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Atomausstieg: Ein Alt-AKW bleibt wohl am Netz

Trotz des beschlossenen Atomausstiegs wird in Deutschland wohl ein Alt-Reaktor zunächst als Reserve am Netz bleiben.

Eine durch das Abendlicht erleuchtete Dampfwolke steigt aus dem Kernkraftwerk Isar. Quelle: dpa
Eine durch das Abendlicht erleuchtete Dampfwolke steigt aus dem Kernkraftwerk Isar. Quelle: dpa

BerlinDie Bundesnetzagentur deutete am Dienstag an, dass eine Stromlücke in den kommenden Wintern nur mit Hilfe eines Atomkraftwerkes in Süddeutschland abgefangen werden könne.

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Die Netzagentur hat von Regierung und Parlament den Auftrag erhalten, nach Alternativen für ein Atomkraftwerk zu suchen. Sowohl die Netzfirmen als auch die Netzagentur haben vor einem Stromausfall in den nächsten beiden Wintern in Süddeutschland gewarnt, wenn alle sieben Altmeiler abgeschaltet blieben.

„Die Zahlen, die uns bislang vorliegen, sprechen eher dafür, dass wir eines dieser Kernkraftwerke benötigen werden“, sagte Netzagentur-Chef Matthias Kurth bei einer Energiekonferenz in Berlin. „Denn die vielbeschworene fossile Kaltreserve hat sich bislang nicht als tragfähige Option entpuppt.“ Mögliche andere Anlagen wie das Öl-Kraftwerk Pleinting in Bayern könnten kurzfristig nicht reaktiviert werden. Die Reserve wird als Sicherheit für die Winter 2011/2012 und 2012/2013 benötigt, wenn wenig Ökostrom eingespeist wird und der Verbrauch hoch ist. Danach wird mit ausreichend neuen Kohle- und Gaskraftwerken gerechnet. Bis August will die Netzagentur eine Entscheidung über die Reserve treffen. Dann soll auch festgelegt werden, welches süddeutsche AKW weiter betriebsbereit gehalten werden soll. Die Kosten dafür werden voraussichtlich alle Verbraucher über die sogenannte Netzumlage in ihren Stromrechnungen zahlen müssen.

Kurth machte weiter deutlich, dass er staatliche Anreize zum Bau neuer Gaskraftwerke für möglich halte. So könnte die nötige Produktion von Stromkapazitäten per Ausschreibung an den günstigsten Bieter vergeben werden. „Der Wettbewerb ist damit nicht am Ende, wir brauchen nur Kreativität“, hielt Kurth Kritikern entgegen, die von einer Verstaatlichung des Energiemarktes sprechen.

Hintergrund der Debatte ist der steigende Anteil von schwankendem Ökostrom, der über Gaskraftwerke ausgeglichen werden soll. Da diese Anlagen dann aber nur vergleichsweise wenige Stunden laufen werden, gelten Investitionen als wenig lukrativ. Im Herbst wollen Bundesregierung und Parlament entscheiden, ob ein solcher sogenannter Kapazitätsmarkt nötig ist.

Der Ökostrom-Anteil soll von derzeit rund 17 Prozent auf durchschnittlich gut 35 Prozent im Jahr 2020 gesteigert werden. Kurth zufolge würde dies bedeuten, dass zumindest an einigen Tagen der komplette deutsche Strombedarf aus Wind, Sonne oder Biomasse gedeckt werden könne.

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