Atomkraft-Diskussion
Röttgens Kritik spaltet Unions-Wirtschaftsflügel

Norbert Röttgen, der neue Umweltminister provoziert: Bleibt es letztlich doch beim Atomausstieg? Beim Wirtschaftsflügel der Union stoßen seine atomkritischen Äußerungenauf ein geteiltes Echo und werfen ihm vor, sich weit über das im Koalitionsvertrag abgesteckte Terrain hinauszubewegen.
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BERLIN. Die atomkritischen Äußerungen von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) stoßen beim Wirtschaftsflügel der Union auf ein geteiltes Echo. „Als verantwortliche Politiker haben wir die Verpflichtung, ein langfristiges, verlässliches Energiekonzept zu erarbeiten“, sagte CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich dem Handelsblatt. „Darin ist die Kernenergie derzeit unverzichtbar. Dies ist eine Tatsache, an der noch nicht einmal Minister vorbeikommen.“ Es gehe darum, eine sichere Energieversorgung zu bezahlbaren Preisen für die Bürger und die Verarbeitende Industrie zu sichern. „In der Bevölkerung ist die Zustimmung zur Kernenergie je nach aktuellem Energiepreisniveau mal höher und mal geringer“, so Friedrich.

Ähnlich äußerte sich der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer. Die Unions-Politiker reagierten damit auf ein Interview Röttgens. Der Umweltminister hatte auf die Frage, ob die Koalition den im Jahr 2000 von SPD und Grünen mit den Stromkonzernen vereinbarten Ausstieg kippen könne, gesagt: „Nein. Kernenergie kann man auf Dauer nur nutzen, wenn eine Mehrheit der Menschen sie akzeptiert.“

Damit setzt Röttgen deutlich andere Akzente als Teile des Wirtschaftsflügels seiner Partei. Langfristig baut er auf einen kompletten Umstieg auf Erneuerbare Energien. Wirtschaftspolitiker in der Unions-Fraktionsspitze werfen Röttgen vor, sich damit weit über das im Koalitionsvertrag abgesteckte Terrain hinauszubewegen. In dem Papier haben sich Union und FDP zu längeren Laufzeiten für Kernkraftwerke bekannt. Die Vereinbarung zum Atomausstieg sieht vor, die letzten Meiler 2022 vom Netz zu nehmen. Die Laufzeiten älterer Kraftwerke wie Neckarwestheim I enden bereits im Frühjahr 2010.

Unterstützung erhielt Röttgen vom CSU-Energieexperten Georg Nüßlein: Der Umweltminister habe recht, wenn er die Verhandlungsposition der Politik gegenüber den Energieversorgern stärke. Die Laufzeitverlängerung sei kein Selbstläufer, sagte Nüßlein. „Angesichts der ablehnenden Haltung der Bevölkerung tun wir uns das nur an, wenn die Konditionen beim Vorteilsausgleich stimmen.“

Kommentare zu " Atomkraft-Diskussion: Röttgens Kritik spaltet Unions-Wirtschaftsflügel"

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  • Eon und Vattenfall bauen in Schweden das Endlager für den Atommüll in der Nähe des Kernkraftwerkes Forsmark nördlich von Stockholm. Leider wird darüber in Deutschland nicht berichtet, da das Endlager Gorleben genehmigt ist und billiger in Salz gelagert werden soll. Atommüll ist aber auch schon in Russland gelagert. Es ist von Frankreich nach Russland transportiert worden. So werden in USA und Frankreich usw. überall Endlager gebaut. Nur grüne Gefühlsgutmenschen wissen es noch nicht.

  • wir brauchen keine tagträumer ! was wir jedoch brauchen ist eine sichere, zuverlässige, und der nachfrage deckende energieversorgung unseres landes . wir wollen elektroautos bauen und fahren, wir wollen unsere industrie erhalten, wir wollen alle auch in zukunft arbeit haben und geldverdienen. unsere kinder verbrauchen heute ein vielfaches an elektroenergie als zu unserer zeit in dem alter, was sie also wollen ist eindeutig !!! keiner wird ernsthaft behaupten wollen das ee zuverlässig oder gar der nachfrage deckend arbeiten. wieviele windkraftanlagen müsste allein frankreich bauen um seine 60 kernkraftwerke zu ersetzen ?

  • Erneuerbare Energien sind in Deutschland alternativlos. Sie schaffen mehr Jobs als es Atomkraft je konnte und sind langfristig nicht nur überlebenswichtig (CO²) sondern auch günstig. Das Erneuerbare Energiengesetzt liefert dafür anschaulich den beweis.

    Atomreaktoren die erst 7 Minuten vor der beginnenden Kernschmelze gestoppt werden könnne ( Vattenfall /Schweden 2008), volllaufende angebliche Endlager und noch nicht vorhandene Endlager (Endlager, die wenn gefunden für 1 Mill. Jahre Kosten verursachen werden) zeigen nur die Fahrlässigkeit der Atomkraft befürworter.

    Die nicht Anerkenntnis wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Raelitäten war immer ein Privileg des deutschen (internationalen) Konservatismus, es ist gut das Umweltminister Röttgen den Mut hat sich gegen diesen Wahnsinn zu stemmen.

    Hut ab.

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