Atommüll: Blockaden halten Castor-Transport nicht auf

Atommüll
Blockaden halten Castor-Transport nicht auf

Der Castor-Transport rollt weiter in Richtung Lubmin. In der Nacht erreichte er Mecklenburg-Vorpommern. Mit Sitzblockaden und andere Aktionen versuchen Atomkraftgegner den Zug aufzuhalten.
  • 0

Karlsruhe/LubminGesichert von einem massiven Polizeiaufgebot ist der Castor-Transport mit Atommüll aus Karlsruhe am Mittwoch in Richtung Zwischenlager Lubmin gerollt.

Atomkraftgegner hatten zu zahlreichen Protestaktionen auf dessen Weg von Baden-Württemberg nach Mecklenburg-Vorpommern aufgerufen. Bei Halle (Sachsen-Anhalt) und bei Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern) gelang es Umweltaktivisten, den Zug zu außerplanmäßigen Stopps zu zwingen. Die fünf Castoren sollten in der Nacht zum Donnerstag am Atommüll-Zwischenlager bei Lubmin ankommen.

In Halle hatten sich am frühen Abend zwei Atomkraftgegner von einer Eisenbahnbrücke abgeseilt. In Rastow blockierten laut Polizei etwa 15 Menschen die Gleise und hinderten den Zug, der zuvor den Bahnhof Ludwigslust mit hoher Geschwindigkeit passiert hatte, für knapp eine halbe Stunde am Weiterfahren Auf Transparenten hieß es unter anderem: „Euer Nonsens ist kein Konsens“. Auch in Lubmin hatten sich wie beim Castor-Transport im Dezember Atomkraftgegner versammelt, um gegen den Transport zu protestieren.

Schon beim Start an der ehemaligen Wiederaufarbeitungsanlage in Karlsruhe blockierten mehrere hundert Atomkraftgegner in der Nacht zum Mittwoch die Gleise und wurden von der Polizei weggetragen. 310 Demonstranten wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen. Sie würden wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsrecht angezeigt, hieß es. Gegen acht Protestierer wird außerdem wegen Widerstands gegen die Polizei sowie Beleidigung und Nötigung ermittelt. Ein Polizist soll eine Gehirnerschütterung durch den Schlag eines Demonstranten erlitten haben.

Die ersten Kilometer bei Karlsruhe galten als besonders kritisch, da sie durch Wohngebiete führten. Mehr als 1000 Polizisten sicherten allein dort den Zug ab. Bundesweit waren entlang der rund 900 Kilometer langen Strecke mehrere tausend Beamte im Einsatz. Genaue Angaben machte die zuständige Polizei-Pressestelle in Anklam nicht.

Bei dem Protest auf einer Eisenbahnbrücke über die Saale bei Halle hatten zwei Männer Stahlseile auf die Gleise gelegt und sich daran in die Tiefe abgelassen, wie die Umweltschutzorganisation Robin Wood und die Polizei mitteilten. Der Zug hielt auf der Brücke an, weil er sonst das Leben der beiden Männer gefährdet hätte. Die Polizei rückte mit Spezialkräften an und beendete die Aktion der Demonstranten, die nun mit einer Anzeige wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr rechnen müssen. „Das ist kein Kavaliersdelikt“, sagte der Sprecher der Bundespolizei, Stefan Perschall.

In den fünf Castoren sind 56 Tonnen radioaktiver Abfall aus der vor zwei Jahrzehnten stillgelegten Wiederaufarbeitungsanlage. Der früher als „Atomsuppe“ bezeichnete stark strahlende Müll wurde verglast, um ihn transportfähig zu machen. Die Castor-Gegner stören sich daran, dass der Atommüll aus Baden-Württemberg nicht auch dort gelagert wird. Nach ihrer Ansicht muss der strahlende Abfall in dem Bundesland bleiben, in dem er anfällt. Ihr Hauptanliegen ist jedoch, dass keine Energie mehr aus Atomkraft produziert wird.

dpa

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Atommüll: Blockaden halten Castor-Transport nicht auf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%