Atommüll-Endlager
Röttgen auf Mission in Gorleben

Der Umweltminister besucht das mögliche Atommüll-Endlager und propagiert eine neue Transparenz. Doch die Gegener machen nicht mit. Für einen öffentlichkeitswirksamen Besuch Röttgens im Bergwerk stehe man nicht zur Verfügung.
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GORLEBEN. Der Minister sucht in Gorleben den Dialog, doch er kann ihn nicht finden. Nicht einmal eine Mahnwache steht am Eingang des Erkundungsbergwerks bereit, um Norbert Röttgen (CDU) einen gebührenden Empfang zu bereiten. Gerade hier, wo sie geübt sind im Organisieren von Protesten aller Art, ist das sehr unüblich. Schon am Vortag hatten die Bürgerinitiativen abgewunken: Nein, für einen öffentlichkeitswirksamen Besuch des Umweltministers im Bergwerk stehe man nicht zur Verfügung. Das lassen sie dem Minister ausrichten.

Röttgen gibt sich unverdrossen. Am Ende seines Rundgangs durch die Stollen im Salz sagt er vor gut drei Dutzend Journalisten, es müsse eine neue Ära der Transparenz beginnen. Es bestehe „eine Bringschuld, Grundlagen des Vertrauens zu bilden“.

Eine Art Geißler für Gorleben soll her

Was über drei Jahrzehnte an Porzellan zerschlagen wurde zwischen Politik und Betreibern auf der einen und einer überaus kritischen Bevölkerung auf der anderen Seite, will Röttgen kitten – zum Beispiel mit einem „interaktiven Dialogforum“. Die entsprechenden Möglichkeiten im Internet habe es früher eben einfach nicht gegeben, bedauert Röttgen. Nun werde man kontinuierlich und offen mit der Bevölkerung kommunizieren. Etwa über die seit gestern freigeschaltete Website www.gorlebendialog.de. Auch ein Dialogbeauftragter soll her, eine Art Heiner Geißler für Gorleben. In den regionalen Zeitungen hat Röttgen pünktlich zu seinem Besuch sein Gesprächsangebot in Form einer großen Anzeige deutlich gemacht.

Unter Tage lässt sich der Minister vom Präsidenten des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, erklären, welche Fragen noch beantwortet werden müssen, ehe sich über die Eignung Gorlebens als Endlager für hochradioaktive Abfälle zweifelsfrei entscheiden lässt: Wie verhält es sich mit der Gasbildung im Salz? Und setzt sich die Anhydrit-Formation, die an einigen Stellen aus dem Salz hervortritt, durchgängig bis in die Nähe von grundwasserführenden Schichten nach oben fort? Das wäre ein K.O.-Kriterium für ein Endlager Gorleben. Denn das Anhydrit ist wasserdurchlässig – und absolute Trockenheit für zehntausende von Jahren ist die Grundvoraussetzung für ein sicheres Endlager.

Grundstückeigentümer kommen gleich mit dem Anwalt

Und dann ist da noch die Frage der Salzrechte einiger Grundstückseigentümer. Sie sperren sich gegen die Erkundung unter ihrem Land. Das blockiert die Sondierung der Hälfte des Salzstocks.

Mit einem der Wortführer der Grundstückseigentümer trifft sich Röttgen – ohne Journalisten – am Tag eins seiner Transparenzoffensive. Es ist Andreas Graf Bernstorff. Der bringt zu dem Treffen sicherheitshalber seinen Rechtsanwalt mit. Nach einem entspannten Dialog klingt das nicht.

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