Atomkraft
Merkel ist „zornig“ auf Vattenfall

Eigentlich ist sie ja für Atomkraft und das Wohl der Versorger liegt Bundeskanzlerin Angela Merkel scheinbar am Herzen. Doch die Vorfälle im Atomkraftwerk Krümmel passen ihr so gar nicht in den Wahlkampf-Kram. Da wundert es nicht, dass Merkel den Betreiber Vattenfall mit ungewohnt scharfen Worten attackiert.

HB HAMBURG/BERLIN. Nach den Pannen im Kernkraftwerk Krümmel hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das Krisenmanagement des Energiekonzerns Vattenfall scharf kritisiert. „Es kann einem schon der Zorn ins Gesicht steigen“, sagte Merkel am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“. Sie sei „sehr, sehr unzufrieden“ mit der Situation, dass es auch nach zwei Jahren Reparaturen an dem Atommeiler wieder zu Zwischenfällen gekommen sei.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) legte den Verbrauchern einen Wechsel des Stromanbieters nahe. Er will damit Druck auf den schwedischen Kraftwerksbetreiber ausüben, den abgeschalteten Atommeiler im norddeutschen Geesthacht nicht wieder ans Netz zu nehmen. „Vattenfall sollte nicht ernsthaft auf die Idee kommen, Krümmel wieder hochzufahren“, sagte der Umweltminister dem „Hamburger Abendblatt“ (Samstag). Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) forderte die Bürger am Sonntag auf: „Jetzt zu Ökostrom wechseln.“

Eigene Untersuchungen widerlegten „die Propagandalüge“, Atomstrom sei für Kunden billiger als Kohle- und Ökostrom, sagte DUH- Geschäftsführer Rainer Baake. Das Gegenteil sei richtig. „Deutsche Haushalte müssen statistisch umso mehr für ihren Strom bezahlen, je größer der Anteil aus Kernkraftwerken im Strommix (neben Öko- und Kohlestrom) ist.“ Das gelte unabhängig davon, ob 1000, 3000 oder auch 5000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht würden. 1000 Kilowattstunden entsprechen etwa dem Bedarf eines Single-Haushalts. Überraschend sei der eindeutige Preistrend. Je nach Anbieter und Tarif schwankten die Kosten jedoch erheblich.

Merkel räumte ein, dass die große Koalition beim Thema Atommüll keine Fortschritte erzielt habe. „Die Endlagerfrage ist leider ungeklärt.“ Sie warf Gabriel und anderen Gegnern der Atomkraft vor, den Ausbau des Zwischenlagers Gorleben zum Endlager durch die Suche nach Alternativen zu verzögern. „Wir hätten weit kommen können, wenn der Umweltminister es gewollt hätte“, sagte Merkel in der ARD.

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