Atomkraftwerke als Angriffsziel
„Es gibt große Defizite beim Anti-Terror-Schutz“

Eine „schmutzige Bombe“ in Händen von Terroristen – das war das Schreckensszenario beim Anti-Terror-Gipfel in Den Haag. Experten sehen jedoch eine andere Gefahr – und zweifeln am Schutz der deutschen AKW vor Angriffen.
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DüsseldorfEs war ein Treffen der Superlative: Staats- und Regierungschefs aus mehr als 50 Ländern haben in der vergangenen Woche in Den Haag getagt. Ihr Thema: Die nukleare Sicherheit. Angetrieben aus Sorge vor Terroranschlägen mit radioaktiven Stoffen. Eine Erkenntnis ist, dass noch immer das Risiko besteht, dass Diebe eine „schmutzige Bombe“ – also radioaktiv strahlendes Material mit einem Sprengsatz versehen – in die Hände bekommen.

Doch was ist mit dem umgekehrten Fall? Wenn Terroristen die Lagerstätten von nuklearem Material attackieren? Für Experten ist dieses Szenario mindestens ebenso brisant – und geht in Debatten wie in Den Haag völlig unter. „In anderen Ländern wird die Gefahr von Terror-Angriffen auf Atomkraftwerke noch weitgehend ignoriert“, sagt Heinz Smital, Atom-Experte bei Greenpeace, Handelsblatt Online.

Dabei hat der Al-Kaida-Anschlag vom 11. September 2001 auf die Türme des World Trade Center in New York der Welt vor Augen geführt, wie solche Angriffe aussehen könnten. Was, wenn ein solches Flugzeug in ein Atomkraftwerk stürzen würde? Im Worst-Case-Szenario reißt die Turbinenwelle, die wie ein Geschoss wirkt, ein Loch in den Meiler-Mantel. Durch die Öffnung wiederum dringt Kerosin ein – was zu einem Brand im Reaktorinneren führen würde.

In Deutschland drängt die Frage, wie auf Angriffe mit einem „Flugzeug als Waffe“ zu reagieren ist, spätestens nach dem Januar 2003. Damals versetzte ein Pilot, der in einem entführten Kleinflugzeug über den Frankfurter Bankentürme kreiste, die Republik in Aufregung. Das Problem: „Alle Untersuchungen, die als Folge des 11. September 2001 angestellt wurden, haben gezeigt, dass die Atomkraftwerke nicht gegen den Absturz eines großen Passagierflugzeugs geschützt sind“, sagt Smital. „Bis heute gibt es kein Konzept dagegen.“

Ausgelegt wurden die Meiler beim Bau für den Absturz von Kleinmaschinen und Militärjets. Weil Bundeswehr-Piloten sich bei ihren Flügen über deutsche Landen gerne an den runden Kuppeln orientierten, wurde dieses Unglücksszenario in die Überlegungen einbezogen. Ein vorsätzlich herbeigeführter Absturz war damals kein Thema.

Nach den Ereignissen von New York und Frankfurt wurden für Deutschland drei Sofortmaßnahmen überlegt. Erstens sollte eine Maschine die AKW im Notfall vernebeln, sobald sich ein entführtes Flugzeug nähert. Zweitens sollte das GPS-Signal gestört werden, um ein gezieltes Ansteuern zu erschweren. Und drittens – in letzter Konsequenz – sollte das Flugzeug zum Abschuss freigegeben werden.

Doch das Bundesverfassungsgericht bremste die Anti-Terror-Kämpfer aus. Die Richter kippten das Luftsicherheitsgesetz in einem zentralen Punkt: Die Abschussermächtigung verstoße gegen die Grundrechte auf Menschenwürde und Leben, hieß es in der Urteilsbegründung.

Kommentare zu " Atomkraftwerke als Angriffsziel: „Es gibt große Defizite beim Anti-Terror-Schutz“"

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  • Der Artikel ist sehr einseitig geschrieben und stützt sich hauptsächlich auf Greenpeace-Aussagen. Man muss dazu wissen, dass von Greenpeace noch nie etwas richtiges über Kernkraftwerke geschrieben oder gesagt wurde.
    Man redet ja geradezu einen Angriff mit Flugzeugen auf Kernkraftwerke herbei. Das mit der Turbinenwelle ist bekannt, die liegt bei einem Militärflugzeug meist in der Mitte und ist schnell und groß. Dagegen sind die Betonhüllen ausgelegt. Ein Verkehrsflugzeug kann solche kleinen Ziele wie Kernkraftwerke gar nicht so anfliegen, dass eine Turbinenwelle senkrecht auf die Kuppel (Druckwasserreaktor) trifft und Schaden anrichtet. Schräges Auftreffen ist quasi harmlos. Ansonsten ist so ein Flugzeug eine sehr weiche Struktur, die sich zerlegt und den Impuls gar nicht so in das Bauwerk einleiten kann. In New York war das anders, riesige Türme, in die man locker fliegen und steckenbleiben kann. Brennt Kerosin außerhalb eines Gebäudes, kann man löschen. Dringt es z.B. in einen Druckwasserreaktor-Gebäude ein, so gibt es innen ja auch noch eine Stahlkugel, die nicht unbedingt kaputt sein muss oder höchstens ein kleines Loch hat. Dann passiert fast gar nichts. Auch innerhalb der Kugel gibt es noch sehr viel Beton, bevor irgendetwas den Reaktor erreicht.
    Brennelemente lagern in deutschen Anlagen nicht, wie häufig im Ausland, in Brennstoffgebäuden, sondern im Reaktorgebäude oder eben in Lagerbehältern (CASTOR), die dann in einem Zwischenlager stehen. Die Behälter sind so stabil, dass ein Aufprall mit einem Flugzeug keinen Schaden anrichtet. Das Gebäude ist unwichtig - hat die Genehmigungsbehörde betrachtet und bewertet. Gegen lange Brände gibt es Maßnahmen. Man tut ja oft so, als gäbe es niemanden, der Terroristen oder Feuer Einhalt gebietet. Schon mal etwas von Feuerwehr gehört? Auch der Fall, dass Behälter doch Schaden nehmen sollten, wurde untersucht.
    Wichtig ist die Terroristenbekämpfung im Vorfeld und im Ernstfall, dass Not kein Gebot kennt.

  • Wieder so ein Aufmacher, der den dummen Schafen vor Augen führen soll, dass noch strengere Kontrollen und Sicherheitsmaßnahmen zu noch mehr Sicherheit führen.
    Und tatsächlich gibt es auch hier wieder Kommentare, die das ebenfalls einfordern.
    Genau das Gegenteil ist der Fall. Die Bewegungs-Freiheit der Bürger wird dadurch weiter eingeschränkt. Die Gängelei durch Behörden und Sicherheitskräfte nimmt zu, Aggressionen gegen eine ungerechte Behandlung stauen sich auf und schon wird ein vormals unbescholtener Bürger wegen eines Wortgefechts kurz entschlossen weggesperrt. Wo soll das hinführen?
    Das Leben ist nun mal ein Risiko. Wer damit nicht klar kommt, soll sich doch einen Strick nehmen oder von der Brücke springen und sich so von seinen Phobien befreien.
    Je ungerechter die Welt aufgeteilt wird, desto größer das Risiko, eines gewaltsamen Todes durch die Hand eines Strolches oder durch staatliche Gewalt.

  • ist. Die dringend gebotene Aufarbeitung der Ereignisse ist jedoch vom US-Imperium, seinen Vasallenstaaten sowie den gleichgeschalteten Konzern- u. Staatsmedien nicht gewünscht und wurde bisher erfolgreich unterdrückt.

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