Atommüll
Empörung über Castor-Transport nach Russland

Deutschland plant, Atommüll aus einem früheren DDR-Kernforschungszentrum in Sachsen in eine russische Wiederaufarbeitungsanlage zu transportieren. Die Opposition bezeichnet den Schritt als "unverantwortlich" und einen "Akt der politischen Feigheit".
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HB BERLIN. Der geplante Transport von Atommüll aus Deutschland in eine russische Wiederaufarbeitungsanlage sorgt für massive Kritik an der Entsorgungspolitik der Bundesregierung. Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Renate Künast, sprach am Dienstag von einer "hochgefährlichen Fracht". "Dass jetzt aus Ahaus Material nach Russland geschickt werden soll, ist für uns nicht akzeptabel", sagte sie.

Auch die SPD wandte sich gegen die Pläne von Schwarz-Gelb. "Das ist unverantwortlich und ein Akt der politischen Feigheit. Es ist die Aufgabe eines jeden Landes, den eigenen Atommüll selbst zu entsorgen", erklärte SPD-Chef Sigmar Gabriel in Berlin.

Die atomare Fracht stammt ursprünglich aus dem früheren DDR-Kernforschungszentrum Rossendorf bei Dresden. Sachsen hatte die 951 Brennelemente im Frühjahr 2005 mit 18 Castor-Behältern ins münsterländische Zwischenlager Ahaus bringen lassen, da Rossendorf als Zwischenlager nicht zugelassen war. Der Antrag enthielt die Formulierung, den Atommüll bis zur Abgabe an ein Endlager des Bundes in Ahaus zu belassen. Von einem Transport nach Russland in die Wiederaufarbeitungsanlage Majak war damals keine Rede.

Dies löste am Dienstag auch Nachfragen des Bundesamtes für Strahlenschutz aus. Der geplante Transport werfe "übergeordnete Fragen des Strahlenschutzes sowie der Begründung früherer Genehmigungen auf", hieß es in einer Stellungnahme. Im September hatte das Amt die Genehmigung für den Transport der Castoren auf deutschem Territorium erteilt.

Der Atommüll soll bis zu einem Hafen gebracht werden und dann per Schiff nach Russland gehen. Für die Ausfuhr ist das Bundesamt für Ausfuhr und Wirtschaftskontrolle zuständig. Die Genehmigung liegt offiziell noch nicht vor.

Wann genau die Castoren auf die Reise gehen sollen, ist bisher nicht bekannt. Das sächsische Wissenschaftsministeriums schloss am Dienstag lediglich einen Transport im November aus. Ein genauer Zeitpunkt werde ebensowenig genannt wie die exakte Route, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Allgemein wird angenommen, dass der Transport nach Russland bis zum Jahresende erfolgt. Sachsen zahlt für den Transport etwa 35 Mio. Euro.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte am Dienstag mit einem Bericht über die bereits bekannten Castor-Transporte neue Forderungen nach einem Stopp ausgelöst. Das deutsch-russische Abkommen für den Transport sei unterschriftsreif, hieß es. Grundlage sei ein Abkommen Russlands mit den USA über die Rückholung von Brennelementen aus Forschungsreaktoren, die einst von der Sowjetunion bestückt worden waren. Damit soll waffenfähiges Uran eingesammelt werden. Mehrere einstige Warschauer-Pakt-Staaten nutzten das.

Die Grünen warnten vor einer "Billigentsorgung zu Lasten der Sicherheit". "Russland kann in Majak bisher keinen verlässlichen Umgang mit Atommüll garantieren. Die Waldbrände des vergangenen Sommers waren ein neuer Beleg dafür", betonte der sächsische Grünen-Politiker Johannes Lichdi. Da es bisher weder in Deutschland noch in Russland ein Endlager gebe, sei jedes Hin- und Herkarren des Atommülls ein unnötiges Risiko.

Kommentare zu " Atommüll: Empörung über Castor-Transport nach Russland"

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  • @bahia: jahrtausendelang strahlenden Atommüll in ein nicht besonders stabiles Land mit unzureichender Expertise (von entsprechendem Engagement mal ganz zu schweigen) zu verschieben ist in ihren Augen eine "gute Lösung"? Wie naiv sind Sie eigentlich??? Und warum sollten die Grünen hier Lösungen bieten? Das Problem haben die schließlich nicht geschaffen; da ist wohl eher die Energiewirtschaft gefragt...

  • Da kann man mal wieder sehen, was gemacht wird, (endlich mal eine gute Loesung des Atommuells!!!)
    wird von der Oposition bemerkelt, gemaengelt etc. nur Oposition zeigen. Hiermit zeigen die Gruenen das sie nicht regierungsfaehig sind. Sie haben auch keine besseren ideen, nur bemaengeln ist aber nicht genug.
    Warum wurde in der |Vergangheit als sie das sagen hatten es nicht besser gemacht, nicht nur die Atommuellentsorgung, sondern auch all das Andere was jetzt so klaeglich bemerkelt wird?
    Gruene, wenn ihr wirklich was auf die beine stellen wollt, macht endlich konkrete Vorschlaege und nicht immer nur Oposition auf Gedeih und Verderb, das wir sind wir satt !!!!!

  • Der Schritt des Castor-Transportes in Richtung Rußland wäre zu begrüßen, und man sollte dabei nicht vergessen, für die Politiker Trittin, Roth, Gysi und Gabriel ein Treckergespann zum Demonstrieren an den Transport mit heranzuhängen.

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