Atom-Transport
Scharmützel um den Castor

Immer wieder kommt es zu Verzögerungen des Castor-Transports nach Gorleben. In Dannenberg haben Zehntausende friedlich protestiert. An anderer Stelle kam es zu heftigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten.
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Gorleben/DannenbergVor dem Eintreffen des Castor-Transports mit Atommüll für das Zwischenlager Gorleben ist es am Samstagnachmittag im niedersächsischen Wendland erneut zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei gekommen. Mehrere hundert Menschen versuchten, in einem Waldgebiet auf die Castor-Schienenstrecke zu gelangen. Sie sollen Gleise beschädigt haben.

Nach Angaben von Augenzeugen setzte die Polizei Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Dabei habe es Verletzte gegeben. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur dpa berichtete, die Beamten hätten auch Journalisten mit Reizmitteln angegriffen.

Unterdessen protestierten zehntausende Atomkraftgegner aus ganz Deutschland und mehr als 400 Bauern mit Traktoren in Dannenberg. Bislang verlief die Großdemonstration friedlich. Die Vorsitzende der Bürgerinitiative (BI) Lüchow-Dannenberg, Kerstin Rudek, sprach von 23.000 Menschen auf dem Kundgebungsplatz und zeitgleich 2.500 Protestlern an der Bahnstrecke von Lüneburg nach Dannenberg. Die Polizei zählte „maximal 8000 Demonstranten“ in Dannenberg.

Die Demonstranten bildeten auf dem Kundgebungsplatz mit gelben Tüchern ein großes „X“, das Protestsymbol gegen Atommülltransporte ins Zwischenlager Gorleben. Anders als bei der Großkundgebung gegen den Castor-Transport des vergangenen Jahres waren kaum Fahnen von Parteien oder Gewerkschaften zu sehen.

Der Vorsitzende des BUND, Hubert Weiger, kritisierte den beschlossenen Atomausstieg als zu zögerlich. „Wir werden nicht hinnehmen, dass bis 2022 Atomkraftwerke laufen sollen“, sagte er. Weiger dankte den AKW-Gegnern aus dem Wendland für ihr Engagement: „Ohne euren Einsatz wäre die Bundesregierung nicht gezwungen gewesen, die Laufzeitverlängerung zurückzunehmen“, sagte er.

Die Japanerin Kanako Nishikata berichtete den Demonstranten über die Folgen der Atomkatastrophe von Fukushima für ihre Familie. Sie schilderte, wie sie mit ihren Kindern in geschlossenen Räumen und hinter Atemmasken leben musste, ohne dass die Kinder zum Spielen nach draußen konnten.

Kommentare zu " Atom-Transport: Scharmützel um den Castor"

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  • @arminharald:
    Der Transport wird ja so lange wie möglich geheim gehalten, ebenso wie die Route, die gefahren wird. Aber leider, leider ist es nicht möglich, so etwas komplett im Geheimen durchzuführen...
    Wie schon gesagt: Der ganze zusätzliche Aufwand sollte von den Demonstranten getragen werden. Wenn ich einen Autounfall habe und danach die Straße gekehrt wird, muss ich das ja auch zahlen.

  • Warum werden eigentlich die Castor Transporte veröffentlicht?

    Will man bewußt die Gegner, denen auch keine gescheite Lösung einfällt, zu Demos herausfordern?

    Natürlich ist Gorleben auch keine endgültige Lösung der Endlagerung vom Atommüll, aber wer bietet in Deutschland eine bessere Lagerstätte ohne Protestpotential an?

    Ich hätte mich schon längst mit den Russen zusammengesetzt und geeinigt, den Mist in Tschernobil zu lagern, und dort gemeinsam eine Endlagerstätte errichtet!

  • "Das die Einsatzpolizei mittlerweile zum erheblichen Teil aus scharfgemachten Skinheads besteht ist genausowenig neu wie die Sonderabteilung, die sie von Zwickau aus mordend durchs Land ziehen ließ."

    Oh je, klarer Fall einer schweren Psychose!

    "Ihr 3 seit aber auch von den allerletzten Doofen…"

    Manche schließen von sich auf andere!

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