese Entwicklung werde zwangläufig von der zentralistischen Struktur der Großkraftwerke wegführen.

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