Atom-Outing: Brüderles Ehrlichkeit ist nicht gefragt

Atom-Outing
Brüderles Ehrlichkeit ist nicht gefragt

Rainer Brüderle hat wahres ausgesprochen und bezieht dafür Prügel. Das ist ungerecht. Das Kommunikationsdesaster in der Atompolitik haben andere verbockt. Ein Kommentar von Thomas Sigmund
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Das Guttenberg-Gewitter ist noch nicht verzogen, da grollt es schon wieder in Berlin. Auch diesmal geht es um die Ehrlichkeit in der Politik. Rainer Brüderle hat jedoch weder eine Doktorarbeit gefälscht noch die Unwahrheit gesagt. Der Bundeswirtschaftsminister hat lediglich klipp und klar seine Meinung zur Stilllegung der sieben Atommeiler geäußert. Ehrlichkeit ja, eine unbequeme Wahrheit, und das auch noch zur falschen Zeit. Für all den Spott der Opposition und den Ärger aus den eigenen Reihen ist Brüderle deshalb der falsche Adressat.

Reingeritten in das Kommunikationsdesaster der Atompolitik haben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Außenminister Guido Westerwelle ohne sein Dazutun. Den halsbrecherischen Schwenk mit dem dreimonatigen Atommoratorium haben Merkel und Westerwelle selbst ihre eigenen Parteien nicht abgenommen. Noch weniger konnte der Wähler die Volten mehr nachvollziehen. Wieder einmal wird also der Überbringer einer ehrlichen Botschaft geknüppelt.

Wenn am Sonntag die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz für Union und FDP schiefgehen, müssen sich Merkel und Westerwelle an die eigene Nase fassen. Nicht die rar gewordene Ehrlichkeit eines Politikers, sondern die eigenen Wahlkampfmanöver wären für einen Absturz der Koalition verantwortlich. Dabei war doch längst absehbar, dass die Bundesregierung ihre wechselnden Botschaften nicht mehr vermitteln konnte.

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  • Ist es nicht bezeichnend, daß die Meldungen zu den Brüderle Aussagen erst gestern, vier Tage vor den wichtigsten Wahlen des Jahres, erscheinen? Wäre es absurd zu denken die Redakteure einiger Zeitungen hätten vielleicht den günstigsten Moment gesucht das Abstimmungsergebnis am kommenden Sonntag in Ihrem sinne zu beeinflussen?

    Alexander Sorg

  • Dass wir von Politikern normalerweise nur belogen werden ist Alltag geworden. Aber haben nicht die Medien die Aufgabe die Wahrheit zu verbreiten? Vielleicht wäre die politische Klasse garnicht so verkommen, wenn die Medien mehr Aufklärungsarbeit leisten würden. Stattdessen geben sie nur das wieder, was die Politik vorgibt. Endlich sagt ein Politiker mal die Wahrheit, die jeder halbwegs Intelligente längst schon kennt. Die Medien sollten sich schämen, dass sie jetzt durch diesen Politiker bloßgestellt wurden. Das Fernsehen verdonnert Sendungen, die die Wahrheit über unsere Politiker zeigt ins Spätprogramm und begrenzt die Sendezeit auf ein Minimum. Zeitungen drucken die vorformulierten Artikel aus Berlin direkt ab. Ohne jede Kritik, ohne Richtigstellung und ohne den Wahrheitsgehalt zu prüfen. Das was Brüderle gesagt hat, hätte jede Zeitung schon längst abdrucken können. Da scheint es aber leider auch nur noch Politikerhörige zu geben. Wie in der DDR ist es hier schon geworden. Politiker lügen und nutzen die Medien als Werkzeug. Das Volk bildet sich seine eigene Meinung. Jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass das Rumoren herausbricht. Dann kann es endlich wieder aufwärts gehen mit Deutschland.

  • Eigentlich fehlen Sie doch, die Politiker mit Vorbildfunktion.

    Vernunft läßt sich nicht beugen (Flexion) - die muss von jedem selbst kommen.

    Aber es wäre doch schön, wenn mal ein Politiker anfängt ehrlich zu sein. Vielleicht brauchen wir mehr von dieser Kultur. Vernünftig, ehrlich, fair, unangreifbar - dann klappts auch mit dem Nachbarn, oder Volk.

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